Kroko-Plage

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Das Nil-Krokodil gehört zu den größten seiner Art und war früher eine gefragte Jagdtrophäe. In den 70iger Jahren wurde die Jagd verboten, weil die Echsen-Population dramatisch gesunken war. Mittlerweile aber klagen die Fischer, gäbe es auf dem Nil eine regelrechte Krokodil-Plage. Mehrere zehntausend Exemplare sollen sich allein im Nasser-Staussee tummeln. Die würden nicht nur ihre Netze zerstören, die Fische wegfressen, sondern auch immer wieder Menschen anfallen. Die Jagd auf die Krokodile soll deshalb wieder frei gegeben werden, fordern die Fischer.

Sind im Nasser-Stausee zu viele Riesenechsen?

 Nasser-Stausee Mit seinen beiden kleinsten Kindern besucht der Fischer Saad Hamid ein nubisches Dorf bei Assuan. Dort wohnt ein Freund von ihm, und der züchtet Krokodile für seinen Mini-Zoo.

Bis zu einhundert Jahre alt können die Tiere werden, früher waren sie im südlichen Ägypten an der Grenze zum Sudan ein begehrtes Jagdobjekt. Hamid erzählt den Kindern, wie gefährlich die Reptilien sind, wenn sie erst mal ihre volle Größe erreicht haben.

Der Fischer weiß, wovon er spricht, denn bald wird er wieder hinausfahren auf den Nasser-Stausee. Und der strotzt nur so von den Riesenechsen, und das macht ihm zusehends das Leben schwer. Denn das Krokodil frisst immer mehr Fisch, und zerstört damit seine Existenz.

Hamid verabschiedet sich von den fünf Kindern und seiner Frau - er weiß selbst noch nicht, für wie lange. Hinter dem Damm wartet sein Boot, das ihn hinausbringen wird.

Im Hafen trifft er einen Kollegen, der früher auch gefischt hat, nach einem schweren Unfall aber aufgab. "Unser Schiff war überladen, und ist bei Seegang gesunken", erzählt er. "Wir waren zu Dritt, einer fehlte aber dann. Am nächsten Tag fanden wir die Leiche: Unser Freund war von einem Krokodil getötet worden."

Die Fischer bangen um ihre Existenz

 Nilkrokodil Es ist ein schweres Leben hier draußen, am Nasser-Stausee, mit dem Boot rund drei Stunden von Assuan entfernt. Auch der 47-jährige Saad Hamid ist wieder dabei, wenn sich die Fischer am Morgen bereit machen, rauszufahren.

Monatelang leben sie alleine in der Wildnis, getrennt von Familie und Freunden. Es gibt weder fließendes Wasser noch Strom, und sie ernähren sich von dem, was vom Fang nicht verkauft wurde.

Auch wenn der fünfhundert Kilometer lange, aufgestaute See sehr fischreich ist, klagen die Männer über immer kleinere Erträge. Das Nilkrokodil sei schuld, weiß auch Hamid, der seit über zwanzig Jahre auf dem Gewässer arbeitet.

Löcher im Fischernetz - sind die Krokodile schuld?

Am nächsten morgen, als der Fang dann eingeholt werden soll, folgt prompt der Beweis: Das Netz war nagelneu, und lange hatten sie darauf gespart. Doch wieder haben die Panzerechsen angegriffen, und geräubert. Vier Löcher sind im Netz, die Männer sind wütend.

"Wir haben es gestern zum ersten Mal ins Wasser geworfen, erzählt Hamid. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Das ist ein schwerer Verlust, denn das Netz wird nie mehr so fest sein, wie vorher", erklärt Fischer Saad Hamid.

Weil die Jagd auf das Krokodil seit 1973 verboten ist, sollen sich inzwischen mehrere Zehntausend Exemplare im bis zu einhundertachtzig Meter tiefen See tummeln.

Nur selten gelingt es, wie hier, die scheuen Tiere vor die Linse zu bekommen: Bei der kleinsten Bewegung, oder dem geringsten Geräusch, tauchen sie sofort wieder ab.

Die Gewässerschutzbeauftragte Olfat Habib aber meint: "Die Fischer übertreiben, wenn sie behaupten, die Krokodile würden ihre Existenz gefährden, Gewässerschutzbeauftragte Olfat Habib. Und sie zeigt, dass sich die Riesenechsen nur in den kleineren Nebengewässern, aber nicht im Hauptsee befinden.

Greifen die Krokodile sogar Fischerboote an?

Da wissen die Fischer ganz anderes zu berichten. Während sie das kaputte Netz wieder notdürftig flicken, erzählt Hamid, dass ein Krokodil bis zu fünf Kilo Fisch am Tag frisst. Selbst für die Menschen in ihren einfachen Holzbooten seien
sie eine Gefahr, sie bedrohten ihr Leben- und manchmal würden sie sogar angreifen.

Uns ist es erst vor zwei Monaten passiert, sagt er. Wir waren mit zwei kleinen Kähnen draußen, als das Krokodil so heftig angriff, dass wir glaubten, es würde im Boot landen. Gott sei Dank konnten wir entkommen. Aber bis heute haben wir noch panische Angst.

Es ist Abend geworden, und die Fischer warten in ihrer kargen Strohhütte auf die einzige warme Mahlzeit des Tages. Sie kommen alle aus Oberägypten, bevor die Täler in den Siebziger Jahren geflutet wurden, waren ihre Familien Bauern. Um die einhundert Euro verdienen sie umgerechnet im Monat, und eine andere Arbeit gibt es nicht. Deshalb hoffen sie, bei Allah, dass sich die Krokodile nicht weiter mit diesem Tempo vermehren mögen.

(ws/wikimedia/tiermotive.de/terrazoo/werg)

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