Schwelbrand in 'Ostturkestan'

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Eine Uigurin stellt sich gepanzerten Fahrzeugen der chinesischen Armee gegenüberIn der Unruheregion Xinjiang sind derzeit mehr chinesische Soldaten eingesetzt als amerikanische in Afghanistan. Würden die schwerbewaffneten Soldaten in Urumqi nicht an jeder Straßenecke stehen, traute sich kaum einer mehr auf die Straße.

Am vergangenen Sonntag hatte sich in der Stadt im Nordwesten Chinas die ganze Gewalt entladen: Mehr als tausend uigurische Gewalttäter machten regelrecht Hatz auf chinesische Passanten. Yang Weijun entkam ihnen an diesem Abend nur knapp, ihr Mann hatte weniger Glück. Er wurde, wie so viele Opfer, auf dem Heimweg von der Arbeit auf offener Straße mit Eisenstangen zusammengeschlagen. Die Folge: Schädelbruch, Schulter- und Rippenbrüche.

Feindbilder haben sich verstärkt

Die Weijuns leben seit ihrer frühen Kindheit in Urumqi, ihre Eltern waren vor über 20 Jahren hierher gezogen. Das harmonische Zusammenleben mit den hier heimischen Uiguren, das die Regierung ständig preist, erweist sich nicht erst seit vergangenen Sonntag als pure Propaganda: Wir Han-Chinesen und die Uiguren werden wohl nie mehr miteinander auskommen, denn sie könne ihnen einfach nicht vergeben für das, was sie uns angetan haben, so Yang Weijun. Sie sieht in ihnen nur noch ihre Feinde.

Volk mit eigener Religion und Kultur

Die rund acht Millionen Uiguren leben schon seit Jahrtausenden hier, bis Mao sie, ungefragt, zu chinesischen Staatsbürgern erklärte. In den Uigurenvierteln Urumqis fragt sich jeder Reisende, ob er wirklich noch in China ist. Das muslimische Turkvolk hat seine Kultur und Religion bewahrt. Eine eigene, nicht nur räumlich von den Chinesen, getrennte Welt. Im Uigurenviertel war es am vergangenen Dienstag zum offenen Protest gekommen.

Das Militär geht brutal vor

Als die Regierung ausländische Journalisten durch die Stadt führt, laufen sofort uigurische Frauen herüber. Auge in Auge mit schwerbewaffnetem chinesischem Militär fragen sie nach ihren verhafteten Angehörigen. Dazu gehört viel Mut angesichts der brutalen Methoden der chinesischen Sicherheitskräfte.

Eine Gruppe von jungen Uiguren beklagt die Brutalität der Polizei. Er sei nur für seine Großmutter einkaufen gegangen, als die Unruhen ausbrachen, erzählt einer der Jungen und zeigt die Spuren der Schläge, die er von Polizisten einstecken musste. Mit den Gewalttaten hätten sie nichts tun, sagen sie, und man kann ihnen das glauben oder nicht.

Soziale Konflikt entladen sich in Gewalt

Fest steht, dass sie alle keine richtigen Jobs haben und kaum chinesisch sprechen können. Die Jobs in den Fabriken und auf den Baumwollfeldern Xinjiangs gehen meist an Chinesen, besonders die jungen Uiguren fühlen sich im modernen China benachteiligt. Ein sozialer Konflikt, der, ethnisch und kulturell aufgeladen, jetzt explodiert. Damit rächt sich die jahrzehntelange, staatlich verordnete Ignoranz gegenüber der urigurischen Minderheit, das Verbot, die Probleme auch nur zu benennen. Und die aufgestaute Wut lässt sich nur noch mit Waffengewalt im Zaum halten - nicht nur die Wut der Uiguren, auch die der Chinesen.

Uiguren stehen unter Druck

UigurenTausende von ihnen bewaffneten sich Anfang der Woche mit Knüppeln und Messern. Mit dem Ruf "tötet die Uiguren" zogen sie durch die Stadt. Während die Chinesen offen darüber sprechen, sich wehren zu müssen, trauen sich die Uiguren nicht so offen zum Konflikt zu äußern. Ein ugurischer Student wisse nicht, woher der Zorn seiner Landsleute auf die chinesischen Nachbarn kommt. Erst nach dem Interview erzählt er, dass er massiv davor gewarnt wurde, mit ausländischen Journalisten zu sprechen.

Yang Weijun dagegen fühlt sich nur noch in der Nähe von Soldaten sicher. Die bewachen jetzt diese Moschee, gegen chinesische Angreifer. Doch auf Dauer wird Peking den Konflikt im uigurischen Nordwesten nicht mit militärischen Mitteln lösen können. Auch wenn Yang Weijun, und wer könnte es ihr in diesen Tagen persönlich verübeln, nichts dagegen hätte.

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