Sushi a la Plastik

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Eine kleine WerkstattKochen kann er nicht, aber Shiko Tanaka gelingen trotzdem die ungewöhnlichsten Gerichte. Über einige Bestellungen wundert er sich selbst.

Shiko Tanaka, Tsukasa-Plastikessen:
"Das ist eine seltsame Art, Bier zu trinken. In der Mie-Präfektur machen es aber einige. Ich selbst habe das noch nie probiert. Man nimmt zuerst die Languste raus, dann trinkt man das Bier, und isst die Languste als Beilage. Das ist schon ziemlicher Luxus."

Für den nächsten Auftrag übergießt er echte Fischstücke mit Silikonsauce. So entstehen in dem kleinen Familienbetrieb Formen für eine sehr japanische Spezialität. Herr Tanaka stellt ungenießbares Essen her. Aber wenn die Kunden es sehen, soll ihnen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Backzeit 15 Minuten. Dann ist sie fertig: die Sushikopie.

Fast wie das echte Essen, aber aus Plastik

Shiko TanakaShiko Tanaka, Plastikkoch:
"Gutes Plastikessen erkennt man an den realistischen Farben. Und es ist weich und geschmeidig, fast wie die echten Zutaten. Der Thunfisch sieht sogar besser aus als Original, weil wir unterschiedliche Farbtöne mischen können. Auch der Lachs. Hier malen wir weiße Linien, um ihn echter aussehen zu lassen."

In Japan zeigen viele Restaurants schon draußen, was sie zu bieten haben. Die Kopiekultur begann einmal mit Wachsmodellen. Doch im heißen Sommer schmolzen die auch mal da hin. Heute: Jedes denkbare Gericht – ein Augenschmaus aus Vinylchlorid.

Realistischer als das Vorbild

Koichi MorikawaSuhsi-Meister Koichi Morikawa aus Tokio passt seine Speisekarte regelmäßig den Jahreszeiten an oder kreiert neue Kombinationen. Diesmal möchte er die Fischsorten für den Sushi-Topf anders zusammenstellen. Und deshalb braucht er einen neuen Appetitanreger fürs Schaufenster.

Koichi Morikawa, "Asahi Sushi":
"Das Plastikessen ist wichtig. Die Kunden lassen sich davon beeinflussen. Wenn das Gericht, das sie serviert bekommen, genau so ist wie das Plastikessen, das sie draußen sehen, dann sind die Gäste sehr zufrieden."

Nebenan wartet Koji Tanaka, der Sohn des Plastikkochs. Fototermin für Thunfisch, Lachs, Shrimps: Wie dick sind die Scheiben, wie sind sie angeordnet? Er wird das ganze Gericht zwar mitnehmen, trotzdem knipst er es von allen Seiten ab.

Koji Tanaka, Tsukasa-Plastikessen:
"Auf dem Weg in die Firma könnte die Anordnung der Zutaten durcheinander geraten, oder die Farben ändern sich unterwegs vielleicht. Dank des Fotos können alle in der Fabrik den Originalzustand und die Farben sehen, um eine realitätsnahe Kopie herzustellen."

Dann bringt er das Essen zu seinem Vater. Shiko Tanaka hat seinen Beruf bei einem der großen Hersteller gelernt. Mehrere Gerichte entstehen immer parallel: Tintenfisch zurechtgeschnitten oder Nudelsuppe mit angefönten Algen. Diese Fische sind für einen Supermarkt, der Präsentkörbe bewerben möchte. Und das ist eine Proviantbox für unterwegs für einen Laden am Bahnhof. Die meisten Plastik-Gerichte kosten zwischen 50 bis 80 Euro.

Viel Handarbeit

Original und Modell
Die Spezial-Spaghetti und die Reiskörner bestellt er bei einer größeren Fabrik, so gut wie alles andere macht er selbst. Den Sashimi-Topf von Sushi-Meister Morikawa haben seine Mitarbeiter schon vorbereitet. Früher konnte er eine Shrimp- oder Thunfischform für mehrere Kunden verwenden – heute wird jedes Fischstück einzeln hergestellt. Die Kunden erwarten die perfekte Kopie ihres Essens, nicht kleiner, nicht größer, aber eine Extraprise Farbe genehmigt sich Herr Tanaka. Qualitätskontrolle mit dem Foto des Sohnes.

Shiko Tanaka, Plastikkoch:
"Mein Essen soll besser aussehen als das Original. Nehmen Sie diesen Sushi-Topf. Fischscheiben verlieren schnell ihr frisches Aussehen. Aber bei meinem Essen soll jeder das Gefühl haben, die Fische seien gerade erst gefangen worden."

Sein Sohn Koji bringt das vollendete Gericht ins Sushi-Restaurant. Original und Fälschung, genau hinschauen. Sushi-Meister Morikawa ist zufrieden, und dankbar für die Extraportion
Glanz.

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