Pilger der Liebe

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

DavidSeit 2.000 Jahren liegt im Wald Biriya das Grab des Rabbiners Ben Jonathan Uziel. Hierher pilgern alleinstehende, heiratswillige Juden, um durch das Gebet an den Heiligen und Gerechten Ben Jonathan die wahre Liebe zu finden.

David aus Frankreich ist einer der ersten an diesem Morgen, der hofft, von Gott und dem Rabbiner erhört zu werden. Und auch Li aus Tel Aviv ist bereits seit sechs Uhr unterwegs, damit sich durch die Magie des Grabes demnächst ihr größter Wunsch erfüllt. Die Hochzeit mit dem Mann ihres Lebens.

Der Weg zum Grab ist für Männer und Frauen getrennt. Auch im Mausoleum beten sie in durch eine Wand und den Grabstein getrennten Räumen. Für die Fürbitte legt David den Gebetsschal an und die Tefillin, die jüdischen Gebetsriemen. Er hält eine exakte Reihenfolge verschiedener Gebete an den heiligen Rabbiner ein.

Fester Glauben

LiAuch Li befolgt genau die für Frauen vorgegebene Gebetstradition. Beide meinen es ernst mit dem Besuch des Mausoleums. Beide laufen sieben Mal um das Grab, um sich mit der Seele des Rabbiners zu verbinden.

David:
"Wenn man hierher kommt und sieben Mal um das Grab läuft und dazu betet, gibt es einem die göttliche Kraft, die Männer und Frauen brauchen, um sich zu finden."

Li:
"Als ich in das Mausoleum eingetreten bin, habe ich es sofort gespürt. Es gibt hier diese spirituelle Kraft. All die anderen, die hier auch beten. Die Kerzen, die Bücher. Es gibt hier eine wirklich spirituelle Kraft."

Komplizierte Partnersuche

Dr. Jeffrey WoolfUnd in diese spirituelle Kraft setzt Li nun ihre ganze Hoffnung. Es ist kompliziert geworden mit der Suche nach dem richtigen Partner, auch im Judentum.

Früher in der Diaspora war alles anders. Da suchte ein Heiratsvermittler, genannt Schadchan, den passenden Partner. Die Braut, beziehungsweise der Bräutigam musste jüdisch sein. Die Heiratsvermittlung, hebräisch Schiduch, ist einer der Hauptgründe, warum das Judentum 4.000 Jahre alt werden konnte.

Dr. Jeffrey Woolf, Bar Ilan Universität:
"Das Überleben des Judentums ist nichts Natürliches. Das ist nicht die Norm. Eine Minderheit überlebt normalerweise wegen der Anpassung an die Mehrheit nicht so lange. Trotzdem gibt es uns noch und das auch, weil wir vor allem innerhalb der Religion heiraten."

Doch ein traditioneller Vermittler kommt für Li nicht in Frage. Sie will selbst bestimmen, wen sie heiratet. Heute gibt es den modernen, virtuellen Schiduch. Die Heiratsvermittlung J-Date im Internet. J-Date ist eine Abkürzung für Jewish Date, also die jüdische Verabredung.

Eine Frage der Staatsbürgerrechte

Li im NachtlebenLi:
"Ich bin Jüdin und das ist Teil meiner Identität und meiner Tradition, auch wenn ich nicht streng religiös lebe. Aber ich komme aus einer jüdischen Familie und ich will hier in Israel leben. Und wenn man in Israel alle Staatsbürgerrechte haben will, sollte man jüdisch heiraten."

Die beste Variante, einen Partner kennen zu lernen, ist immer noch das echte Leben, sagt Li. Und die israelische Mittelmeermetropole Tel Aviv bietet dafür ausreichend Gelegenheit. Zumindest kommen den Sommer über aus der ganzen Welt zehntausende jugendliche Juden in die Stadt. Viele von ihnen suchen nicht nur die Liebe, sondern auch einen jüdischen Partner zum Heiraten. Li genießt das Nachtleben mit ihren Freundinnen. Die Auswahl ist groß, aber den richtigen Mann hat Li noch nicht gefunden. Wir wollen wissen, warum.

Li:
"In dieser Stadt wollen doch alle nur das eine. Einen One-Night-Stand bekommt man so einfach, dass viele lieber Single bleiben."

Hochzeit in einem Jahr

Li und DavidZurück am Grab des Heiligen Rabbiners Ben Jonathan Uziel: Wer hierher kommt, meint es ernst. Li schaut sich die Listen mit all den Namen an, die nach dem Gebet einen Ehepartner gefunden haben. Das gibt Hoffung.

Li:
"Ich habe dafür gebetet, dass er gütig, nicht aufbrausend, großzügig, nett und erfolgreich ist. Alles was man sich eben so wünscht."

Auch David fühlt sich jetzt spirituell gestärkt. Nun liegt für die beiden auf der Suche nach einem passenden Partner alles in Gottes Hand. Innerhalb eines Jahres, so will es die Legende, findet der Geist des Rabbiners den richtigen Partner und es wird Hochzeit gefeiert

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