Hoffnung in den Slums

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Efren Peñaflorida mit Schülern an seinem HandkarrenSie bringen Hoffnung zu den Armen: Die meisten sind selbst noch Schüler. Jeden Samstag ziehen sie von einem Slum zum nächsten mit vier mobilen Klassenzimmern. Noch als Jugendlicher hat Efren Peñaflorida das alles ins Rollen gebracht: Seine Botschaft hat das Leben vieler Kinder verändert: „In allem Schlechten kann man auch etwas Positives finden. Nutze, was immer dir an Mitteln zur Verfügung steht, um anderen zu helfen. Auch wenn du arm bist oder jung, kannst du einen Beitrag leisten."

Manila - rund um die Wolkenkratzer liegen die vielen Elendsviertel, wo es zwischen Blechhütten nur wenig Platz für Bildung gibt: Millionen Kinder im ganzen Land gehen nicht in die Schule.

Unterricht an der Handkarrenschule

Die Kinder gehen gern zum Unterricht Cavite, eine Vorstadt von Manila: Dynamic Teen Company - die tatkräftigen Teenager - wie sich die Gruppe nennt, werden schon erwartet. Der erste Stopp: der Slum am Markt. Auch hier gehen die meisten Kinder nicht mehr zur richtigen Schule. Nach der ersten oder zweiten Klasse ist oft schon Schluss. Auf dem Stundenplan am Samstag: einfache Grundlagen, Rechnen, Schreiben.

Auf der Rückseite erklärt Efren die Computertastatur. Der 28-Jährige ist selbst arm aufgewachsen. Irgendwann wollte er nicht länger tatenlos zu sehen, wie Kinder in seiner Nachbarschaft das einzige aufgaben, was ihnen die Aussicht auf eine bessere Zukunft bieten konnte: „Wir ermuntern sie, das Lernen zu lieben, sich dafür zu begeistern: Wir sagen ihnen, das Lernen wird euch viel zurückgeben, es wird euch helfen, eure Welt zu verändern: Die Kinder sollen begreifen, dass sie durch Bildung bessere Chancen haben.“

Vier Slums besucht die Handkarrenschule: Princess ruft das Ergebnis der Rechenaufgabe. Die zwölfjährige kommt gerne, genau wie ihre Brüder. Die kleine Schwester haben sie immer mit dabei. Nach zwei Stunden ist der Unterricht vorbei, die Schule zieht weiter.

Viele Kinder leben auf der Straße

Müllhalde in ManilaDie Geschwister müssen zurück in ihr Alltagselend. Sie leben auf der Straße. Princess - eine Prinzessin aus der Gosse: Die dritte Klasse hat sie noch besucht. Jetzt bettelt sie jeden Tag von früh bis spät: „Meine Eltern haben keine Arbeit, wir haben nichts zu essen, deshalb müssen wir betteln. Ich würde gerne zu Schule gehen, dann könnte ich meinen Eltern noch mehr helfen.“

Hier hausen sie: Ihr Vater kann angeblich nicht richtig arbeiten, wegen Asthma, das Geld nimmt er den Kindern sofort ab - für seine Zigaretten. Früher hatten sie zumindest eine Hütte, doch die ist abgebrannt.

Efren und sein Team suchen auch die Eltern auf: Sie reden ihnen ins Gewissen, sie sammeln Spenden, besuchen Behörden, kämpfen um Stipendien - alles in ihrer Freizeit: Die Rückkehr der Kinder in die richtige Schule ist ihr Ziel - das mobile Klassenzimmer nur die erste Hilfe. Die gibt es in der Handkarrenschule auch medizinisch, weil Schüler oft mit frischen Hautverletzungen zum Unterricht erscheinen.

Geld verdienen auf der Müllhalde

Chris hat sich beim Müll suchen verletztDer zehnjährige Chris arbeitet hier mit und hat gelernt, die Wunden der Slumschüler zu desinfizieren. Er war mal einer von ihnen: „Manchmal fallen sie hin oder verbrennen sich. Ich freue mich, wenn ich anderen Kindern helfen kann. Denn in der Vergangenheit wurde mir geholfen.“

Dann zeigt uns Chris, wo seine Familie früher gelebt hat: Sein Vater hat ihn oft verprügelt und hier zum Arbeiten geschickt. Eine Müllhalde, die Menschen leben hier eingenebelt von Schwelbränden, der Gestank ist kaum zu ertragen. Einige Kinder spielen, andere müssen arbeiten und nach Verwertbarem suchen.

Chris ist schon als Fünfjähriger hinter den ankommenden Müllwagen hergelaufen, in der Hoffnung vor den anderen etwas Wertvolles zu finden: Seitdem hat er Narben am Arm und anderen Körperteilen: „Wir sind zu einem Müllwagen gelaufen. Es gab ein Gerangel. Einer hat mich dabei umgestoßen, es war keine Absicht, aber ich bin auf einen brennenden Reifen gefallen.“

Die Kinder und Jugendlichen des Slums stochern von morgens bis kurz vor Sonnenuntergang im Müll herum. John Paul und sein Freund John im gelben T-Shirt sind zwölf. Abgang nach der dritten, John Paul nach der vierten Klasse. Unsere Familien sind arm, sagen sie: Sie selbst träumen davon, Gold zu finden oder Geld. Jetzt verdienen sie mit Müll umgerechnet 50 Cent am Tag, manchmal dürfen sie davon etwas behalten.

Seine Eltern baten nach dem Unfall Efren um Hilfe. Die Kinder hier tun Chris heute leid: Er wünscht sich, dass sie die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht aufgeben.

Engagierte Jugendliche helfen Straßenkindern

Dynamic Teen Company - die tatkräftigen Teenager Neben dem Müllkippenslum ein Friedhof, sogar zwischen den Toten hausen Menschen. Die Bildungskarawane macht auch hier Station: 350 Schüler erreichen sie insgesamt jeden Samstag. Bruder-Efren-Rufe zur Begrüßung. Nur die tatkräftigen Teenager haben diese Kinder noch nicht aufgegeben.

Von Beruf ist er Lehrer geworden. Mehrere seiner über 100 Helfer waren früher Mitglieder in kriminellen Jugendgangs - eine typische Karriere für Schulabbrecher in Armenvierteln.

Die rollende Schule hat Auszeichnungen bekommen, verbunden mit Projektgeldern. Das bringt sie ihrem nächsten Ziel näher: Ein richtiges Haus, wo Straßenkinder lernen können. Viele andere Jugendliche im Land wollen mittlerweile eine eigene Handkarrenschulen gründen und bitten Efren um Rat: „Früher waren viele skeptisch, wir wurden ausgelacht, die Leute haben sich über uns lustig gemacht, weil wir die Handkarren schieben. Manchmal haben sie Steine nach uns geworfen. Aber heute ist es anders.“

Am Abend muss Princess den Abwasch machen. Der Samstag ist für sie der schönste Tag der Woche, weil sie dann zumindest zwei Stunden lang ein normales Kind sein darf, das in die Schule geht. Sie ist die Versorgerin der Familie. Ein Schulabschluss wird für sie wohl ein Traum bleiben.

Seit dem Unfall vor vier Jahren lebt Chris bei einer Organisation, die einige Mitglieder der Handkarrenschule aus besonders schwierigen Familien bei sich wohnen lässt. Er ist eines von mehreren 100 Kindern, das durch die mobile Schule den Weg zurück gefunden hat in ein richtige. Sein Berufswunsch: Lehrer.

(Quelle: ndr (mario schmidt)/ard/werg)

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