Es war einmal ein Hamster...

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

 

..der hatte der Weiber viel...

Familienleben im Hause von Ikramullah Ashaari. Der 43 Jahre alte Geschäftsmann hat seine vier Frauen um sich versammelt. Die älteste ist 44, die jüngste 30. Alle hier sind Mitglieder des “Polygamisten Clubs” von Malaysia.
Die jüngste und vierte Frau hat er vor sechs Jahren geehelicht, mit der ersten ist er seit 21 Jahren verheiratet. Jede Frau braucht Schutz, sagt Ehefrau Nummer drei.


Dr. Rohaya Mohamad (44)
Ehefrau Nummer drei.
Seretärin des Polygamisten Clubs

Ich könnte auch allein leben, ich bin Ärztin, sagt sie. Aber ein Ehemann gibt Liebe und Geborgenheit.

17 Kinder gehören zur Familie. Die vier Frauen sind alle berufstätig, haben eigene Wohnungen.

„Wir wechseln uns ab, mit unserem Ehemann,“ sagt sie. „Er geht zuerst zu Frau Nummer eins, dann Nummer zwei, drei und so weiter. Wenn ich an der Reihe bin, komme ich hierher oder er kommt zu mir.

„Die vier Frauen,“ sagt der Ehemann, „ergänzen sich. Das ist gut für mich.“ „

„Normalerweise,“ sagt er, „halte ich mich an die Reihenfolge eins, zwei, drei vier. Aber wir sind auch flexibel.“ Er ist selbst in einer polygamen Familie aufgewachsen.

„Er versucht,“ sagt sie, „so fair wie möglich mit uns zu sein.“

Das Familienhaus liegt in einem der typischen Mittelstandsviertel bei Kuala Lumpur. Polygamie, lange eher auf dem Lande zu finden, wird zunehmend zu einem urbanen Phänomen in Malaysia.

Polygamie ist legal in diesem vornehmlich islamischen Land. Das Familienrecht schreibt allerdings vor, dass die erste Ehefrau weiteren Ehen ihres Mannes zustimmen muss. Das hielt die Zahl der Vielehen eher klein. Aber, so sagen Kritiker, die Gesetze werden mehr und mehr aufgeweicht.

Gerade die jüngere Generation ist zögerlich, ihrem Ehemann zu widersprechen, sagt die islamische Frauenrechtlerin.

Prof. Norani Othman
Sisters in Islam

„Man hat sie gelehrt, dass im Islam der Mann das Recht auf Polygamie hat, sagt sie. Diese Vorstellung ist sehr ausgeprägt: Dass man islamische Vorschriften nicht in Frage stellen darf.“


In diesem Vorort von Kuala Lumpur liegt das Hauptquartier des Polygamistenclubs.

Der hat rund tausend Mitglieder, 300 Männer und 700 Frauen.

Der Club, der durchaus sektenhafte Züge trägt, betreibt mehrere Ladengeschäfte, auch die Klinik, in der Ehefrau Nummer drei als Ärztin arbeitet.
Aus erster Ehe geschieden kam sie vor zehn Jahren zu den Polygamisten.

Ehefrauen Nummer eins, zwei und vier gehen inzwischen einkaufen. Der Laden gehört ebenfalls dem Club. Hier wird islamische Damenmode angeboten. Ehefrau Nummer zwei bekennt, dass sie erst in der Ehe zum Schleier bekehrt wurde.

„Früher habe ich Shorts angezogen, Hosen,“ sagt die studierte Rechtsanwältin. „Dann habe ich den Islam verstehen gelernt. Und der lässt uns den Schleier tragen.“

Kartini Maroof (41) Ehefrau Nummer Zwei.
Im Kindergarten des Polygamisten-Clubs erhalten fünf- und sechsjaehrige Mädchen unter dem Hijab, dem Schleier, Unterweisung in Islamischer Lehre, wie der Club sie versteht.
Fast alle Kinder hier wachsen in polygamen Familien auf. Viele sind Nachkommen des spirituellen Führers des Klubs. Das ist ein 72 Jahre alter Geschäftsmann mit 38 Kindern und 200 Enkeln. Vor unserer Kamera will er sich nicht zeigen.
Ikramullah Ashaari hat seine vier Frauen eingeladen. Das Restaurant in der Innenstadt von Kuala Lumpur gehört dem Polygamistenclub. Und der preist Polygamie als Heilmittel gegen soziale Übel.

„“Wir wissen,“ sagt sie, „dass Männer von Natur aus nicht monogam sind. Sie gehen zu Prostituierten oder anderen Frauen. Wir sagen, es gibt einen Ausweg dafür: Den Islam.“
Zum Restaurant gehört ein Gebetsraum, hier kann man auch Gebetskleidung für Frauen ausleihen. Nach dem Gebet küssen die Frauen ihrem Mann die Hände.

Hinter der modernen Glitzerfassade der Metropole von Malaysia verbirgt sich eine schleichende Hinwendung des Landes zu einem strikteren, weniger toleranten Islam. Moslems, die beim Alkoholgenuss erwischt werden, oder bei außerehelichem Zusammensein mit Freund oder Freundin, werden von Sharia-Gerichten immer häufiger zur Auspeitschung verurteilt.

Küchenalltag in der polygamen Ehe von Ikramullah Ashaari.
Frage: Kann man vier Frauen gleichzeitig lieben ?
Ja, sagt er, Männer können viele Frauen gleichzeitig haben. Es ist wie bei Kindern: Man kann viele haben und sie trotzdem alle lieben.
Juhaida, seine erste Frau, Lehrerin von Beruf, lässt nur andeutungsweise durchblicken, dass die Vielehe für sie nicht einfach ist.
„Eifersucht ist etwas Natürliches,“ sagt sie. „Aber Gott, der die Vielehe erlaubt, zeigt auch den Ausweg daraus. Wir leben wie Schwestern,“ sagt sie.

Gebetsstunde im Wohnviertel des Polygamistenclubs. Der Club hat, nach eigenen Angaben, bereits viele Zweigstellen, die auch in anderen Ländern die Vielehe propagieren. In Asien, selbst in Europa. Wie viel Erfolg sie haben ist noch ungewiss. Aber für die Islamischen Frauenrechtlerinnen ist die Vielehe ein Symptom für einen gesellschaftlichen Trend.

Es gibt keinen politischen Willen, absolut keinen Mut, gegen diesen aufsteigenden intoleranten, verdummenden, konservativen Islam aufzustehen, sagt sie. Darum haben wir all diese Probleme. Polygame Familien sind nur ein Teil davon.

Die Zwillingstürme von Kuala Lumpur sollen ein Symbol für modernen Islam sein. Passt die Vielehe dazu ? Die Frauenrechtlerinnen schätzen, dass fünf bis zehn Prozent der Ehen in Malaysia polygam sind.

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