Edelsteine aus der "Grauzone"

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Immer wieder lassen sie das Sieb durchs Wasser kreisen, in der Hoffnung auf Diamanten. Früher schürften in der Region 20.000 Menschen. Heute ist es nur noch ein Viertel. Wegen des UN-Embargos bleiben die Großinvestoren aus Israel und Südafrika weg. Die Menschen in Bobi machen auf eigene Faust weiter.

Unter den Diamantensuchern sind auch Kakao-Farmer wie Nicolas Kouakou. Aber mit Landwirtschaft ist momentan kein Geld zu verdienen.

„Keine leichte Arbeit,“ sagt Nicolas. „Man muss nehmen, was man kriegt. Nur so kommt man über die Runden.“

Auf dem Hügel sitzt ein Aufpasser. Er hat alle im Blick, damit keiner einen Diamanten einfach einsteckt. Jeder Fund muss abgegeben werden.

„Das ist doch ein Kieselstein.“


„Wertlos. Wirf ihn weg!“

Inmitten aufgegebener Kakao-Plantagen schürfen und waschen sie, was ihre Kräfte hergeben. Und manchmal haben sie sogar Glück. Dann wird der Erlös geteilt: zwischen dem Finder, der Dorfgemeinschaft und den Militärs. Doch wegen des UN-Embargos sind die Preise im Keller.

Das Embargo macht alles nur schlimmer, sagt Aufpasser Konate. Rohdiamanten verkaufen sich nicht mehr gut. Dabei seien sie so billig wie nie.

Nehmen wir z.B. diesen Diamanten. Früher bekamen wir dafür 50.000 CFA. Heute nicht einmal ein Drittel!

Und was weiß er über das Geschäft: Diamanten für Waffen?

Darüber wisse er nichts, weicht er aus.

Er brauche nur ein bisschen Geld für seine Familie. Das sei alles.

Und was sagen die Militärs zum Diamantenhandel? Auch drei Jahre nach Ende des Bürgerkriegs wird der Norden der Elfenbeinküste weiter von der Rebellengruppe Forces Nouvelles kontrolliert. Auf die Diamantenförderung erheben sie acht Prozent Steuer – ganz legal. Alles andere sei Vergangenheit – behauptet der stellvertretende Militär- Chef der Rebellen.

Vor laufender Kamera weist er seine Soldaten an, sich auf keinen Fall in der Nähe der Minen blicken zu lassen.

Dass der Bürgerkrieg auch mit Diamanten finanziert wurde, ist unstrittig. Doch jetzt sollen die Rebellen in die reguläre Armee integriert werden. So gibt man sich als Saubermann und Freund des Volkes:

Ussiaka Ouattara, Vize – Militärchef, Forces Nouvelles

Die Menschen hier leben vom Diamantenabbau. Wenn er das verbieten würde, müssten sie hungern.

„Was ist mit dem Embargo?“

„Wenn die UNO ein Embargo verhängt, dann soll sie den Export von Diamanten auch selbst stoppen. Er könne den Dorfbewohnern doch nicht ihre Lebensgrundlage entziehen.“

Das Interview ist zu Ende. Der Kommandeur muss zu einer wichtigen Besprechung in die Hauptstadt. Präsident und Rebellen haben sich arrangiert. Lieber schweigen sie darüber, wie sie den Bürgerkrieg finanziert haben. Die einen durch Zwangsabgaben der Kakao-Farmer, die anderen durch Diamantenverkäufe.
Im Finanz- und Wirtschaftszentrum Abidjan haben sie sich die Macht geteilt. Der Rebellenchef ist inzwischen Premierminister, und Präsident Gbagbo macht sowieso was er will. Die letzte Wahl gab es vor zehn Jahren. Und Gbagbo versteht es trefflich, Neuwahlen immer wieder zu verschieben.

Auch die Auftritte von Oppositionspolitikern sind oft nur ein Schaulaufen. Dass nach UN-Angaben weiterhin Waffen und Munition in den Norden der Elfenbeinküste geschmuggelt werden – kein Thema. Dafür verweist man gern darauf, dass Abidjan als Drehscheibe im Diamantenhandel keine Rolle mehr spielt. Und das stimmt sogar.

Heute werden die Edelsteine über die grüne Grenze in die Nachbarländer Mali und Burkino Faso gebracht. Dort warten, so heißt es, bereits Abnehmer aus Israel und dem Libanon.

Ein Zwischenhändler in Bobi weiß mehr als er sagt.
Seinen Namen will er nicht nennen, sein Gesicht nicht zeigen.

Ob immer noch Diamanten gegen Waffen getauscht werden, wisse er nicht. Der Edelsteinhandel funktioniere mehr schlecht als recht. Wegen des UN-Embargos blieben die Großkunden weg. Und das treffe in der Region alle.

Früher war die Diamantensuche in Bobi eher eine Feierabend-Beschäftigung. Auf den Kakao-Feldern konnten Landarbeiter wie Sidi Konate mehr verdienen. Doch die letzte Ernte fiel schwach aus. Und viele Ausweichmöglichkeiten gibt es nicht.

Mit seiner Frau Catherine hat er sechs Kinder. Damit sie alle zu Essen haben, bleibt Sidi Konate gar nichts anderes übrig, als auf den Diamantenfeldern sein Glück zu suchen:

Mal findet man fünf Karat, mal zehn. Man muss genau hinschauen: Diamanten verstecken sich wie Diebe vor der Polizei.

Manche schuften den ganzen Tag und finden nichts. Andere haben einfach Glück.

Das UN-Embargo verbietet den Export von Diamanten, nicht die Förderung. Die Menschen in Bobi machen also nichts Illegales. Wohl aber die Händler, die die Steine in ein Nachbarland bringen und erst dort registrieren lassen. Herkunftszertifikate muss man gar nicht mehr fälschen. Denn ob die Diamanten vorher über die Grenze geschmuggelt wurden, das weiß dann keiner mehr.

(Quelle: ard/wdr/werg)

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