Die Reptilien Lobby...

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Exoten in den Everglades

Eine PythonDas ist Joe Wasilewski, Beruf Biologe, Hobby Reptilien, derzeitiger Nebenjob: Schlangenjäger:
"Hier zwischen den Felsen halten sie sich gern auf und kommen nachts manchmal heraus.", sagt er, wird aber dieses mal nicht fündig.

Wir sind in Florida, Naturschutzgebiet Everglades: "Oft kreuzen sie auch die Landstraße", sagt Joe und sollte recht behalten. Dann muss alles ganz schnell gehen. Ein Biss ist zwar nicht giftig, dennoch kann er schmerzhaft sein.

"Da haben wir ihn", sagt er, "ein Birmesischer Python - in den Everglades."

Die Schlangen vermehren sich schnell

Blick von einem Boot auf die EvergladesAm Morgen sind wir zur Rundfahrt durch die "Wetlands" verabredet, die dem Naturpark lange seine Artenvielfalt garantierten. Der Bootsmotor sitzt über Wasser, die Sümpfe sind seicht. Unser Bootsführer ist hier aufgewachsen, Shawn heißt er und kennt hier jede Wegstrecke, wenn nicht gar jeden Grashalm.

"Die Everglades sind einzigartig", sagt er, "als Landschaft zwischen Flussmarsch und Prärie, als Tier- und Pflanzenreservat. Ihr größter Feind war stets zuallererst der Mensch.

Dass sich hier Pythons tummeln, sieht er vor allem als Problem für die Alligatoren, die bekanntesten Raubtiere der Sümpfe. Denn sie konkurrierten nun mit den Pythons um die gleiche Nahrung.

Shawn Meiman, Everglades-Führer:
"Wann immer neue Arten in ein sensibles Ökosystem eingeschleppt werden, schaden sie dem Gleichgewicht, es ist immer ein Problem."

Fachleuten zufolge könnten die ersten Exoten-Schlangen aus einer gesunkenen Schiffsladung entwichen sein. Da sie sich hier schneller vermehren, als den Rangern lieb ist, wurden nun Jagdlizenzen ausgegeben. Die gefangenen Tiere werden später eingeschläfert. Bis zu 500 Eier pro Jahr legt ein Pythonweibchen, bisher offenbar recht unbehelligt von natürlichen Feinden.

Fallen und natürliche Feinde

Ranger Dan KimballDan Kimball, Parkmanager:
"Wir sind nicht sicher, wie viele es jetzt schon sind. Wir haben einmal in einem Areal 55 Pythons gefunden. Hochgerechnet auf das ganze wären das rund 150.000 Pythons. Aber das ist nur eine Schätzung."

Kritiker halten das für übertrieben. Zudem würden andere Raubtiere bald auch junge Pythons als Nahrung entdecken. Doch auch Anwohner sind verunsichert, seit Fotos die Runde machen vom bizarren Versuch eines Pythons, einen Alligator zu verschlucken, was für beide tödlich endete.

Auch die Nachricht, dass eine privat gehaltene Riesenschlange zuletzt ein Kleinkind im Schlaf erwürgt hat, versetzte ganz Florida in Sorge. Selbst Feuerwehren sind seitdem alarmiert.

"Wir arbeiten auch an Fallen, aber mit wenig Erfolg", räumt der Ranger sarkastisch ein. "Nur einen einzigen Python haben wir damit gefangen. Ein zweiter war nur halb drin."

Tatsächlich beeinflussen in den Naturparks viele Zuwanderer das Gleichgewicht, sagt uns Shawn. Von Muscheln, die an großen Schiffen kleben, bis zu importierten Exoten, die von ihren Haltern einfach in der Wildnis ausgesetzt werden.

Pause an der Rangerhütte. "Und zugleich", sagt Shawn, "bleiben alle Arten weiter von Schadstoffen bedroht, die aus Wohngebieten, Industrie und Landwirtschaft selbst hier noch in die Nahrungskette dringen."

Shawn MeimannShawn Meimann, Everglades-Führer:
"Wenn Du alte Bücher über die Everglades liest, ist da noch von so vielen Vogelarten die Rede, dass sie den Himmel verdunkelten, wenn sie alle zugleich fliegen würden… Als ich ein Junge war, hast Du hier locker tausend Vögel am Tag gesehen, heute ist die Hälfte davon schon verschwunden."

Woher kommen die Schlangen?

Ein Kind mit einer kleinen SchlangeDafür blüht, gerade in Florida, der Handel mit Tierarten, die hier nie heimisch waren. Ein Wirtschaftszweig, der Milliarden umsetzt, klagen Parkschützer. Denn an der Lobby der Reptilienhändler scheitern Gesetze, die längst nötig wären.

"Es müsste sichergestellt werden", sagen auch diese Schlangenfans, "dass
niemand solche Tiere hält, der dazu gar nicht in der Lage ist."

Und alle müssten wissen, dass auch kleine Schlangen irgendwann groß werden können - und dann womöglich nicht mehr in die Wohnung passen. Denn längst haben die Ranger eher Privatleute als Urheber der Pythonplage in Verdacht, denen die Tiere irgendwann lästig wurden. Schlangenjäger Joe kennt selber welche.

Schlangen einsammeln im Park

Ein Mann am Steuer eines AutosJoe Wasilewski:
"Die kaufen sich so ein Pythonbaby, dann wächst das Tier, sie ziehen um, die Kinder studieren, es gibt ja viele Gründe, und dann halten sie es für gut, die Schlange im Naturpark freizulassen. Und wir haben dann den Ärger damit, ohne dass die Tiere etwas dafür können."

Ab in die Kiste, eine Riesenschlange weniger - eine von womöglich über hunderttausend. Und wenn's besonders schnell gehen muss, fährt bis zum nächsten Stopp auch schon mal eine so mit.

(Quelle: br/ws/werg)

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