Pakt mit dem Teufel?

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Die Schlägertrupps von Mugabe

Beerdigung eines Politikers Im Dorf Chiremba trauern die Menschen. Einer der ihren ist ermordet worden. Tot geprügelt von Anhängern des simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe. Die überziehen das Land mit einer Welle der Gewalt, als Rache dafür, die letzten Wahlen verloren zu haben.

Diese Menschen aber sind allesamt Anhänger der Bewegung für den Demokratischen Wandel, kurz MDC. Mit verlegenem Lächeln singen sie ein Trauerlied. Ihre Partei, der MDC, hat Robert Mugabe herausgefordert. Der Ermordete war ihr Parteivorsitzender im Dorf. Seine Nichte Grace Mavhangira hat mit ansehen müssen, wie ihr Onkel und seine Frau zu Tode geprügelt wurden.

Grace Mavhangira, MDC-Anhängerin im Dorf Chiremba:
"Es war drei Uhr nachts. 30 Anhänger von Präsident Mugabe haben die beiden krankenhausreif geschlagen. Kein Arzt wollte sich um sie kümmern, aus Angst, selbst von den Schlägern angegriffen zu werden."

Eigentlich ist der MDC ja jetzt Koalitionspartner der Partei Mugabes. Das hindert dessen Anhänger aber nicht, eine Hetzjagd auf den MDC zu veranstalten. Die Ermordeten wurden gar beschuldigt, Waffen gehortet zu haben.

Ein winziges Zeichen der Hoffnung

Sheperd ChengetaSheperd Chengeta, MDC-Anhänger im Dorf Chiremba:
"Jetzt mal ehrlich: was sollen denn eine 70jährige Frau und ihr noch älterer Mann mit Waffen anfangen? Nein, diese Schlägertrupps von Mugabe haben diese Vorwürfe erfunden, es ist alles Lüge! So wurden die beiden Oberhäupter einer Familie ausgelöscht."

Die Täter sind immer noch auf freiem Fuß.

In Simbabwes Hauptstadt Harare wird es langsam Frühling. Zaghaft fangen die Jacaranda-Bäume an zu blühen.

Wir sehen ein Häuflein Demonstranten. Diese Studenten protestieren gegen ihre miserablen Studienbedingungen. Dass sie dies unbehelligt tun können, ist ein winziges Zeichen der Hoffnung.

Verfolgung der MDC-Politiker

Abgeordneter Edmore MarimaWir aber treffen Edmore Marima, ein weiteres Opfer der Hetzjagd Mugabes. Der Parlamentsabgeordnete des MDC will im Auto interviewt werden, aus Angst davor, abgehört zu werden. Mit erlogenen Vorwürfen versucht die von Mugabe kontrollierte Justiz, ihn hinter Gitter zu bekommen. So soll er seinen Sitz im Parlament verlieren.

Edmore Marima, MDC-Abgeordneter in der Nationalversammlung:
"Sieben von uns droht das gleiche Schicksal. Mir wird Diebstahl, einem Anderen Vergewaltigung, einem Dritten sogar Mord vorgeworfen. Alles erlogen! Aber die Polizei und die Justiz sind unter Mugabes Kontrolle. Mit diesem Trick will Mugabe uns um unsere dünne Mehrheit im Parlament bringen."

Über 2.000 Kilometer von Simbabwe entfernt, im Kongo, spielte sich Anfang der Woche ein weiteres Kapitel des simbabwischen Dramas ab. Bei einem Treffen afrikanischer Staatschefs gelingt es dem simbabwischen Präsidenten Mugabe, die Probleme seines Landes unter den Teppich zu kehren. Sein Gegenspieler, MDC-Parteichef Tsvangirai bereut vermutlich mittlerweile, mit Mugabe eine Koalition eingegangen zu sein.

Morgan Tsvangirai, Premierminister Simbabwe:
"Die Rechtmäßigkeit unserer Regierung der nationalen Einheit steht auf dem Spiel, wenn unsere Anhänger weiterhin verfolgt und wenn die Koalitionsvereinbarung nicht eingehalten wird."

Ein weiteres Mugabe-Opfer in Simbabwe arbeitet hier. Eric Matinenga, Minister für Verfassungsfragen und Mitglied der Partei Tsvangirais. Er hatte es gewagt, einen Armeegeneral anzuzeigen, der seine Parteifreunde bedroht hatte. Aus Rache wurde er 21 Tage lang im Gefängnis festgehalten.

Die letzten weißen Farmer

Farmer Ben FreethEric Matinenga, Minister für Verfassungsfragen, MDC-Mitglied:
"Ich glaube, die Partei Robert Mugabes will verhindern, dass wir gleichberechtigt in der Regierungskoalition mitwirken. Sie erkennen uns als Partner nicht an. Und ich bin eine der Personen, die aus deren Sicht die Alleinherrschaft der Mugabe-Anhänger behindern. Besonders gewurmt haben muss sie, dass ich einen General angezeigt habe. Das ist die Mugabe-Seite nicht gewöhnt, dass man einen der ihren vor Gericht schleppt."

Mittlerweile arbeitet Eric Matinenga dennoch an der neuen Verfassung Simbabwes.

Besonders erbarmungslos werden die letzten weißen Farmer Simbabwes verfolgt. Hier packen der Farmer Ben Freeth und seine Frau Laura ein paar Habseligkeiten für ihre neue Wohnung. Ihr altes Haus ist von Mugabe-Anhängern zerstört worden. Ein Mugabe-Anhänger will ihre Farm übernehmen.

Enttäuschung über die neue Regierung

Laura Freeth vor ihrem ausgebrannten HausBen Freeth, Farmer in Simbabwe:
"Die letzte Woche war die schlimmste meines Lebens. Unser gesamtes Eigentum - zerstört. Gut, wir leben noch, aber unser Haus ist angezündet worden, das meiner Schwiegereltern, die Häuser unserer Farmarbeiter und eine kleine Textilfabrik, die uns gehört. Alles Brandstiftung."

Seit Anfang April wird ihr Gelände von Schlägertrupps besetzt gehalten. Die Farmer wurden mit dem Tode bedroht. Die Polizei tut nichts gegen die Besetzer, die Plakate mit revolutionären Sprüchen hoch halten: "Unser Land, unsere Souveränität".

Im Mai hatten wir hier noch gefilmt, wie Ben Freeth mit seiner vierjährigen Tochter spazieren ging. Sie wollten den Besetzern nicht nachgeben. Am Sonntag vor zwei Wochen musste die Familie mit ansehen, wie ihr Anwesen in Schutt und Asche versank. Laura Freeth, weiß nicht, wie lange sie das Alles noch ertragen kann. Von der neuen Koalitionsregierung ist sie enttäuscht. Die Bewegung für den Demokratischen Wandel sei zu feige, etwas gegen die Gewalt zu tun.

Laura Freeth:
"Die Schläger hatten meine Mutter und meinen Vater im April schon vertrieben. Später haben sie dann unsere gesamten Gerätschaften gestohlen, nicht nur unsere Ernte. Wir konnten gar nichts mehr arbeiten und hatten schließlich auch keine Geräte mehr, um das Feuer in unserem Haus zu löschen."

Sie alle hatten gehofft, die politische Koalition mit Mugabe bringe dem Land Frieden. Aber es ist ein Pakt mit dem Teufel geworden.


(Quelle: br/ws/werg)

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