Gesundheit am Meer

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Am Strand spazieren gehen, sich im Sand aalen und zur Abkühlung im Meer schwimmen - das gehört für die meisten heute wie selbstverständlich zu einem perfekten Urlaub.

Kurorte am Meer

Badende im vergangenen Jahrhundert Dabei ist die Sitte, spärlich bekleidet im Meer zu baden, noch gar nicht so alt. Erst 1793 wurde in Heiligendamm an der Ostsee das erste deutsche Seebad gegründet. Ärzte waren damals davon überzeugt: Das Meer macht gesund. Ein Glaube, der vor allem auf der Beobachtung gründete, dass Küstenbewohner seltener an Infektionen erkrankten.

Heute wissen Mediziner genauer, warum das Meeresklima so gut für den Körper ist - und nutzen dieses Wissen. Dr. Sibylle Scheewe, Allergologin an der Fachklinik Sylt, verordnet ihren Patienten regelmäßig Bäder im kalten Meerwasser. Eine ihrer Patientinnen ist Monique Kwiatkowski. Sie ist siebzehn und leidet an Neurodermitis. Der juckende, rote Ausschlag auf Gesicht, Armen und Beinen macht ihr im Alltag schwer zu schaffen. Das Baden im Meer soll ihrer Haut helfen zu heilen.

 Linderung durchs Reizklima

Zwei Frauen und ein Mädchen stehen in der Brandung Sibylle Scheewe nennt diese Behandlungsform Klimatherapie. Die Patienten sollen sich Schritt für Schritt an die niedrigen Temperaturen gewöhnen. Denn diese Abhärtungsmaßnahme stärkt das Immunsystem. "Am Meer herrscht ein Reizklima", erklärt Sibylle Scheewe, "das heißt der Mensch ist hier starken Klimareizen wie Sonne, Wind und Wasser ausgesetzt. Gerade der starke Wind und das kalte Wasser sorgen dafür, dass sich die Durchblutung verbessert. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass vor allem die Schleimhäute, etwa in der Nase, sehr viel stärker durchblutet werden und sich dadurch besser gegen Infekte wehren können."

Innerliche und äußerliche Heilung

Schwebsalz legt sich auf die HautAber das Reizklima wirkt auch positiv auf die Haut. Dort wo die Brandung von Nord- und Ostsee auf den Strand trifft, ist die Luft besonders salzhaltig. Hier schweben unzählige winzige Wassertropfen mit einem Salzkern in der Luft, das so genannte Brandungsaerosol. Dieses Schwebsalz wirkt sowohl innerlich als auch äußerlich. Eingeatmet befreit es die Bronchien von Schleim. Auf der Haut lagern sich beim Baden ein bis zwei Gramm Salz pro Quadratmeter ab.

Bei Neurodermitis-Patienten wie Monique hat der Salzmantel einen erstaunlichen Effekt. "Erstens versorgt er die trockene, raue Haut mit Feuchtigkeit aus der Luft", erklärt Sibylle Scheewe, "Zweitens zieht das Salz Ödemflüssigkeit aus der entzündeten Hautfläche heraus. Und drittens wirkt es wie ein Peeling, das abgestorbene Hautschuppen ablöst."
Hinzu kommt am Meer ein weiterer Klimareiz. Die UV-Strahlung, die bekanntlich im Übermaß für die Haut schädlich ist, sorgt in der richtigen Dosierung dafür, dass sich in Moniques Haut Proteine bilden, die Entzündungen bekämpfen.

Für Menschen mit Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Schuppenflechte ist es Therapie. Nach vier Wochen Kur auf Sylt wird Moniques Ekzem für einige Monate abgeklungen sein.

Gesundheit für alle

Kind am Strand Doch auch gesunde Menschen macht das Meer fit. Das konnte ein Wissenschaftler der Universität Kiel beweisen. Der Klimamediziner Prof. Dr. Carsten Stick hat Sylt-Urlauber zu Beginn und am Ende ihres Aufenthalts auf ihre Leistungsfähigkeit getestet. Das Ergebnis war für den Forscher überraschend. Die Testpersonen erbrachten auf dem Fahrradergometer nach drei Wochen am Meer eine messbar höhere Leistung. Und das, obwohl sie während ihres Urlaubs keinen Sport getrieben hatten. "Ich habe die Probanden daraufhin befragt, was sie denn auf Sylt anders gemacht haben als zu Hause", schildert Carsten Stick, "und die Antwort war meist: Eigentlich nichts, aber wir sind sehr oft am Strand spazieren gegangen."

Unbemerktes Training

Strandspaziergänger mit einem Herzfrequenzmesser und einer AtemmaskeKann ein Strandspaziergang denselben Effekt haben wie gezieltes sportliches Training? Stick wollte es genauer wissen und stattete seine Strandspaziergänger mit einem Herzfrequenzmesser und einer Atemmaske aus, die den Sauerstoffverbrauch und damit den Energieumsatz misst. Und tatsächlich. Bei einem Spaziergang in ganz normalem Tempo verbrannten die Testpersonen dreißig Prozent mehr Sauerstoff - und damit auch Kalorien – als beim Gehen auf festem Grund. Ihre Herzfrequenz stieg auf 130, so viel wie normalerweise beim Joggen. "Die Ursache hierfür", erklärt Carsten Stick, "ist wohl, dass das Laufen auf dem weichen Sand und gegen den Wind eine erhebliche körperliche Belastung ist. Das Erstaunliche ist, dass das von den Spaziergängern in der Regel nicht so empfunden wird. Sie wundern sich zwar abends, dass sie müde sind, und sagen dann häufig, die Luft am Meer mache eben so müde. Tatsächlich haben sie Sport getrieben, ohne es zu merken."

(Quelle: dpa/uni-kiel.de/fachklinik-sylt.de/swr/werg)

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