Friedenspfeife für Olympia

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Es wird das erste Mal in der Geschichte Kanadas sein, dass die 4 kanadischen Indianerstämme offiziell mit Gastgeber der olympischen Spiele sind und zwar nicht nur als dekorative Touristenattraktion. Die Spiele, sagt der junge Indianer Tewanee Joseph, sind eine Möglichkeit, zu zeigen „wer wir sind“, Ausdruck indianischen Selbstbewusstseins. Der 34-jährige ist eine indianische Erfolgsfigur: Rockmusiker, Manager und zugleich dem traditionellen Erbe der Indianer und ihrer Geschichte Kanadas verpflichtet. Eine Reportage aus Vancouver und Umgebung, rund um die Austragungsorte der nächsten olympischen Spiele 2010.

Totempfahl Totempfähle der Indianer Westkanadas. Sie erzählen von der Jahrtausende alten Kultur der Indianer, aber auch von ihrer langen Unterdrückung durch die weißen Siedler Kanadas. Erst in den letzten Jahren findet sie die ihr zustehende Beachtung, auch weil jemand wie Tewanee Joseph sich dafür einsetzt. Er ist selbst indianischer Abstammung und bringt, wenn er Zeit hat, kanadischen jungen Leuten viel über diese alte Kultur bei bevor sie ganz verfällt. Und gerade jetzt, 6 Monate vor den Olympischen Winterspielen umso mehr. Selbstbewusst will er die indianische Kultur der Welt präsentieren.Wir sind in Vancouver am Pazifik, ganz sicher eine der reizvollsten Städte Kanadas. Zwischen nahen Bergen und dennoch direkt am Meer, ein geradezu idealer Ort für Olympische Winterspiele. Die Vorbereitungen laufen längst. Und, was man der Stadt noch nicht ansieht, auch die Indianer sollen Gastgeber der Spiele sein statt lediglich der Folkloreteil der Olympischen Kulisse. Längst rasen Olympiaclips durch das Internet.

VancouverTewanee Joseph war sehr entscheidend daran beteiligt, dass die Mehrheit der Häuptlinge der 4 wichtigsten Indianerstämme der Region bei Olympia mit dabei sind. Er hat sogar ihre Webseite im Internet auf die Beine gestellt – bis hin zu indianischen Klingeltönen fürs Handy, die man herunterladen kann. Aber überrollt die gewaltige Olympiawelle nicht einfach doch die Anliegen der Indianer? „Wir sind es doch, die unsere Geschichte und Geschichten der Welt erzählen werden. Unsere Alten werden das tun. Und das ist das Neue daran, sagt er. Er sieht es so, dass die Indianer Kanadas und ihre Tradition dadurch wirklich ernst genommen werden bei den Spielen. Wir erzählen unsere Geschichte und niemand sonst.“

Indianer-AktivistenDas aber sehen nicht alle so. In einem Park von Vancouver trifft sich eine kleine Gruppe indianischer Aktivisten. Sie sehen es immer noch so, dass das Land auf denen die Spiele stattfinden, den Indianern einst gestohlen wurde. „Die stellen unsere Kultur bei den Spielen für die Welt ins Schaufenster, die Welt sieht das im Fernsehen für ein paar Minuten und dann ist es doch schon vorbei“, sagt der Aktivist Seishlon Williams. „Ihm wäre es lieber, das dafür ausgegebene Geld direkt den Stämmen für soziale Projekte zu geben.“

Wir machen uns auf den Weg in die Berge über Vancouver dorthin, wo der alpine Teil der Spiele stattfinden wird. All dies war über Tausende von Jahren nur von Indianern bewohnt, bevor sie dann immer mehr in Reservate abgedrängt wurden. Die Bauarbeiten für die olympischen Winterspiele nähern sich allmählich ihrem Ende und die Organisatoren nehmen für sich in Anspruch, dabei ganz besonders auf Natur und Ökologie geachtet zu haben. Touristen sind ein erster Vorgeschmack für das, was mit den kommenden Spielen auf diese Gegend und die indianische Bevölkerung in dieser Gegend zurollen wird. Eine halbe Fahrstunde weiter ein Dorf im Indianerreservat vom Stamm der Lil´wat. Die Probleme hier sind wie häufig in Reservaten: Arbeitslosigkeit, Alkohol, Armut.

Üben für die EröffnungsfeierVera Edmond sitzt mit Enkelkind und Freundin vor ihrem kleinen Haus und lehrt sie die alte indianische Tradition des Korbflechtens. Ihren Mann hat sie durch den Alkohol verloren, bis zu ihrer Pensionierung war sie Sozialarbeiterin hier im Reservat. Sie kennt alle Probleme, trotzdem, das weitergeben der indianischen Bräuche an die nächste Generation ist eine ihrer Leidenschaften. Eine Gruppe Jugendlicher übt mit Veras Enkeltochter für die Eröffnungsfeier der Spiele, an der sie teilnehmen dürfen. Vera schaut dem Treiben einigermaßen skeptisch zu, wie wohl die meisten Älteren hier in der Gegend. Und die olympischen Spiele, was meint Vera dazu? „Wir haben davon nicht wirklich etwas, meint sie. Gut, wir haben ein Kulturzentrum bekommen, gut, Aber sonst?“

„Wir wollen unsere Älteren aufklären was bei den Spielen wirklich passiert“, sagt Chris Wells. Und er will, dass sie genauso stolz wie er und seine Freunde vom Stamm der Lil´wat teilnehmen. Hier oben in Indianerland ist es auch ein Konflikt der Generationen, der jetzt zum Ausdruck kommt. Und vielleicht auch das alte indianische Trauma, dass es nie gut war, wenn soviel auf einmal von außen kommt.

(Quelle: ws/swr/werg)

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