Mode in black

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Das ist das eine Afrika. Das urbane, bunte, modische Afrika. Ein Fotostudio in Johannesburg, Südafrikas Millionenmetropole. Sie ist das Gesicht dazu: Nkhensani Nkosi, Modeschöpferin, 33 Jahre alt. Und das ist das andere Afrika. Das Afrika der Rundhütten und der Savanne. Das Dorf Vuwani im Norden des Landes ist ein typisches Dorf für dieses Afrika. Sie ist das Gesicht dazu: Julia Tshishonga, Näherin, 43 Jahre alt.

Nkhensani Nkosi hat Ideen. Die Revolution der Mode kommt aus Afrika, sagt sie. Afrikanische Modemacher seien mutiger als ihre westlichen Kollegen. Sie träumt davon, mit ihrer Firma "Stoned Cherrie" ein weltweites Markenzeichen zu werden, überall zu produzieren, nicht nur, wie jetzt , in ihrem eigenen Atelier. Sie arbeitet mit den intensiven Farben Afrikas, starken Kontrasten. "Afrikanische Mode ist kühn und verwegen. Sie drückt den Wunsch nach Freiheit aus. Man ist nicht dann frei, wenn jemand Anderer sagt: ‚So, Du bist jetzt frei’. Freiheit ist eine innere Kraft, mit der man arbeiten kann. Ich bin stolz darauf, Teil einer multikulturellen Gesellschaft zu sein. Und stolz darauf, an der neuen Identität Südafrikas mitwirken zu können."

Anprobe. Es ist Modewoche in Johannesburg, Nkhensani Nkosi wird ihre neue Kollektion präsentieren. Sie verarbeitet alte afrikanische Symbole, dies hier sind Ornamente des Volkes der Xhosa. Es ist schwer, afrikanische Mode international zu verkaufen, Afrikaner haben zwar die Ideen, aber nicht die Vermarktungs-Strukturen. Nur nicht aufgeben, meint sie dann und verweist auf ihre großen Vorbilder im südafrikanischen Befreiungskampf gegen die Apartheid. "Der wichtigste war natürlich Nelson Mandela. Aber auch Erzbischof Tutu, Walter Sisulu, und all die Anderen. Was für unglaubliche Typen das waren! Sie haben Mut bewiesen, Leidenschaft. Ich frage mich, ob meine Generation jemals dazu in der Lage gewesen wäre, das zu leisten, was sie geleistet haben."

Johannesburg, das Stadtviertel Rosebank, das Mode-Viertel. Ein Trend-Laden nach dem anderen, bekannte Namen, weltweite Labels. Das Publikum ist jung, hat Geld, Schwarze und Weiße gemischt. Der Laden von "Stoned Cherrie". Früher kauften die Südafrikanischer bevorzugt westliche Design-Ware. Jetzt suchen vor allem junge Menschen bewusst afrikanisch wirkende Mode. Zeichen afrikanischen Selbstbewusstseins.

VendaDas Dorf Vuwani wohnt das Volk der Venda. Julia Tshishonga, die Näherin, ist Teil einer traditionell geprägten Gesellschaft. Hier bedient sie die Ältesten des Dorfes mit traditionellem afrikanischem Bier, aus Hirse gebraut. Sie macht Armreifen aus Silberdraht, Schmuck und Stoffe. Ihre Muster entwirft sie nicht selbst. Sie sind vorgeschrieben, über viele Generationen von Näherin zu Näherin weiter-gegeben. "Diese Stoffe hier sind Teil unserer Tradition. Das hier zum Beispiel tragen die jungen Mädchen, wenn sie vom Schlangentanz kommen, ein Fruchtbarkeitstanz. Wir haben viele Tänze, und jedes Mal tragen die Mädchen andere Kleider."

Das Leben in Vuwani folgt Jahrhunderte alten Mustern. Nicht, dass sich nie etwas ändern würde. Die Venda waren immer schon ein Volk, das sich stark mit seinen Nachbarn vermischt hat. Aber die Veränderungen gehen langsam. Jetzt wandern viele in die Stadt. Gegen die grelle Mode-Welt dort hat Julia Tshishonga eigentlich nichts. Mit einer Ausnahme: "...das ist, wenn sie unsere Symbole und Muster nehmen und damit ihre Mode machen. Damit verändern sie unsere Kultur, unsere Traditionen. Unsere Kultur wird völlig verschwinden. Eines Tages ist nichts mehr von ihr da." Sie wird im Dorf bleiben. Die Stadt, das ist nichts für sie.

Nkhensani NkosiFür Nkhensani Nkosi dagegen ist die Stadt Inspiration und Kraftquelle. Mutter von 2 Kindern, Geschäftsfrau, Designerin, und dann war sie auch noch Moderatorin beim Fernsehen. Das hat sie Mann und Kindern zuliebe aufgegeben. "Sie sollen so aufwachsen, wie es gut für sie ist. Ein Leben in Freiheit haben, ohne die Einschränkung durch allzu viele Traditionen." Schließlich: die Modewoche, Präsentation. Aufgeregt. Schauspielerin hat sie eigentlich gelernt, eine Reise durch ganz Afrika, im Auftrag einer Agentur neue Super-Models zu finden, hat sie zur Mode gebracht. Warten auf den Auftritt. Sie verbindet alle Einflüsse Afrikas miteinander: die Stadt, das Land. Kultur, Politik. Diese Kollektion heißt: "die Revolutionäre". Ohne die Traditionen der afrikanischen Völker aber wäre das nicht möglich, sagt sie. Auf dem Land habe auch sie, habe auch ihr Design seine Wurzeln. Sie ist der Star der Modewoche und lässt sich feiern. "Es war wunderbar. Es hat den Leuten gefallen. Ich habe ein tolles Team, das Alles auf die Beine gestellt hat. Ich fühle mich hervorragend."

Nkhensani Nkosi und "Stoned Cherrie": das eine Gesicht Afrikas.
Julia Tshishonga und die Frauen des Dorfes Vuwani. Das andere Gesicht Afrikas. Unerschöpflicher Fundus für die Modemacher eines Kontinents im Aufbruch.

(Quelle: zimbio.com/suedafrika.de/buzzine.com/ard/werg)

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