mit über 100 - Fit im www...

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

 Malerisch schön – der Süden Japans, die Inselgruppe Amakusa. Ein ruhiger Fleck, die Menschen leben vom Fischfang und der Landwirtschaft: und mitten aus dem beschaulichen Alltag meldet sich nun die Inselreporterin:

Shino Mori
Inselreporterin
„Heute stehe ich vor der alten Grundschule – ich berichte für Amakusa-TV und heiße Shino Mori.“

Der nächste Satz wandert vom Redakteur zur Schwiegertochter und von dort ziemlich laut ins Ohr der Starreporterin, denn sie hört sehr schlecht, kein Wunder mit 103.

Amakusa-TV – Inselneuigkeiten, Kultur- und Kochtipps. Ein Internetfernsehen, das in ganz Japan Abonnenten hat, auch wegen Shino Mori, die erst mit 102 Reporterin wurde. Das kleine Studio, kurze Drehpause – Herr Kaneko, Chefredakteur und Kameramann, stellt unsere Fragen. Was die Familie zu der späten Fernsehkarriere sagen würde, wollen wir wissen.

Shino Mori
103jaehrige Reporterin

„Ein Enkel von mir, er wird bald 60, der hat neulich gesagt: Ich soll noch lange leben und mich nicht überarbeiten.“

Weiter gehts: gekochter Tintenfisch – das heutige Thema von Frau Mori, sie ist immer in roter Reporterjacke unterwegs. Jeder kennt die alte Dame. Wo sie auftritt, werden die Menschen automatisch lauter. Die Grundschule wurde geschlossen, zu wenig Kinder, in der Küche wird nun die Inselspezialität zubereitet. Herr Kaneko sagt die nächste Frage vor: Wie macht man das Tintenfischfleisch so zart? Das dürfe sie leider nicht sagen, antwortet die Köchin. Denn die Brühe sei ja ein Geheimrezept. Und Frau Mori hat wie immer Spaß.

Sie wohnt in einem kleinen Dorf und kommt aus einfachen Verhältnissen. Nur in ihrer Jugend hat sie eine Weile außerhalb von Amakusa gearbeitet. Ihr Mann ist lange tot. Allein musste sie fünf Kinder durchbringen, zwei hat sie bereits überlebt. Jeden Morgen bittet sie die Götter, dass ihr Kraft bleibt für die Arbeit auf ihrem Acker.

„Vielleicht bin ich fit, weil ich regelmäßig Schnaps trinke. Meine Augen sind noch so gut, dass ich ein Faden problemlos in eine Nadelöhr bekomme.“

Die Tochter soll fragen, wie sie sich selbst im Fernsehen findet:

Shino Mori
„Ich habe das Gesicht, das meine Eltern mir gegen haben. Und das ist wie es ist. Ich hätte lieber eine andere Nase, aber in meinem Alter ist das Aussehen ja nicht mehr so wichtig.“

Amkusa-TV sendet auch Berichte im alten Inseldialekt. Den können nur noch wenige sprechen. So kam Shino Mori zum Fernsehen. Ihre Familie war nicht gerade glücklich.


Miyoka Mori
Schwiegertochter
„Ich weiß immer noch nicht, was ich davon halten soll,“ erklärt die 76jährige Schwiegertochter. „Aber aufhalten kann ich sie ohnehin nicht. Außerdem habe ich eingesehen, dass ihre Energie vielen Zuschauern Freude bereitet und Mut macht.“

Jeden Tag trinkt sie eine kleine Schale Süßkartoffel-Schnaps. Sie wohnt bei der Familie ihres ältesten Sohnes, der ist 80. Sie sei immer fröhlich und zufrieden, sagt die Familie. Egal, was auf den Tisch kommt, immer schmeckt es ihr. Die Inselreporterin arbeitet einen Tag in der Woche, dann muss sie sich vom Fernsehen erholen. Überall hat sie Fans – hier im Frisörsalon. Die Zuschauer verstehen wegen des starken Dialekts allerdings oft nur die Hälfte.

Miki Miyamori
Abonnentin “Amakusa-TV”

„Das stört nicht, es gehört irgendwie dazu,“ meint diese Frau. „Sie hat einen so bewundernswerten Charakter. Ich hoffe, sie bleibt noch lange fit.“

Sie ärgert sich, das passiert ihr nur beim Gate-Ball, wenn sie nicht richtig getroffen hat. Der Sport ist ihre große Leidenschaft. Früher war sie hier die Trainerin. Jetzt spielt sie nur noch mit – dreimal die Woche steht sie hochkonzentriert auf dem Platz.

Es ist angerichtet: der letzte Teil ihrer Reportage. Sie probiert, das tut sie gerne. “Der ist wirklich zart.” Vergiss nicht das Mikrophon, sagt ihr Chef: “Der Amakusa-Tintenfisch ist schön, er schmeckt lecker und ist ganz zart” – lautet ihr Fazit des Tages. Dann hakt sie noch mal nach: Wie ist das Rezept? Das sei immer noch geheim, erklärt die Köchin. Und so enden dann die Reportagen der ältesten Reporterin der Welt: Bye-bye, wir sehen uns wieder.

(Quelle: ws/sf/a.tv/werg)

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