Die "Gotteskrieger"

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Wir sind unterwegs im Süden Afghanistans. Durchfahren bergiges Land, grüne Ebenen, einfache Dörfer, die Grenze zu Pakistan nicht weit. Taliban-Land. Der Distrikt Panjwaj, eine der Hochburgen der Gotteskrieger.

Amerikaner und Kanadier haben dort eine kleine Basis, nur wenige Kilometer von den Taliban entfernt, und sie haben einen schweren Stand. Es sind Landstriche mit paschtunischer Bevölkerung. Die Menschen dort leben nach alten Riten und einem streng islamischen Glauben. Wer die Taliban treffen will, braucht gute Kontakte.  In einem der Dörfer können wir die Gotteskrieger sehen, sie bereiten eine neue Attacke des heiligen Krieges vor und hören die Botschaft ihres Anführers.

„Wenn ihr einen afghanischen Soldaten oder einen Regierungsbeamten fassen könnt, dann bringt ihn her. Wenn ihr aber einen Amerikaner oder ISAF Soldaten aus Frankreich, Deutschland oder einem anderen Land erwischen könnt, dann nehmt ein Messer und macht kurzen Prozess.“

Nebenan pauken sie. Kinder im Alter zwischen vier und sechs Jahren. Es sind die Enkel von Malwai Abdul Rauf. Einst war er Mujaheddin und kämpfte gegen die rote Armee. Dann schloss er sich den Taliban und ihrem Widerstand an. In seinem Haus gilt deren Gesetz. Deshalb lehrt er den Kleinen das Alphabet des Korans.

„Noch sind die Mädchen nicht unter dem Ganzkörperschleier. Aber mit der ersten Monatsregel müssen sie dann die Burka tragen,“ erklärt uns der Großvater.

„Alle Ausländer wollen uns unseren Glauben und unsere Kultur nehmen. Damals wie heute. Weil sie ihnen nicht gefällt. Sie kommen, durchsuchen unsere Häuser, werfen Bomben auf unschuldige Menschen. Die Taliban - wir alle - kämpfen deshalb gegen die Ausländer.“

Die Sympathie für die Verteidiger von Glauben und Kultur im Süden des Landes ist groß, der Hass auf die angeblichen Besatzer auch. Der heilige Krieg gegen die Ungläubigen - dort funktioniert er.

Zu festgelegten Zeiten ruft der Muhezzin zum Gebet - fünfmal am Tag. So waschen sich die Kämpfer, bevor sie sich zum Vorplatz der Moschee begeben. Barack Obama bringt Soldaten vom Irak nach Afghanistan. Er kann all seine Wirtschaftsmacht, das ganze Militär einsetzen und alle, die die Amerikaner unterstützen. Wir werden den heiligen Krieg gegen sie weiterführen und nicht aufgeben, denn Allah unterstützt uns.

Und so bomben sie weiter wie hier vor wenigen Tagen am Eingang der NATO-Basis in Kandahar. Gegen die internationalen Truppen, und auch gegen die eigenen Landsleute, die unschuldig einfach zur falschen Zeit am falschen Ort sind.

Nur wenige Kilometer entfernt - Kandahar. Provinzhauptstadt und Hochburg der Gotteskrieger. Seit der Offensive der Amerikaner im benachbarten Helmand ist
die Stimmung noch angespannter als bisher. Starke Militärpräsenz in der Stadt, die Polizei nimmt das Team mit, zeigt wie sie kontrolliert. Viele sind Taliban - nicht alle Kämpfer, aber viele Sympathisanten sind auf den Strassen der Stadt unterwegs. Unmöglich, sie zu erkennen und von denen zu unterscheiden, die die radikalen Islamisten fürchten. Eine beinahe unlösbare Aufgabe für die Polizei, die versucht, Sicherheit vorzutäuschen.

„Wir haben hier in der Stadt noch keine Taliban-Kämpfer gesehen, aber wenn wir welche finden, dann werden wir sie sofort verhaften und vor Gericht stellen.“

In den umliegenden Dörfern kontrollieren sie schon nicht mehr, sie fahren nur noch durch. Dort haben die Gotteskrieger von der Staatsmacht nichts zu befürchten.  Während die Polizei patrouilliert, sehen wir Malwai Abdul Rauf den täglichen Einkauf erledigen. Im Dorf gehören alle zum selben Gemeinwesen, Sympathisanten wie Kämpfer. Man kennt sich, man schätzt sich.
„Warum sollten wir etwas gegen die Taliban haben? Sie kaufen hier ein, tun mir nichts und ich tue ihnen nichts. Wir haben genug damit zu tun, über die Runden zu kommen.“

Wenige Meter entfernt liegen die Taliban-Kämpfer zwischen alten Mauern, im Schutz von Büschen und testen ihre Waffen. Was das nächste konkrete Ziel ist, verraten sie nicht.

„Wir kämpfen gegen Präsident Karzai und seine Regierung. Wir kämpfen gegen die USA und ihre Verbündeten, die unser Land besetzt halten. Wir warnen unsere muslimischen Brüder davor, mit den Besatzern zusammen zu arbeiten, die gegen den Islam und unsere Nation sind.“
Kandahar - Talibanland und Hochburg der Gotteskrieger. Grenzregion zu Pakistan. Von dort kommen Kämpfer und Nachschub für die radikalen Islamisten, bis auf weiteres.

(Quelle: ws/ard/werg)

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