Die 'Bananenrepublik'...

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Neues Image für krumme Dinger

Ob Strände, Regenwald und bunte Vögel - in Costa Rica steht fast ein Drittel des Landes unter Naturschutz. Das Land selbst vermarktet sich als Öko-Paradies. Und ökologisch soll es überall zugehen, auch auf den Bananenplantagen des Landes, wo der US-Konzern Chiquita die beliebten Südfrüchte anbaut.

Weniger Pestizide als früher

Bananen in einem Supermarkt-RegalDie Arbeit auf der Bananenplantage ist ein echter Knochenjob, denn die Bananenbüschel werden bis zu 30 Kilogramm schwer. Wenn Edyer Yanan arbeitet, trägt er eine Schutzmaske, denn das gehört nun zu den Vorschriften. Die blauen Plastiksäcke, in denen die Bananenstauden heranreifen sollen, sind mit einem Insektizid bestrichen, ganz ohne Chemikalien kommt der Bananenanbau auch heute nicht aus, aber der Verbrauch sei erheblich reduziert worden, sagt der Produzent Chiquita.

Früher hieß Chiquita noch United Fruits und hatte einen denkbar schlechten Ruf - als ein Konzern, der Regierungen nach Belieben installieren oder stürzen konnte. Heute gibt sich der Bananenproduzent geläutert und umweltbewusst.

Warten auf Entschädigung

United Fruits Doch die Vergangenheit holt die Costa Ricaner immer wieder ein: In dem Städtchen Siquirres demonstriert jede Woche ein Häuflein Männer. Es handelt sich um ehemalige Bananenarbeiter, die von den Konzernen Entschädigungen fordern. Vor 30 Jahren mussten sie auf den Plantagen mit dem gefährlichen Pestizid Nemagon arbeiten. Nun leiden sie an Krebs, Atembeschwerden und Unfruchtbarkeit. Bis zum heutigen Tag warten sie auf Entschädigungen. Etwa zehntausend Verfahren sind in den USA anhängig, doch die sind kompliziert, weil die Männer als Tagelöhner kein festes Arbeitsverhältnis hatten. Nun fühlen sie sich alleingelassen, weil keiner die Verantwortung übernehmen will.

Miguel Flores, einer von vielen Betroffenen, macht bei einer Sammelklage mit und lässt sich von den Gewerkschaften beraten. Diese fordern, dass die Bananen-Konzerne ihrer moralischen Verantwortung gerecht werden. Die neue Transparenz und Offenheit bei Chiquita sieht man hier mit Skepsis wie Carlos Arguedas von der Bananen-Gewerkschaft SITRAP erläutert: "Sie erlauben keine Gewerkschaften, und das ist ja auch verständlich, denn ohne Gewerkschaften gibt es keine Garantien für die Arbeiter."

Umweltbewusst und offen

Wie umweltfreundlich es in der Verpackungshalle zugeht, führen die Chiquita-Verantwortlichen als Teil ihrer neuen Firmenphilosophie vor. Bei der Endverpackung erhalten die Bananen das grüne Siegel der Rainforest Alliance. Die Umweltgruppe aus den USA bestätigt Chiquita damit Nachhaltigkeit. Bei den Verbrauchern kommt das Öko-Siegel an.

Zur neuen Offenheit gehört auch die Bereitwilligkeit, das Lager mit den Chemikalien zu zeigen. Doch was die Fälle aus der Vergangenheit angeht, gibt sich das Unternehmen zugeknöpft. Es heißt, dass bei Chiquita solche Pestizide damals nicht verwendet wurden. Die Klagen beträfen also nicht die eigene Firma.

Die Bananenindustrie hält sich bedeckt

 Plantage mit BananenBetroffene wie Miguel Flores bleiben allein mit ihrem Leid. Der Tagelöhner kann nicht dokumentieren, für welche Firma er wann gearbeitet hat. Nur seine medizinischen Symptome sind eindeutig: Er ist halbblind und unfruchtbar geworden, eine Folge der Pestizide. Seine Tochter liest ihm aus den Dokumenten vor - rund Tausend Euro hat er vom Staat Costa Rica als Entschädigung erhalten, doch nichts von der Bananenindustrie.

In der Nähe seines Hauses gibt es eine Plantage mit Bananen, der Frucht, die sein Leben völlig verändert hat. Costa Rica mag sich in den letzen Jahren zum ökologischen Musterknaben entwickelt haben, doch Miguel Flores wartet auch noch nach 30 Jahren auf Gerechtigkeit.

(Quelle: xcult/rainforest alliance/metalloarts/ws/ndr/dpa/werg)

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