Lebensraum...

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Die Herde ist groß, auch nach südafrikanischen Standards. Immer am späten Nachmittag zieht sie gemächlich zur Wasserstelle. Schon bald könnten alle Tiere dieser Herde auf der Abschussliste stehen, zu schnell haben sich die Elefanten vermehrt. „Diesen Baum haben die Elefanten einfach umgeworfen um an die Blätter zu kommen, die sehr nahrhaft für sie sind“, erklärt der für Naturschutz zuständige Manager der Nationalparks Hector Magome. „Aber noch mehr sind sie hinter der Rinde her. Deshalb schälen sie den gesamten Baum ab.“

Elefanten gehören zu den Tieren, die ihrer Umgebung ihren Stempel aufdrücken. Und genau darin besteht das Problem. In den Nationalparks von Südafrika sprechen die Wildhüter von einer Überpopulation. Mit anderen Worten, es gibt zu viele Elefanten, die zu viel fressen und zu viele Bäume umstürzen. Der etwas hilflose Versuch einzelne Bäume mit Maschendraht zu schützen blieb erfolglos. Deshalb wollen sie jetzt Jäger einsetzen - gezielter Abschuss. Ohne das Keulen würden riesige Landstriche versteppen und so letztlich den Lebensraum – nicht nur der Elefanten – zerstören. „Wenn wir über biologische Vielfalt sprechen geht es um alles. Das betrifft die Elefanten genauso wie diese großen Marula-Bäume und die verschiedensten Landschaftsformen. Deshalb ist es uns auch wichtig diesen Marula-Baum zu schützen, denn er ist Lebensraum für die großen Greifvögel, wie den Adler zum Beispiel“, so Hector Magome.

Bis 1994 löste Südafrika das Problem mit dem gezielten Abschuss von Elefanten. Damals wurden ganze Herden gekeult, nur die Babys verschonte man. Mit einem großangelegten Umsiedlungsprogramm kümmerte man sich damals um die Waisen. In Transportkäfigen wurden sie verfrachtet und an Safariparks und Zoos verschickt. Aber ohne ihre Herde entwickelten sich die meisten Jungtiere zu Problemfällen. Die Nationalparkverwaltung hat daraus gelernt. Wenn das Keulen in diesem Jahr wieder beginnt, werden ausnahmslos alle Tiere einer Herde so enden. Bilder, nicht für schwache Nerven. Es waren solche Aufnahmen, die vor 14 Jahren letztlich zum Ende des Keulens von Elefanten führten. Die Folge: Mittlerweile leben doppelt so viele Elefanten in den Parks. Auch wenn es sicher wieder Proteste geben wird, eine Alternative zum gezielten Abschuss sehen die Ranger der staatlichen Parks nicht mehr.

Im privaten Safaripark Welgovonden sehen die Wildhüter das anders. Hier verdient man Geld damit, Touristen möglichst viele verschiedene Tiere in freier Wildbahn zu präsentieren. Ein natürliches Gleichgewicht zu halten, auf einem begrenztem Raum, das ist die Herausforderung hier. David Powrie ist der Mann für die Elefanten. 120 haben sie hier in 8 verschiedenen Herden. “Die Elefanten bewegen sich langsam in Richtung Plateau. Am besten umgehen wir sie jetzt, mit ein bisschen Glück kommen sie dann auf uns zu. Der Wind steht gut, er kommt genau von vorne.“ Und dann kommen sie, keine 5 Meter entfernt, zwischen den Büschen hervor. Eigentlich sind es zu viele Elefanten für den Park sagt Dave, mehr dürfen es auf keinen Fall werden, das würde das Gleichgewicht im Freigehege empfindlich stören. Deshalb setzen sie hier auf Schwangerschaftsverhütung. Schon vor drei Jahren hat die Safaripark-Verwaltung damit angefangen. Seit dem bekommen die geschlechtsreifen Elefantenkühe einmal im Jahr geplant eine Spritze, damit sie nicht schwanger werden. Eine Operation, die vom Helikopter aus durchgeführt wird. Und das erfolgreich, Nachwuchs gab es seit dem nicht mehr.

Trotzdem will man nicht ganz auf Babys verzichten. „Jungtiere sind wichtig für eine Safari, die Leute sehen sie gerne. Und weil Elefanten sehr soziale Wesen sind, sind die Kälber auch sehr wichtig für ihre Sozialstruktur. Deshalb wollen wir Babys auch weiterhin zulassen“, sagt der Forschungsleiter des Safariparks Hanno Killan, „aber weniger, also geplant, damit die Herde ein normales Sozialgefüge bleibt.“ Zwar kann damit die Zahl der Elefanten nicht reduziert werden, aber ihre Zahl steigt auch nicht mehr so rasant wie in den vergangene Jahren. Und es müssen keine Tiere mehr getötet werden. Das nämlich würden die Touristen nicht akzeptieren, befürchten sie hier. Deshalb setzt die Parkverwaltung auf die Schwangerschaftsverhütung, die umgerechnet nur 80 Euro pro Jahr und Elefant kostet. So werden Proteste vermieden, mit denen jeder rechnen muss, der Elefanten zum Abschuss frei gibt. „Viele denken das jetzt das Massenschlachten beginnt. Und wir bald keine Elefanten mehr haben werden. Doch tatsächlich ist eher das Gegenteil richtig“, erklärt Hector Magome. „Gerade in Südafrika funktioniert es mit den Elefanten und den anderen wilden Tieren deshalb so gut, weil wir immer auch Tiere „geerntet“, gezielt bejagt haben.“

Tatsächlich unterstützen fast alle Wissenschaftler das Keulen. Aber bei Elefanten kommt die nüchterne Wissenschaft an ihre Grenzen. Denn die Dickhäuter sind einfach Sympathieträger.

(Quelle: swr/ws/werg)

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