Üben für Afghanistan

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Ein US-Soldat in Afghanistan "Boots on the ground" heißt die Devise, mit der die Obama-Regierung in Afghanistan den gefährlichen Vormarsch der Taliban stoppen will. Das bedeutet: weniger Bomben, die zu oft Zivilisten treffen, dafür mehr Präsenz vor Ort, Arrangements mit lokalen und regionalen Führern, mehr Aufbauhilfe, Brücken, Schulen, Brunnen. Das aber erfordert Soldaten, die mehr können als nur schießen - und genau das trainieren die GIs zurzeit in Fort Polk (Louisiana), bis sie ab Juli verlegt werden.

Statisten und Kulissen simulieren die Realität

Afghanische PolizistenAfghanische Polizisten nähern sich einem Haus, in dem ein Landsmann illegalen Waffenhandel betreibt. Soldaten der 82-sten Luftlande-Division sollen die Festnahme absichern. Die Waffen der GIs sind nur mit Platzpatronen geladen, dennoch ist das Szenario beklemmend real: Hunderte von afghanischen Statisten arbeiten inzwischen für das US-Militär, um wie in Fort Polk, möglichst wirklichkeitsnah den bevorstehenden Einsatz zu simulieren. Vertrauen in der Bevölkerung aufbauen heißt Barack Obamas Marschbefehl an diese jungen Soldaten. Die ersten ahnen jetzt, wie exotisch diese Reise wird. Ein Mann ist bei der Festnahme verletzt worden, sein Gesicht ist schmerzverzerrt. Mit Hilfe der afghanischen Sicherheitskräfte sollen ihn die GIs versorgen und bergen. Das Kunstblut wirkt täuschend echt.

Ein General schildert den Aufwand: "Wir haben die Anzahl unserer Statisten hier verdoppelt, weil jetzt so viele Verstärkungstruppen rüber gehen. Sie brauchen mehr afghanische Polizisten und Militärs zum Üben, weil sie mit denen in Afghanistan zusammenarbeiten sollen. Wir haben sogar kriegserfahrene, ehemalige afghanische Kommandeure verpflichtet." Auch die Kulisse wirkt echt: Lehmhäuser stehen zwischen engen Straßen - die Details liefern Hollywood-Ausstatter, denn Army-Ingenieur McCann legt Wert auf Detailtreue. Er sei ständig in Kontakt mit den Kampftruppen, um die Szenarios hier an die Realität im Kampfgebiet anzupassen. Der Kulturschock wird für die Soldaten auch so groß genug sein.

Mit neuer Strategie mehr Glaubwürdigkeit gewinnen

Nicht nur der Krieg verlagert sich vom Irak nach Afghanistan, sondern - viel wichtiger - auch die Strategie. Das bedeutet, Tee trinken statt zu schießen. Doch das echte Afghanistan sieht anders aus. US-Marines kommen in der Helmland-Provinz unter Beschuss durch Taliban-Kämpfer. Das Feuergefecht dauert einige Stunden, dann fordern die US-Soldaten Unterstützung aus der Luft an, berichtet das Kamerateam, das die Soldaten begleitet. Und, wie so oft, entscheiden Bomben das Gefecht. Ob es Tote und Verletzte gab oder zivile Opfer ist nicht überliefert. Bilder und Informationen werden vom Militär kontrolliert. Doch genau das, zu viele tote Zivilisten durch Bomben aus großer Höhe, haben in Afghanistans Bevölkerung dramatisch das Ansehen der amerikanischen Truppen beschädigt und den Taliban neuen Zulauf beschert.

Oberbefehlshaber Obama will das ändern. Sein neuer Kommandeur für Afghanistan, General McChrystal, hat im Irak schwierige Spezialaufträge ausgeführt. Er soll weniger bomben und mehr reden: "Es ist entscheidend, die Unterstützung durch die afghanische Bevölkerung zu gewinnen. Wir müssen bereit sein, zu kämpfen und dabei zivile Opfer möglichst klein zu halten. Selbst wenn das unsere Aufgabe schwieriger macht ist das entscheidend für unsere Glaubwürdigkeit."

Kommunizieren lernen

Und darum werden 21.000 GIs, die als Verstärkung zum Hindukusch sollen, vor ihrem Einsatz in diese afghanische Theaterlandschaft geschickt. Die Soldaten sollen alltägliche Situationen trainieren: zuhören, helfen, nett sein. Doch drei Wochen Training sind nicht viel, um das Kommunizieren zu lernen. Deshalb bleiben die Soldaten auf die Hilfe von afghanischen Verbündeten angewiesen. Denn trotz moderner, überlegener Waffen sind die Afghanen in der Regel unbeeindruckt.

Für die meisten Soldaten ist Obamas Strategie die richtige. Aber sie wissen auch, wie schwierig das werden wird.

(Quelle: us navy/ddp/ws/werg)

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