Quotenjobs...

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Weiße Models auf der Fashion Week in Sao PauloEs ist weiße Mode, die weiße Models auf der Sao Paulo Fashion Week einem weißen Publikum präsentieren. Und es sind weiße Studenten, die bei weißen Professoren Vorlesungen hören um später gute Jobs im weißen Brasilien zu bekommen. Aber das wahre Brasilien ist nicht weiß, zumindest eine Hälfte nicht. Wenn nach Feierabend die Menschen nach Hause wollen, ist es deutlich zu sehen, das bunte Brasilien - halb weiß, halb schwarz, aber eigentlich ganz viel irgendwo dazwischen. Was es zu verteilen gibt, ist ungerecht verteilt in Brasilien. Hier steht noch ganz klar dunkle Haut für Armut und helle für Wohlstand. Das soll sich ändern, und zwar am liebsten von jetzt auf gleich, durch eine Quotenregelung.

Geschmack ist wichtiger als Quote

Davon sollten auch die Models auf der Sao Paulo Fashion Week profitieren. Erstmals, so die Vereinbarung zwischen Veranstalter und dem Bundesstaat Sao Paulo, sollten bei der wichtigsten Modenschau Südamerikas zehn Prozent der Models schwarz sein. Genützt hat den Models die Quote kaum. Die meisten Modedesigner haben ein oder zwei Quotenmodels dabei, um Strafen von knapp 100.000 Euro zu vermeiden. Anderen ist die Strafe egal und der vermeintliche Geschmack ihres Publikums wichtiger. Vom Kampf um den Platz auf den Laufstegen soll während der Modenschauen rund um Brasiliens Superstar Giselle Bündchen keiner was mitbekommen.

Miss Sao Paulo engagiert sich politisch

Miss Sao Paulo Silvia Novaes Die wenigen Quotenjobs gingen nicht an Models aus Sao Paulo, sondern an ein paar Profis von internationalen Agenturen. Silvia Novaes war die Hoffnung der schwarzen Models. Vor drei Monaten wurde sie die erste schwarze Miss Sao Paulo. Doch nicht einmal die schönste Frau des Bundesstaates war gut genug für den Laufsteg in ihrer eigenen Stadt, nichtmal zum Zuschauen wurde sie eingeladen. Seitdem nutzt Silvia ihren Titel für den Kampf um Rechte und Quoten. Sie ist der Star derer, die sich benachteiligt fühlen. Oft ist der Titel einer Schönheitskönigin in Brasilien der Beginn einer einträglichen Karriere als Fotomodel, Silvia brachte er zu politischem Engagement bei Educafro, einer Organisation, die mit Hilfe von Quoten die Schulausbildung Schwarzer verbessern will.

Schwarze sollen die Hälfte der Studienplätze erhalten

Universität von Rio de Janeiro Die Quoten sind überall da gefürchtet, wo die weißen Brasilianer mehr oder weniger unter sich sind. An der öffentlichen Universität von Rio de Janeiro läuft alles streng nach Leistung. Einen Studienplatz bekommen nur Absolventen mit den besten Schulnoten. Doch kaum ein Schwarzer schafft es auf eine der teuren Privatschulen, die zur Vorbereitung auf das Studium nötig sind. Deshalb gibt es in Brasilien kaum schwarze Studenten. Professoren wie Sergio Hazan erwarten mit Grausen ein schon unterschriftsreifes Bundesgesetz, das auch den Unis eine Quotenregelung vorschreiben wird. Bis zu 50 Prozent der begehrten Studienplätze müssten dann für Arme, also meist Schwarze reserviert werden - selbst wenn deren Noten miserabel wären. Einige Unis haben freiwillig schon jetzt Quoten eingeführt, in Rio weigert sich die Hochschule bisher.

Quote bringt Brasilien zum Nachdenken

Von heute auf morgen Zehntausende Schwarze an die Unis zu holen, die gestern noch nicht im Traum an ein Studium gedacht haben, sagen auch viele Studenten, das gehe wirklich nicht. Allerdings müsse sich etwas bei der Ausbildung ändern.
Durch Leistung haben es nach den derzeitigen Regeln nur ganz wenige an die Uni in Rio geschafft. Die Quotendiskussion ist in vollem Gange - im weißen und im schwarzen Brasilien. Eins hat sie bewirkt, die Menschen haben gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Vielleicht nicht morgen, aber schon bald werden nicht mehr alle Schwarzen mit Besen und in orangefarbenen Uniformen durch das weiße Brasilien laufen.


(Quelle: dpa/ard rio/wikimedia/werg)

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