Ein Sultanat im Wandel

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Straßenszenen aus der Hauptstadt Muskat. Auch wenn der Schleier für die Frauen nicht vorgeschrieben ist - die meisten tragen ihn freiwillig, aus Tradition. Landestracht ist weit verbreitet, im Gegensatz zu den angrenzenden Emiraten stellen Ausländer nur ein Viertel der Bevölkerung. Die Omanis sollen in der Lage sein, alle Jobs selbst in die Hand zu nehmen.

nullOb Sandwich schmieren, Kuchen backen oder aufräumen: Die 31-Jährige Ghada al - Harthy macht das schon lange. Sie hat ihren eigenen Coffee-Shop eröffnet - der Erste in der Hauptstadt, der von einer Frau geführt wird. Ghada hat gleich zwei Berufe: Sie arbeitet außerdem noch beim Bodenpersonal einer großen arabischen Airline. So kommt sie locker auf achtzehn Stunden am Tag. Die Tochter aus gutem Hause zählt auch viele Ausländer zu ihren Kunden: Die wissen das Individuelle, neben den eh’ schon vorhandenen großen amerikanischen Ketten, durchaus zu schätzen. Mit großzügigen Krediten unterstützt der Staat solche Initiativen. Omanisches Unternehmertum soll in allen Formen gefördert werden - das gilt auch für kleine Anfänge. "Omanische Frauen haben die Freiheit beruflich alles zu tun, was auch Männer machen", sagt Ghada. "Normalerweise haben sie eine sehr gute Ausbildung, in allen möglichen Lebensbereichen. Sie besetzen ganz besondere Positionen im privaten Sektor, aber auch bei Regierungsstellen". Am nächsten Morgen, am internationalen Flughafen von Muskat. Ghada ist schon wieder auf den Beinen - diesmal kümmert sie sich um die frühen Abflüge. Ein Knochenjob, sie muss alles hinbiegen, was im letzten Moment noch schief läuft. "Natürlich gibt es noch immer Leute, die an ihren alten Vorstellungen festhalten. Die meinen, Frauen sollten besser Kinder groß ziehen, und das Essen kochen. Aber so langsam ändert sich auch das- sie akzeptieren, dass Frauen Verantwortung übernehmen. Dass sie mit schwierigen Situationen umgehen können, dass sie es schaffen, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen".

Symbol der Gastfreundschaft im Oman Nach Jahrzehnten der Abkapselung öffnet sich das Land jetzt auf breiter Front dem Tourismus. Dutzende neuer Ferienressorts entstehen, Angebote aller Klassen. Wie etwa solche Segeltörns, wenn es sein muss, bis hinunter in den Jemen. Dass der Oman regelrecht von den Fremden überschwemmt werden könnte, hatte bisher jede Form von Massentourismus verhindert. Wie das Land mit der neuen Offenheit klarkommt, muss sich erst noch zeigen. "Tradition, Sitten und Gebräuche spielen bei uns eine große Rolle", meint die Tourismusmanagerin Aliaa Sultan al-Amri. "Die Kultur im Oman muss dabei immer respektiert werden". Fast die Hälfte der Bevölkerung arbeitet nach wie vor in der Landwirtschaft. Für sie, so hofft die Regierung, sollen viele tausend neue Jobs in Hotels, als Fremdenführer, und selbst in der Gastronomie entstehen.

nullEs ist ein Land der Gegensätze: Die Berge werden bis zu dreitausend Meter hoch – das Leben hier oben, hart und entbehrungsreich. Unten: fast unendliche Küsten. Eine Nation von Seefahrern, Sindbad war wohl der Berühmteste von ihnen. Und auch jetzt startet der Oman wieder durch. Im Nordosten entsteht gerade einer der größten Industriehäfen der Welt. Bis zu zehntausend Arbeiter, meist aus Indien und Pakistan, stampfen das Zwölf-Milliarden-Dollar Projekt, fast rund um die Uhr aus dem Wüstensand. Ein Vorhaben der Superlative - so kann direkt vor Ort auch Stahl gewonnen, oder aus Rohöl Benzin gemacht werden. Chef auf der zweitausend Hektar großen Baustelle bei Sohar ist Jamal Aziz. Beraten wird er von einem ganzen Stab holländischer Experten. "Das Projekt entsteht an einer strategisch wichtigen Stelle, am Eingang der Strasse von Hormuz", erklärt der Omani. Dass damit in Zukunft eine Konkurrenz zum bisher äußerst erfolgreichen Hafen von Dubai erwächst, bestreitet er nicht. Schon im kommenden Jahr soll ein Grossteil der Anlagen in Betrieb sein. Über eintausend Schiffe, vom Containertransporter bis zum Großtanker, können dann abgefertigt werden. "Aus dem omanischen Rohöl können in dieser Anlage sofort fünfzehn verschiedene Produkte geschaffen werden", erklärt der Holländer Diederik Leupen: "Vom Diesel bis hin zum Kerosin". Goldene Zeiten erlebte der Hafen von Sohar bereits dreitausend Jahre vor Christus. Damals war er berühmt für den Export von Kupfer. Und wegen der Zukunft brauchen sie sich vorerst keine Gedanken zu machen. Grosse Erdgasfunde in jüngster Zeit garantieren den Nachkommen der berühmten Seefahrer noch viele lukrative Jahre.

(Quelle: ws/loadcluster/tripadvisor/werg)

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