Von einem, der auszog...

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

...die Vögel zu zählen

Vogelbeobachter am frühen Morgen
Vögel sind wichtige Bioindikatoren. Ob sie sich zum Brüten in einem bestimmten Landschaftsstreifen niederlassen oder nicht zeigt, wie es um den Zustand der dortigen Natur bestellt ist. Allein in Baden-Württemberg machen sich daher jedes Jahr etwa 120 ehrenamtliche Hobby-Ornithologen auf, um die Tiere zu zählen.

Vögel als Frühwarnsystem

Früh morgens lassen sich Vögel am besten beobachtenDer Tag eines Vogelkundlers beginnt früh, spätestens eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang. Ausgestattet mit Fernglas, Bestimmungsbuch und Klemmbrett geht er auf die Pirsch und zählt. Ob Amsel oder Zaunkönig – alle Tiere werden mit Artnamen und Ortsmarke in vorgefertigte Listen eingetragen. So soll dokumentiert werden, welche Brutvögel es wo gibt und zu welcher Jahreszeit sie kommen.
Die Idee die dahintersteht ist bestechend einfach, denn Vögel sind eine Art Frühwarnsystem. Nur wenn sie an einem Ort ausreichend Nahrung und einen geeigneten Brutplatz finden, lassen sie sich dort nieder. Veränderungen und Gefährdungen der Natur können mit Hilfe der Vögel so schnell sichtbar gemacht werden: Verringert sich die Anzahl bestimmter Brutpaare in einem Gebiet oder bleiben einige Arten im Laufe der Zeit sogar ganz weg, stimmt etwas nicht.

Mehr als 2.600 "Zähl"-Flächen bundesweit

Beobachtungsgebiet WaldAllein in Baden-Württemberg durchstreifen daher zwischen Mitte März und Ende Juni die Hobby-Ornithologen insgesamt vier Mal bestimmte Flächen. Etwa 400 verschiedene Areale gibt es, bundesweit sind es mehr als 2.600, und alle sind circa einen Quadratkilometer groß. Ausgewählt wurden die Gebiete vom Statistischen Bundesamt. Vom Naturschutzgebiet bis zur Großstadt ist alles dabei, um einen möglichst repräsentativen Querschnitt der Landschaftsstruktur Deutschlands abzudecken.

Das Gesamtergebnis ist wichtig

Von einer einzelnen Fläche lässt sich nicht auf das große Ganze schließen. Daher werden die Ergebnisse in ausgewählten Zentren gesammelt. In Baden-Württemberg laufen alle Daten, die die Vogelkundler erheben, im Vogelschutzzentrum Mössingen zusammen. Seit 2004 erfassen die Ornithologen dort im Auftrag der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) alle in Baden-Württemberg gezählten Brutvögel und werten die Zahlen aus.

Es gibt Gewinner und Verlierer

Bodenbrüter finden keine Nistplätze mehrDie bisherigen Ergebnisse sind eindeutig. Es gebe Gewinner und Verlierer, sagt Richard Schneider, stellvertretender Leiter des Vogelschutzzentrums. Die Mönchsgrasmücke zum Beispiel nehme im Bestand zu, da sie sich neue Lebensräume erobert habe und jetzt auch in den Siedlungen verstärkt vorkäme. Auf der anderen Seite gebe es große Probleme bei den Bodenbrütern wie der Feldlerche.
Das größte Problem der Vögel sei die Landwirtschaft, so Schneider: „Man weicht in den Feldfluren von kleinparzellierten Strukturen, die man bisher hatte, ab, hin zu großen Schlägen. Und das ist tödlich für alle Bodenbrüter. Die finden da keine Nahrung mehr oder kaum noch einen optimalen Brutplatz.“

Wenn nötig, müssen Schutzmaßnahmen her

Für manche Vogelarten müssen Schutzmaßnahmen eingeleitet werdenGenerell kann man sagen: Vogelarten, die quasi überall zurechtkommen, geht es gut, Spezialisten dagegen haben es zunehmend schwer. Das sind die Ergebnisse, die die Experten in Mössingen und anderswo an die zuständigen Ministerien weiterleiten, damit rechtzeitig Schutzmaßnahmen eingeleitet werden können. Außerdem fließen die Daten in europaweite Projekte zur Trendberechnung und sind wichtiger Baustein für den "Atlas deutscher Brutvogelarten" (ADEBAR).

Unterstützung gesucht

Jungvögel in einem NestDas Brutvogelmonitoring hat eine große Bedeutung für Deutschland und Europa. Ohne die ehrenamtlichen Vogelkundler sei es jedoch nicht möglich, sagt Richard Schneider. Hauptamtliche Kräfte seien zu teuer. Daher würden nach wie vor vogelbegeisterte Menschen gesucht, die sich engagieren möchten.

(Quelle: swr/werg)

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