Hochkonjunktur für Schuldeneintreiber

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Die Suche nach dem Flieger

Dave im blauen PolohemdKen und Dave sind früh aufgestanden. Sie kommen aus Florida. Hier, auf dem kleinen Flughafen bei San Francisco sollen sie ein Flugzeug konfiszieren und ihrem Auftraggeber, einer Bank, zurückbringen. Der Besitzer des Flugzeugs hatte die Raten nicht bezahlt.

Ken hat ein Inkasso-Unternehmen, Dave ist sein Pilot. Dave kann so gut wie alles fliegen, was hier rumsteht, aber: Sie finden die Beechcraft mit ihrem typischen V-Leitwerk einfach nicht.

Ken Cave:
„Hier stehen schon sieben dieses seltenen Modells rum, aber unsere ist trotzdem nicht dabei.“

Die Suche dauert zwei Stunden, immer wieder lässt sich Ken von ihrem Büro in Florida neue Informationen durchgeben. Wenn die Beechcraft in einem der zahllosen Hangars steht, haben sie ein Problem. Doch dann hilft der Zufall.

Ken zeigt auf eine Zeitungsannonce:
„Das ist unser Mann. Er sucht einen Teilhaber. Wir werden jetzt anrufen und sagen: Wir handeln mit Flugzeugen, Ihres interessiert uns. Na, ist ja nicht ganz gelogen.“

Doch der Besitzer meldet sich nicht. Dave sucht auf Satellitenaufnahmen nach Anhaltspunkten, während Ken Datenbanken durchforstet. Und dann haben sie noch einmal Glück: Die Verkaufsanzeige zeigt einen orangenen Käfer neben dem gesuchten Flugzeug, und genau solch ein Auto entdeckt Dave dann im Satellitenbild. Jetzt haben die Männer eine Spur. Sie haben sich als Mechaniker ausgegeben, um unauffälliger recherchieren zu können.

Legaler Autodiebstahl

Aus der Heckklappe eines Kleinlasters ragt ein AbschlepparmDave:
„Ein Mann da hat gesagt, sie könnte in Hangar 31 stehen.“

Jetzt sind sie ganz nah dran und müssen nur noch eine nicht verschlossene Tür finden – aufbrechen dürfen sie den Hangar nicht. Aber so viel Glück haben sie dann doch nicht. Also doch kein Hollywood Showdown?

Ken: “Nein, es ist immer viel Recherche und langes Warten. Nein“, meint Dave, „ich bin nicht frustriert. Geduld gehört zum Geschäft.“

Ein anderes Flugzeug wartet in der Nähe, morgen wollen sie wiederkommen.

Riverside, Los Angeles. Diese Inkasso-Firma hat Erfolg gehabt. Lou Pizarro ist ein Repo-Man. Repossession, Wiederaneignung – ein sprödes Wort für einen abenteuerlichen Job. Lous Mitarbeiter nehmen Autobesitzern in Zahlungsschwierigkeiten ihre Fahrzeuge ab.

Lou: „Du darfst keine Angst haben, dann ist der Job nichts für Dich. Und Du musst schlau sein, die Straße verstehen, und Spannungen abbauen können.“

Lous Kollege Froyd:
„Mir bieten Frauen Sex an, um ihr Auto zu retten, sechs Motorradfahrer haben mich zusammen geschlagen.“

Ihre Abschleppwagen sind unauffällige Spezialfahrzeuge. In den gefährlichen Stadtvierteln wollen sie möglichst spät als Repo-Men erkannt werden.

Lou:
„Wenn die Leute einen Abschleppwagen sehen, werden sie nervös und verstecken ihre Autos. Aber wenn sie den hier als Abschleppwagen erkennen, ist es längst zu spät.“

Aufregende Arbeit

Repo-Man Lou PizarroIhre Nachtschicht beginnt um Zehn, dann sind die meisten zuhause. Etwa zehn Autos konfiszieren Lou und seine Männer pro Tag, das Geschäft boomt. Immer mehr Amerikaner können ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen. Lou ist in der Bronx groß geworden, er kommt von ganz unten und kennt die Straße. Haben sie Waffen bei sich?

Lou:
„Nein, Waffen sind hier in Kalifornien nicht erlaubt. Wir dürfen nur Pfefferspray oder Elektro-Schocker mitnehmen.“

Froyd hat die Adresse gefunden und das passende Auto entdeckt.

Lou:
„Die Nummer ist anders, wir müssen das prüfen. Aber es ist ein roter Excursion.“

350 Dollar bekommt Lou pro Fahrzeug von der Bank – doch dieses hier ist ein Fehlschlag.

Lou:
„Das ist nicht unser Auto. Und das Haus ist auch zwangsvollstreckt. Die haben ja schon ihre restlichen Möbel aussortiert. Hier wohnt keiner mehr, es sieht leer aus.“

Die Entfernungen sind riesig, ohne Auto ist man verloren. „Kein Wunder“, meint Lou, „dass die Leute hier eher ihr Haus aufgeben als ihr Auto.“

Froyd hat das gesuchte Auto entdeckt. Jetzt muss es schnell gehen, die ersten Anwohner sind aufmerksam geworden. Und wütende Autobesitzer mit Waffen sind gefährlich. Lous weißer Pick-Up hat die Abschlepp-Vorrichtung ausgefahren. Alles dauert gerade einmal 20 Sekunden. Selbst der coole Lou wirkt jetzt ein bisschen angespannt. Doch alles geht gut.

Lou:
„Hast Du gesehen, wie schnell die Leute da rauskamen? Das hätte sich schnell zuspitzen können. Aber wir haben das Auto. Das war spannend, ich liebe das!“

Und dann wollen sie weiter, aber ohne uns. Vielleicht eine gute Idee…

Volle Auftragsbücher

Ein Flugzeug in der FrontalansichtWir treffen Ken und Dave wieder. Ein anderer Flughafen, diesmal suchen sie einen Learjet. Er muss hier sein, sie haben seine Flugdaten im Internet gefunden. Und wieder treten sie wie Mechaniker auf, die den Jet warten sollen. Heute geht alles verblüffend schnell: Nach einer Minute stehen sie vor dem zweistrahligen Jet, Ken lässt die Maske fallen.

Ken:
„Ich bin Ken Cave. Ich habe dieses Flugzeug beschlagnahmt, nur damit sie das wissen.“

Der Chefmechaniker ist völlig überrumpelt, er verspricht, den Besitzer zu informieren. Ken und Dave beginnen sofort mit der Bestandsaufnahme. Jetzt müssen sie hoffen, dass der Besitzer auch die Wartungsunterlagen herausgibt. Nur dann können sie den Jet wegfliegen.

Der Besitzer ist wütend, gibt aber schnell seinen Widerstand auf. Wir sollen nicht mehr filmen. Der Mann ist ein renommierter Unternehmer hier, die Wirtschaftskrise hat auch ihn schwer getroffen. Doch Schicksale wie seines sind Kens große Chance.

Ken:
„Ich habe noch 14 Fälle in Kalifornien: Fünf Flugzeuge, vier Boote und fünf Wohnmobile.“

In zwei Tagen müssen sie zurück in Florida sein, neue Aufträge warten. Ihr Umsatz hat sich in den letzten Monaten verzehnfacht, sie arbeiten in allen 50 Staaten der USA.

(Quelle: ws/werg)

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