Sokotra - Ein neues Galapagos

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

 Ein Kleinod zwischen Arabien und Afrika

Drachenblutbaum auf SokotraIm Indischen Ozean liegt eine Perle der Artenvielfalt, von der die meisten Menschen noch nie gehört haben: der Sokotra-Archipel, mit einer großen und drei kleineren Inseln. Er liegt rund 230 Kilometer östlich von Somalia und 380 Kilometer südlich des Jemen, zu dessen Staatsgebiet er auch gehört. Bis vor etwa 15 Jahren waren die Inseln nur per Schiff erreichbar, Besucher vom Festland kamen nur sporadisch. So blieb dort die Natur und auch die Kultur der Inselbewohner, der Sokotris, über Jahrhunderte nahezu ungestört.

Das Galapagos des Indischen Ozean

Eine endemische SüßwasserkrabbeVor rund 30 Millionen Jahren trennte sich der Sokotra-Archipel von der Arabischen Halbinsel. Seither hat sich die Tier- und Pflanzenwelt der Inseln vom Festland isoliert weiterentwickelt. Es entstanden zahlreiche sogenannte endemische Arten: Tier- und Pflanzenarten, die ausschließlich auf Sokotra vorkommen. So gibt es zum Beispiel einen Sokotra-Spatz, einen Sokotra-Star und einen Sokotra-Nektarvogel. Auch sämtliche Süßwasserfische und -krabben sind endemisch, 95 Prozent aller Landschnecken-Arten und 90 Prozent der Reptilien. Auch fast 40 Prozent aller Landpflanzen dort wachsen nirgends sonst auf der Welt. Evolutionsbiologen sagen, die Bedeutung dieser entlegenen Welt sei vergleichbar mit der von Galapagos - seit 2008 zählt sie deshalb zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Auch unter Wasser einzigartig

Bisher unbekannte NetzmoräneUnter Wasser ist Sokotra keineswegs isoliert, denn vor den Inseln stoßen die ostafrikanischen Küstengewässer, die Arabischen Meere und der offene Indische Ozean aneinander. Wechselnde Meeresströmungen bringen hier Tiere und Pflanzen aus weit auseinander gelegenen Meeresgebieten zusammen, die sich normalerweise nicht begegnen würden. Biologen des Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt erforschen die Artenvielfalt dort seit über 10 Jahren: Mehr als 250 verschiedene Steinkorallen, 300 Krebsarten und 700 Fischarten haben sie schon gezählt, und bei jedem Tauchgang entdecken sie neue. Auch solche, die der Wissenschaft bisher noch nicht bekannt sind.

Der Dornröschenschlaf ist vorbei

Schafherde unter WeihrauchbäumenImmer mehr Menschen wollen die einzigartigen Inseln besuchen, Investoren wollen an den Ressourcen des Archipels verdienen. Für viele Sokotris bringt dieses Interesse neue Einkommensquellen und einen höheren Lebensstandard. Noch ist dabei die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt erfreulich intakt, doch es zeigen sich erste Risse: So sind die rasant gewachsenen Bestände an Schafen und Ziegen inzwischen eine Gefahr für die extrem langsam wachsenden endemischen Pflanzen. Von den imposanten Drachenblutbäumen gibt es im Feld kaum noch Jungpflanzen, auch nicht von den Sokotra-Wüstenrosen oder den acht endemischen Weihrauchbäumen. Zwar werden diese Pflanzen in einer botanischen Station aus dem Samen nachgezogen, doch für ein systematisches Aufforstungsprogramm fehlt der örtlichen Umweltbehörde zur Zeit das Geld.

Umbruch auch im Meer

Käuferschiff vom Festland Über Jahrhunderte fischten die Fischer nur für die lokale Bevölkerung und folgten dabei jahrhundertealten Regeln für Schonzeiten oder Fanggrößen. Doch in den letzten Jahren kommen immer mehr Abnehmerboote vom jemenitischen Festland und kaufen den Fischern ihren Fang zu guten Preisen ab. Die Folge: Der Fischereidruck steigt, viele alten Schutzregeln greifen nicht mehr. Zusammen mit der jemenitischen Regierung, der Umweltbehörde und vor allem den Fischern selbst versuchen die Meeresbiologen vom Senckenberg Forschungsinstitut deshalb ein modernes Fischereimanagement zu entwickeln, das den Schutz des Meeres von Sokotra auch für die Zukunft garantiert.

Nutzen und Schützen

Abendstimmung in der HauptstadtAuch die Inselhauptstadt Hadiboh wächst schnell, und auch hier zeigen sich negative Entwicklungen: Der Müll explodiert dort buchstäblich, seine Entsorgung läuft nur sehr schleppend. Dabei gibt es seit 2000 einen Nutzungsplan für die Inseln, der versucht, die wirtschaftliche Entwicklung der Inseln nachhaltig zu gestalten, mit verschiedenen Schutzzonen an Land und im Meer. Seither arbeitet die jemenitische Umweltbehörde daran, die Naturschutzziele umzusetzen und wird dabei von den Vereinten Nationen und von internationalen Forscherteams unterstützt - bisher mit respektablen Ergebnissen. Aber nun ist Sokotra an einem Punkt angelangt, wo neue Maßnahmen und stärkerer Schutz nötig werden. Nur wenn das gelingt, wird die einzigartige Natur des Archipels auf Dauer erhalten bleiben.

(Quelle: unesco.de/wdr/werg)

Veröffentlicht in Startseite

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post