Das Okavango-Delta vertrocknet

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Wenn morgens um 6 die Sonne über dem Okavango-Delta aufgeht, dann erwacht eines der schönsten Naturwunder Afrikas. Hier ist die Natur seit Zehntausenden von Jahren im Gleichgewicht, hier ist das Schlimmste, was einem Baum passieren kann, dass ein hungriger Elefant die begehrten Früchte vom Stamm schüttelt.Bis vor kurzem haben die Menschen dieses natürliche Gleichgewicht in Ruhe gelassen. Manche Tiere wussten immer schon, wann sie sich verstecken müssen – andere hatten immer schon den Überblick. Seit ein paar Jahren jedoch kommt Unruhe in das Okavango-Delta, von Menschen verursacht. Der Klimawandel bedroht das Delta.

Die Flüsse vertrocknen

Die wenigen Menschen, die hier leben, kennen das Okavango-Delta von seiner hässlichen Seite. Die Männer des Dorfes Tubu laufen durch ein altes Flussbett. Eigentlich müsste auch hier Wasser sein, aber an dieser Stelle des Deltas hat es seit Jahren nicht mehr geregnet, Folge der Erderwärmung. More Satsaro, der Dorfälteste, braucht immer einen Begleiter an seiner Seite, denn er ist fast taub. Wie alt er ist, dass weiß er nicht, aber dass hier einmal ein Fluss war, daran kann er sich gut erinnern. Heute können hier nicht einmal kümmerliche Gräser überleben. „In unserem Leben hat sich viel verändert. Früher haben wir Fische gefangen und von anderen Dingen gelebt, die im Wasser waren. Aber jetzt haben wir ja kein Wasser mehr, und wir müssen uns etwas einfallen lassen, um unsere Kinder zu ernähren. Unser Leben ist sehr hart geworden.“ Die Universität von Botswana hat den deutschen Biologen Norbert Jürgens gedrängt, ihr dabei zu helfen, den vertrockneten Fluss zu untersuchen. Die Wissenschaftlerin Kelebogile Mfundisi braucht seine Kenntnisse, um ihre Studien an der Universität von Botswana fortzuführen. Hier prüfen sie die Rest-Feuchtigkeit im Boden. “Diesem Boden kann man immer noch ansehen, dass es hier früher viel Wasser gab. Diese ganze Gegend hier war einmal von Wasser bedeckt. Manchmal ein Fluss, manchmal auch ein riesiger See. Deshalb haben wir hier diese Art von Boden. Er hat sich über Jahrhunderte hinweg gebildet.“

Temperaturanstieg bis zu 8 Grad

Eigentlich müsste es überall im Okavango-Delta so aussehen. Eine 20.000 Quadratkilometer große Wasserlandschaft. Der Okavango-Fluss versickert hier im Kalahari-Becken. Kelebogile Mfundisi fährt regelmäßig hinaus. Sie glaubt, es liegt an der globalen Erwärmung, dass weite Teile des Okavango-Deltas vertrocknen. Sie glaubt auch, dass diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten ist. Afrika ist vom Klimawandel besonders betroffen. “Wir werden in Botswana durchschnittliche Erhöhungen der Jahrestemperatur von 5 bis 8 Grad Celsius haben. Das ist fast dreimal so viel wie der weltweite Durchschnitt. Dadurch werden wir viel weniger Regen haben, das Delta wird vertrocknen.“ Jetzt schon machen sich widerstandsfähige Gräser im Okavango-Delta breit, die eigentlich gar nicht hierher gehören. Viele Tiere können mit diese Gräsern nichts anfangen. Klimawandel, der letzte Sargnagel für eine vorher schon bedrohte Landschaft. „Seit 200 Jahren ist es unsere expandierende Landnutzung, unsere Platznahme für Städte, Siedlungsbau, Straßen, aber vor allem eben Landwirtschaft, und jetzt kommt noch der Klimawandel als neue Bedrohung dazu“, erklärt Norbert Jürgens, vom BIOTA-Forschungsprojekt zur Artenvielfalt. „Wir haben dramatische Prognosen, dass in den nächsten 100 Jahren 30 bis 40 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten Afrikas für immer verschwinden werden. Und das wird Konsequenzen für das alltägliche Leben und die Lebensqualität der Menschen haben.“

Die Dorfbewohner sind besorgt

Noch weht stolz die Flagge Botswanas über dem kleinen Dorf Tubu, im Westen des Deltas. Voller Sorge aber blicken sie auf eine Karte ihres Lebensraumes. Moren Stone, ein weiterer Wissenschaftler der Universität von Botswana ist gekommen. Tubu liegt in einer Problemzone, das wissen die Bewohner. Sie ahnen, dass etwas fundamental Wichtiges nicht stimmt in ihrer Heimat, sie haben die Vorboten des Unheils jahrelang beobachtet. Aber sie wissen nicht, warum das Unheil naht. Instinktiv reagieren sie auf die Veränderungen um sie herum. „Die Menschen hier verfügen nicht mehr über die natürlichen Ressourcen, um ihr Leben zu führen“, sagt Moren Tibabo Stone vom Okavango Research Centre. „Was machen sie also? Sie gehen immer weiter in das Delta hinein, dorthin, wo es noch Wasser gibt. Dort sind oft Naturschutzgebiete, die wir bewahren wollen. Die Menschen aber wollen dort ihre neuen Felder anlegen.“

Ein bedrohtes Paradies

Die Bewohner des Dorfes Tubu sind noch nicht weitergezogen. Sie wollen nicht weg von dem Platz, der seit Generationen ihre Heimat ist. Aber sie fragen sich, wie es weitergehen soll. Die Erde vertrocknet. Verstörte, verunsicherte Menschen, die unter der globalen Erwärmung leiden, obwohl sie noch nie etwas von Treibhausgasen gehört haben. Und die selber zum Klimawandel nicht das Geringste beigetragen haben. „Wir legen unser Schicksal in die Hände Gottes“, so Moren Satsaro, der Dorfälteste im Dorf Tubu. „Er möge uns helfen. Ich kann meinen Leuten nicht sagen, dass wir gehen sollen, auch als Dorfältester kann ich das nicht. Dies ist unser Land, dies ist unser Dorf. Also vertrauen wir auf Gott.“ Währenddessen wird die Trockenzone an den Rändern des Deltas immer größer. Währenddessen schrumpft die Wasserfläche immer weiter. Das Okavango-Delta ist - noch - ein sogenannter Artenvielfalt-Hotspot. Also eine Gegend Afrikas, in der besonders viele Tierarten vorkommen. Manche der Tiere aber finden kaum noch Nahrung. Ein bedrohtes Paradies. Denn es ist nicht auszuschließen, dass dieses Bild schon in ein paar Jahrzehnten nur noch als Foto zu sehen sein wird. Das Original wird dann verschwunden sein.

(Quelle: ARD Johannesburg/swr/werg)

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