Vormarsch der Drogenkartelle

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Nogales ist eine geteilte Stadt: links Mexiko - rechts Arizona, drüben Armut - hier Jobs und Drogenmärkte. Der Zaun hilft da wenig, auch wenn er inzwischen fast Tausend Kilometer lang ist. Polizist Robert kennt das Viertel: "Das hier ist eine wirklich heiße Gegend, Schmuggler und alle möglichen Kriminellen. Manchmal kriegen wir Tipps, dass eine Ladung Drogen reinkommt, aber meist haben die Bewohner hier Angst, in Irgendwas verwickelt zu werden."

Der Grenzposten in Nogales. In Richtung USA sind die Kontrollen strenger. Trotzdem kommen auch hier viele Tonnen Drogen durch. Zurück nach Mexiko fließen Milliarden Dollar und immer mehr schwere Waffen. Denn dort herrscht Krieg.

Militär soll die Polizei verstärken, doch die großen Banden leisten Widerstand, ermorden Drogenfahnder, Staatsanwälte, Zivilisten und Reporter geraten zwischen die Fronten. 7.000 Tote in einem Jahr, jetzt kämpfen die Drogenkartelle auch untereinander um Marktanteile.

Die Brutalität wächst

Nogales (mexikanische Grenze)In den USA ist die Gewaltwelle längst angekommen. Der neue Grenzzaun und die Wirtschaftskrise lassen die Gewinne der Kartelle schrumpfen. Die werden nervöser und brutaler. "Wir haben jetzt mehr Drogenkuriere, die ihre Ladung jetzt bewaffnet reinbringen. Und wir reden über große Kaliber, Kalaschnikoffs, Waffen bis zu 50 Millimeter. Die durchlöchern einfach alles. Das macht wirklich Angst."

Bisher flüchteten gestoppte Drogenhändler und ließen die Ware zurück - jetzt müssen sie sie mit Waffengewalt verteidigen, so die neue Strategie der Kartelle. Seitdem sind ihre Kontrollen deutlich gefährlicher geworden, berichten Polizei und Grenzschutz.

Raub und Kidnapping sind an der Tagesordnung

Tucson, Arizona Wir sind in Tucson, Arizona. Tucson liegt zwei Fahrstunden von der Grenze entfernt und ist eine der etwa 200 US-Städte, in denen die Drogenmafia inzwischen Fuß gefasst hat. "Wir sehen deutlich mehr Gewalt nach Art der Drogenkartelle", sagt Terry, "vor allem bei Überfällen zuhause."

Raub und Kidnapping heißen die neuen Geschäftszweige der Drogenbanden. Ihre Opfer sind oft reiche Landsleute. Denn viele Bosse haben ihre Familien hier in den USA in Sicherheit gebracht.

Die schärferen Grenzkontrollen haben das klassische Drogengeschäft schwerer gemacht, sagt Terry, und zeigt das Video einer Überwachungskamera: "Das ist das Auto der Täter: Die wollen den Bewohner des Hauses kidnappen. Da, Schüsse, dieser Mann flieht zurück ins Auto und wird da durch die Scheibe getroffen. Zuerst machten so was nur die Drogenkartelle, aber jetzt tauchen unabhängige Gruppen auf, die den Kartellen Drogen oder Geld abjagen wollen."

Spezialeinheiten gegen das Sicherheitsrisiko
Streng überwacht: die Grenze ...Immer härter, immer brutaler, die aus Mexiko überschwappende Gewalt gilt bereits als Sicherheitsrisiko für die USA: Grenzstaaten beantragen den Einsatz der Nationalgarde, Politiker fordern, den Waffenschmuggel der Kartelle einzudämmen.

"Die Waffen selbst sind ja gar nicht so schlimm", meint Terry, "sondern die Typen, die sie benutzen." Er zeigt uns die letzte Anschaffung seiner Sondereingreiftruppe: Ein schusssicheres Auto für ihre häufigsten Einsätze - Geiseln der Drogenmafia befreien. Inzwischen haben die Banden sich darauf konzentriert, illegale Einwanderer zu kidnappen und gleich zu Dutzenden in unauffälligen Häusern zu verstecken.

Menschenhandel als Zusatzgeschäft - wie in Mexiko schneiden die Kidnapper jetzt auch in den USA Finger, Hände oder gar Köpfe der Entführten ab, wenn deren Familien nicht zahlen wollen. Tage oder Wochen müssen die Entführten ausharren, Kleidung und Schuhe werden ihnen abgenommen, um eine Flucht unmöglich zu machen.

Kampf gegen gewalttätige Banden

Phoenix, ArizonaPhoenix, Arizona, ist nach Mexiko City inzwischen die Entführungs-Hauptstadt der Welt, so die Polizei: 380 Kidnappings in einem Jahr. Hier werden oft mehrere Dutzend befreiter Hispanos verhört, erklärt Bob, der Leiter der neuen Spezialeinheit: Denn deren Entführer mischen sich bei der Befreiung oft schnell unter die verschreckten Geiseln.

Ja, es gibt jetzt Tag für Tag mehr Entführungen und die Gewalt dabei nimmt zu. Das sind brutale Banden. Und die warten, bis Schleuser eine Gruppe Illegaler über die Grenze geführt haben, dann kidnappen sie diese Gruppe. Wir hatten schon etliche Morde bei solchen Kidnappings zwischen den Banden. Es wird alles sehr, sehr gewalttätig.

Zurück in Nogales. Abends beginnt die Jagdsaison für die Grenzschützer. Menschenschmuggel, Marihuana, Kokain - aber auch sie werden jetzt immer häufiger angegriffen. Das sind eben kriminelle Organisationen, die jetzt Geld verlieren. Und wenn das passiert, schrecken die vor gar nichts mehr zurück. Bisher passierten die Morde drüben, im mexikanischen Nogales, aber im letzten Halbjahr wurden Marios Kollegen schon über einhundertmal angegriffen, Tendenz: steigend.

Und dann ein neuer Einsatz, die Männer geben Vollgas. Es ist eine Gruppe Mexikaner, die offensichtlich gerade illegal die Grenze überquert hat. Arme Tagelöhner, die in den USA einen Job auf den Plantagen such, um ihre Familien zu ernähren. Harmlose Männer, ohne Waffen, keine Drogenhändler. Doch vorher wissen Marios Leute nie, an wen sie geraten.

(Quelle: ard/azmouving/welt.de/Tucson Reverse/werg)

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