Fleißig, fleißig...

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Wie viele Flugkilometer stecken in einem Glas Bienenhonig? Gemeint sind hier nicht die Flugkilometer, die beim Transport eines abgefüllten Glases Honig anfallen. Hans-Christian Strate möchte wissen, wie viel Kilometer die Bienen fliegen müssen, bis sie den Blütennektar für ein 500-Gramm-Glas Honig, gesammelt haben. Gute Frage, denn mal ehrlich, wer hat darüber schon mal nachgedacht, wenn er morgens in sein Honigbrötchen gebissen hat ...

Die große Sammelleidenschaft der Bienen

 Eine Biene auf einer Blüte; RechteDer Bienen-Experte Dr. Christoph Otten vom "Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum" in Mayen kennt die nötigen Fakten: Die Grundlage für praktisch alle Honigsorten bildet Blütennektar. Diesen stark zuckerhaltigen Pflanzensaft saugen die Honigsammlerinnen eines Bienenvolkes durch ihren Rüssel aus den Blüten in ihre Honigblase. Etwa 0,05 Gramm Nektar fasst die Honigblase einer europäischen Honigbiene. Doch Blütennektar ist noch lange kein Honig. Der Nektar hat einen hohen Wassergehalt, je nach Blüte bis zu 90 Prozent. Der Wassergehalt von gutem Honig ist deutlich niedriger. Bevor zum Beispiel aus dem Nektar der Rapsblüte Honig wird, verringert sich sein Volumen auf etwa ein Fünftel.

Wie aus Nektar Honig wird

Die Umwandlung von Nektar Schon beim Einsaugen des Nektars in die Honigblase der Biene beginnt dieser Prozess und setzt sich bei der Übergabe des Nektars von der Sammlerin zu ihrer Bienen-Kollegin im Bienenstock fort. Durch Herauslassen und anschließendes Wiedereinsaugen des Nektars reduzieren die Bienen den Wassergehalt um mehr als die Hälfte. Zusätzlich vermischen die Bienen den Nektar während des gesamten Prozesses mit eigenen Enzymen. Diese sorgen dafür, dass sich das Zuckerspektrum des Nektars ändert und hochwertiger wird. Zusätzlich hemmen sie das Wachstum von Hefen und Bakterien und machen den Honig fast unverderblich. Im Bienenstock verteilen die Bienen den bereits eingedickten Nektar dann in den Bienenwaben und sorgen durch Fächelbewegungen ihrer Flügel für weiteren Flüssigkeitsverlust.

Den genannten Zahlen nach müssten die Bienen also 2,5 Kilogramm Rapsnektar sammeln, um 500 Gramm Honig zusammenzubekommen. Teilt man nun die 2,5 Kilogramm Nektar durch das durchschnittliche Fassungsvermögen der Honigblase von 0,05 Gramm, so ergibt sich die stattliche Zahl von 50.000 Flügen, die notwendig sind, um das Glas voll zubekommen. Doch damit nicht genug: Etwa die Hälfte des gesammelten Nektars verbrauchen die Bienen zur eigenen Ernährung oder zur Aufzucht des Nachwuchses selbst. Berücksichtigt man das, verdoppelt sich die Anzahl der erforderlichen Flüge auf 100.000.

Zweimal um die Welt

Biene fliegt eine Borretsch-Blüte Bleibt noch zu klären, welche Flugstrecke eine Biene pro Honigblasenfüllung zurücklegen muss. Die hängt natürlich sehr stark von den Bedingungen der jeweiligen Umgebung eines Bienenstocks ab. Für den Rapshonig geht Christoph Otten von einer Strecke für den Hin- und Rückflug von 500 bis 1000 Metern aus. Multipliziert man nun die 100.000 Flüge mit der durchschnittlichen Flugstrecke von 750 Metern, ergeben sich immerhin stolze 75.000 Flugkilometer pro Honigglas. Fast zweimal umkreisen die Bienen also die Erde, um ein Glas Honig zusammenzubekommen.

Umgerechnet auf eine 25-Gramm-Portion schmiert man sich also 3.000 Bienen-Kilometer aufs morgendliche Honigbrötchen. Mit dieser Erkenntnis im Hinterkopf beißt man da doch ganz anders zu ...


(Quelle : ard/werg)

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