Neues Interesse am Mond

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Aufnahme vom Mond der japanischen Sonde KaguyaIn den vergangenen fünfunddreißig Jahren ist es ruhig um unseren Trabanten geworden. Seit dem Ende des Apollo-Programms 1972 hat es keine bemannte Mondlandung mehr gegeben. "Been there, done that" – dort gewesen und abgehakt, lautete lange die knappe Antwort von NASA-Funktionären auf die Frage nach einem neuen Mondprogramm.

Nun wird der Mond doch noch einmal neu vermessen und kartographiert. Nicht von den Amerikanern, auch nicht von den Russen: Hochaufgelöste detailreiche Bilder der Mondoberfläche sendet zur Zeit die japanische Mondsonde Kaguya zur Erde. Und sie ist nicht allein dort oben.
Bereits 2007 schickte China die erste eigene Mondsonde namens Chang’e 1 auf Erkundungsmission. Und auch Indien stieg Ende vergangenen Jahres als dritte Raumfahrtnation mit der Sonde Chandrayaan 1 in den neuen Wettlauf zum Mond mit ein.

Die aufstrebenden asiatischen Raumfahrtnationen nutzen die medienwirksam inszenierten Mondmissionen, um im eigenen Land und gegenüber der ganzen Welt die Leistungsfähigkeit ihrer Antriebssysteme und Raumfahrttechnologie zu demonstrieren.

Mondforschung als Prestigeprojekt?

Der Mars In den zurückliegenden Jahren hatte sich die Aufmerksamkeit eher auf die übrigen Planeten unseres Sonnensystems gerichtet. Der Flug zum Mars schien das nächste große Ziel der Raumfahrt.
Doch die Pläne, direkt zum Mars zu fliegen, sind überall vom Tisch. Heute glauben die meisten Raumfahrtstrategen: Der Mond ist der Schlüssel auf unserem Weg zum Mars. Nach dem Ende der Internationalen Raumstation ISS könnte eine dauerhaft bemannte Station auf dem Mond Antworten auf entscheidende Fragen liefern: Wie können Menschen auf fernen Planeten überleben? Woher beziehen sie Energie, Wasser und Luft? Und welche psychischen Belastungen sind mit dem jahrelangen Aufenthalt im All verbunden?

Bereits für das Jahr 2020 planen die Amerikaner ihre nächste bemannte Mondlandung. Nur zwei Jahre später, so steht es in einem Strategiepapier der NASA, könnte eine Mondstation eingerichtet sein. Ein Wagnis, denn zum Großteil ist der Mond immer noch unbekanntes Terrain. Jahrzehntelang bildeten die Foto- und Filmaufnahmen der Apollo-Missionen sowie das von den Astronauten eingesammelte Mondgestein die wichtigste Grundlage der Mondforschung. Doch das Material ist dürftig und lässt viele Fragen offen. Heute wissen wir mehr über unseren Nachbarplaneten Mars als über den Mond.

Gibt es Wasser auf dem Mond?

Mondkrater Ganz oben steht für viele Wissenschaftler die Frage nach Wasser auf dem Mond. Geologen vermuten es gefroren in der Polarregion des Mondes am Boden von Kratern, in die nie ein Sonnenstrahl fällt. Wasser, das durch den Einschlag von Kometen auf den Mond gekommen ist, könnte dort unter der Oberfläche noch heute erhalten sein. Für die Einrichtung einer permanent bemannten Station wären Wasservorkommen von entscheidender Bedeutung, denn es ist wesentlich aufwendiger, eine Station von der Erde mit Wasser zu beliefern, als das Trinkwasser vor Ort zu erzeugen.

Auch die Suche nach Rohstoffen hat gerade erst begonnen. Neben Aluminium, Eisen und Titan findet sich auch das für eine künftige Energieerzeugung interessante Helium3. Derzeitiger Marktwert: 1 Million US Dollar pro Kilo. Das seltene Helium-Isotop wäre ideales Brennmittel für zukünftige Kernfusionsreaktoren.
Doch Rohstoffe auf dem Mond zu finden und zu erschließen, ist aufwendig. Ob sich eine Förderung und der eventuelle Transport zur Erde jemals rechnen, ist ungewiss.

Der Weltraum wird kommerzialisiert

So könnte eine zukünftige Mondmission aussehenBei dem neuen Wettlauf zum Mond geht es also nicht mehr allein um nationales Prestige. Längst hat das kommerzielle Weltraumzeitalter begonnen. Die ersten Weltraumtouristen haben gezeigt, dass sie das nötige Kleingeld für einen Ausflug ins All besitzen, warum dann nicht auch für Ferien auf dem Mond? Studien sagen dem Weltraumtourismus ein gewaltiges Potenzial voraus. Der britische Unternehmer Richard Branson (Virgin Galactic) hat bereits Pläne für ein Hotel in der Mondumlaufbahn vorgestellt, von dem einst Besucher zu Ausflügen auf die Mondoberfläche aufbrechen sollen. Auch die Hotelkette Hilton hat schon werbewirksam Pläne für ein "Lunar Hilton" präsentiert.

Unter Hochdruck schmiedet die NASA derweil an einem internationalen Mondnetzwerk. Wie schon bei der ISS wollen die Amerikaner Kräfte bündeln, um nicht von privaten Anbietern oder den aufstrebenden Asiaten ausgebootet zu werden. Anfang Mai schickt die NASA mit dem Lunar Reconnaissance Orbiter eine Sonde zum Mond, um für zukünftige Missionen eigene aktuelle Daten über den Erdtrabanten zu sammeln. Das Rennen zum Mond ist wieder offen.


(Quelle: daserste.de/ESA/EROC/NASA/courtesy nasaimages.org)

Veröffentlicht in Startseite

Kommentiere diesen Post