Lecker...?!

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Harri Rama, Hari Krishna – es scheint schlecht bestellt um Indiens heiliges Lebendvieh, seit in den großen Metropolen, teilweise per Gerichtsbeschluss die Kühe aus den Stadtbildern verbannt werden. Die heilige Kuh auf dem Rückzug? Ihr Image gefährdet? Nein, sagt dieser Mann im kleinen Dörfchen Bhoonti im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Wir haben unsere Rindviecher nicht nur aus Glaubensgründen zu verehren. Die Kühe spenden, neben ihrer Milch viel mehr als viele es sich vorstellen können. Mr. Purushottam Lal Toshniwal, der Mann mit dem Namen in Kurzgeschichtenformat, ist bei Shiva, nicht von Gestern. Er will die Kuh als rentablen Nutzspender erfolgreich ins 21. Jahrhundert führen. "Die Leute denken, unsere Kühe wären nicht mehr so wichtig. Deshalb werden sie schlecht behandelt und sind oft in einem erbärmlichen Zustand. Ich sage ihnen aber, daß all die Krankheiten die wir heute haben, nur entstehen konnten, weil wir die Kühe aus unserem Leben verbannt haben. Dabei halten Kuhprodukte eine Menge Erreger von ihrem Hause fern."

Und weil Herr Toshniwal ein Mann der Tat ist, gründete er fix die Gaushala Kooperative, und schickt seitdem seine Knechte jeden Morgen in die Ställe. Hier zählt die Geduld mehr als warme Melkerhände, das Augenmerk dieser Herren gilt weder Milch noch Euter. Ein tiefer Blick in die Augen der Rindviecher läßt den geschulten Abzapfer ahnen, wann sein Einsatz gefragt ist. Aus der Blase in den Eimer, bei möglichst geringem Verschütt. Eines der zwei Grundprodukte der Gaushala Kooperative ist erfolgreich sichergestellt. Die Endabsonderung von Produkt Nummer Zwei ersparen wir dem Zuschauer und wenden uns gleich dem Einsammeln der Feststoffmasse zu, die anschließend von den Damen der Kooperative zum Trockenacker befördert wird.

Bis hierher hat auch der unerfahrene Beobachter eher den Eindruck eines mehr oder weniger normalen indischen Landlebens. Richtig Schwung kriegt die Sache erst durch die professionelle Weiterverarbeitung. Zugegeben, das Festprodukt mag in der Testphase noch recht unappetitlich aussehen, doch schon in der manuellen Weiterverarbeitung gewinnt die spätere Mückenkerze an Form, wenn auch nicht an Farbe. Das sieht in der Haarshampooproduktion schon anders aus. Spätestens nach der Destille wird auch aus Kuhpipi eine klare Lösung, bevor sie mit Seifenlauge und indischen Stachelbeeren vermischt wird. Hand aufs Herz, wer würde bei so einer formschönen Flasche noch an deren Ingredienzien denken.

Die Grenzen westlicher Verträglichkeit könnten allerdings bei diesem Herstellungsprozeß erreicht sein. Noch erfreuen Augen und Nase ausgewählte Zutaten wie Bischofsgras und Pfefferminz.

Und auch die gemahlene Rohmasse weckt noch keine Zweifel. Pikant wird es erst, wenn man die Fachleute, nach der Beimengung von reichlich Rinderurin nach der Endverwendung des rötlichen Puders befragt. "Warum sollte man kein Kuhurin verwenden. Ich mit nehme dieses Zahnpulver täglich. So! Und sehen sie, Trotz meiner 73 Jahre sind meine Zähne kerngesund, ich kann alles essen.Was meinen sie, woher das kommt."

Natürlich produziert Herr Toshniwal nicht nur für den Hausgebrauch. Er ist ja Geschäftsmann und immer um die weitere Verbreitung seiner Produkte bemüht. Im neuen Einkaufskomplex der Landeshauptstadt Lucknow ist man für die Erzeugnisse der Kooperative durchaus empfänglich. Das seine Ware nicht unbedingt exportverdächtig ist, weiß Toshniwal. Doch Indien ist ein boomender Markt und der Einkäufer dieses Supermarktes hat die Produkte mit dem simplen Namen "Fünf Dinge von der Kuh" gern sein Sortiment aufgenommen. Auch wenn die Kundschaft bei einigen Waren nur zögerlich zugreift und auch die Erklärungsversuche des smarten Verkäufers nicht immer vom Erfolg gekrönt sind. "So ganz wohl fühl ich mich dabei nicht", meint die Kundin Mittali Sharma. "Also das Zeug in den Mund zu nehmen, ich weiß nicht. Alles was man äußerlich anwendet, Shampoo, Cremes oder Seife , wäre ok. Aber Zahnpuder- das geht mir zu weit."

Purushottam Lal Toshniwal weiß, was er den Rindviechern seiner Kooperative schuldig ist. Die Tiere werden von seinen Leuten bestens in Schuß gehalten und ab und an erfreut er das liebe Vieh mit einer persönlichen Weihestunde – Extrafutter später inbegriffen. Da sag noch einer Indiens heilige Kühe hätten ausgedient. Nein, sagt Toshniwal seinen Leuten – jetzt geht es erst richtig los.

(Quelle: ws/swr/werg)

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