Leben in der Wüste

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Die Forschungsstation Gobabeb.Mitten in der Namibwüste, etwa zwei Stunden Autofahrt entfernt von dem kleinen Ort Walvis Bay, liegt eine der bekanntesten Wüsten-Forschungseinrichtungen weltweit: die Station Gobabeb. Sie wurde 1962 von Wissenschaftlern als ständige Basis gegründet, den Standort wählten sie gezielt aus aus, weil hier das ganze Jahr über Grundwasser zur Verfügung steht. Der weithin sichtbare Wasserturm ist das Wahrzeichen der Station.


Der Biologe Dr. Kenneth Nagy.
Seither kommen jahrein, jahraus Wissenschaftler aus aller Welt für einige Wochen hier her, um verschiedenste Aspekte der Wüste und des Lebens in der Wüste zu erforschen. So auch Dr. Kenneth Nagy, Biologe an der Universität Kalifornien, Los Angeles. Er möchte während seines mehrwöchigen Aufenthaltes untersuchen, wie es Wüsteneidechsen in dieser lebensfeindlichen Umgebung schaffen zu existieren.

Die älteste Wüste der Erde

Eine Wüsteneidechse im SandFür ihn ist die Namibwüste ein besonderer Ort: "Die Tiere und Pflanzen, die sich an extremes Leben in der Wüste angepasst haben, konnten das am besten in dieser Region, da es die älteste Wüste der Erde ist. Für uns ist dieser Ort dadurch unglaublich interessant. Hier finden wir die ältesten und damit besten Anpassungsstrategien an Wasser- und Nahrungsknappheit."

Täglich geht er mit seinen Teammitgliedern in den umliegenden Sanddünen auf die Suche nach Eidechsen, nur um die Mittagszeit machen sie Pause, um der sengenden Sonne und kaum aushaltbaren Temperaturen wenigstens zeitweise zu entkommen. Um die Eidechsen zu finden, brauchen die Forscher viel Geduld und ein gutes Auge, denn die Tiere vergraben sich tagsüber im Sand und sind blitzschnell.

Eidechsen mit Reservetanks

Wüsteneidechse in der Hand eines MenschenKen interessiert besonders, wie viel Wasser die Tiere verbrauchen, und woher sie es bekommen. Und wie kommen die Eidechsen an ihre Nahrung? Ein Rätsel, denn Pflanzensamen, die in den Mägen der Tiere gefunden wurden, stammen nicht aus dieser Gegend. Viel einfacher war dagegen die Frage zu beantworten, wie die Tiere Wasser im Körper speichern können. Sie haben kleine Säckchen am Hals - Reservetanks für trockene Zeiten.

In einem ausgetrockneten Flussbett ist derweil Vihlo, genannt Snake, unterwegs. Er ist Käferspezialist. Denn erstaunlicherweise gibt es hier sehr viele Käfer. Um Aufschluss über die Populationen zu erhalten, hat er an fünfzig Plätzen Käferfallen vergraben, kleine Blechbüchsen, aus denen sie ohne Hilfe nicht mehr hinaus können. Dreimal in der Woche wird gezählt. Einundachtzig verschiedene Arten muss Snake dabei auseinander halten. Er erkennt sie jedoch alle auf den ersten Blick – und er kennt auch ihre spezifischen Verhaltensweisen. Zum Beispiel, wie sie das wenige Wasser- und Futterangebot optimal nutzen.

Antworten auf unsere Fragen von morgen

Ein Mitarbeiter kniet im Sand und notiert etwas.Vier Wochen lang ist Kenneth hier, jeden Tag die gleiche harte Arbeit. Dann kehren er und sein Team mit einem Wust neuer Daten in ihre Heimat zurück. Daten, die, wie er sagt, bei dem Problem der weltweiten Ausbreitung der Wüsten eine wichtige Rolle spielen könnten. Denn die Lebewesen, die hier Jahrtausende Zeit hatten, sich an extremste Lebensbedingungen anzupassen, bieten vielleicht Antworten auf unsere Fragen von morgen.


(Quelle wo/ap/ndr)

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