Ahnenkult

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Dogon-HöhleGespannt haben alle auf diesen Anblick gewartet. Endlich: die Parade der Dogon Masken. Einmal im Jahr holen die Tänzer sie aus geheimen Verstecken - irgendwo in den alten Türmchen und Speichern im Felsmassiv von Bandiagara.

Die Ahnen sind allgegenwärtig

In den Dörfern, die wie Schwalbennester in den Felswänden kleben sind die Ahnen allgegenwärtig.

Die Dogon sollen Leibeigene gewesen sein. Auf ihrer Flucht quer durch Mali sollen sie dann einem Krokodil in die Felsen gefolgt sein. So die mündliche Überlieferung.

Für Fischer Boureima wird es jetzt höchste Zeit. Er will sich stärken für das jährliche traditionelle Fischerfest der Dogon. Wer die meisten Fische aus einem Tümpel heraus holt, den werden die Götter im kommenden Jahr reich beschenken.

"Das Hirsebier bringt mich so richtig in Schwung", schwärmt Fischer Boureima. "Es gibt mir Kraft und die richtige Form, damit ich heute viele Fische fangen kann. Die Jüngeren aus dem Dorf mögen zwar schneller sein, doch ich habe mehr Kraft. Bisher habe ich mich immer gegen die anderen durchgesetzt."

Diese Prahlerei kennen die Frauen aus Bamba schon.

"Ich bin extra hierher gekommen, weil ich einen Mann suche und heute sind sie doch alle hier versammelt", meint eine junge Frau. "Da habe ich die große Auswahl."

Doch im Augenblick haben die Männer nur eines im Sinn: Mit Reusen ziehen sie los in Richtung Tümpel.

Wir wollen von einer Frau wissen, wieso die Dogon dieses Ritual jedes Jahr feiern. "Dieses Fest hat eine lange Tradition. Selbst die Kolonialherren konnten nichts dagegen tun. Sie kommen aus der ganzen Umgebung und feiern mit uns", erklärt sie. "Aber fragt mich nicht nach dem Ursprung. Ich bin noch viel zu jung, um darüber zu reden", erklärt eine 65-Jährige. "Wendet euch an unseren Dorfchef. Er ist der Älteste im Dorf." Nur er darf uns das Ritual erklären.

An die 3.000 Männer sind aus der Umgebung gekommen. Fischer Boureima gilt als Favorit. Ab jetzt sind die Männer unter sich. Frauen sind hier nicht zugelassen.

"Das hier ist Männersache", meint Fischer Boureima Guindo. „"as war schon immer so. Die Ahnen wollen das." Sollte eine Frau diesen Tümpel erblicken, so wird das großes Unglück über das kleine Dorf bringen.

Wettrennen um die Gunst der Götter

Und dann geht es auch schon los. Ein Wettrennen um die Gunst der Götter. Eine Schlammschlacht. Sie fischen im modrigen Teich bis zur totalen Erschöpfung.

Die Welse – für die Alten im Dorf sind sie ein Segen. So lange es noch Fische im Tümpel gibt, ist die Zukunft von Bamba gesichert - daran glauben sie.

"In diesem Jahr sind es besonders viele Fische", schwärmt Fischer Boureima. "Das wird ein gutes Jahr - so viel steh fest". Für die Jüngeren wird es jetzt höchste Zeit. Sie wollen zum großen Fest.

Zufrieden ziehen sie zurück zum Dorf, wo sie sich auch dieses Jahr mit ihren Heldentaten schmücken werden. Wir hoffen, dass uns Fischer Boureima die Ursprünge dieses rätselhaften Rituals erklären wird. Aber er schickt uns weiter: "Freut euch, dass ihr dabei sein durftet. Ihr solltet den weisen alten Mann von Bamba sprechen. Er wird es euch erklären."

Der 87-Jährige hat schon auf uns gewartet. Während die Frauen noch diskutieren, ob der Dorfchef uns die Geschichte des spektakulären Fischerfestes mitten in der Wüste erklären sollte, hat der alte Herr längst entschieden, es zu tun.

Dorfchef Imereguire Guido beginnt zu erzählen: "Wie durch ein Wunder hat einst eine Frau aus Bamba diesen Teich mitten in der Savanne entdeckt, erklärt er. Er war für die Menschen in Bamba die Rettung in größter Not. Seither feiern wir diesen Segen der Götter mit allen aus der Umgebung. Und jedes Jahr schauen wir, ob uns die Götter noch wohl gesonnen sind."

Tradition und Moderne

Für Monsieur Boureima beginnt jetzt der praktische Teil des Festes. Er war der erste im Dorf, der Waren aus China nach Bamba brachte und die will er heute verkaufen.

Sein Verkaufsschlager: bunte Schläppchen. "Sie sind einfach chicker als die herkömmlichen. Sie sind fantastisch", schwärmen die Mädchen, "und das hier sind die letzten. Wir wollen sie unbedingt haben."

"Chinesische Produkte verkaufen sich ungeheuer gut", erklärt Monsieur Boureima. "Die Dogon lieben sie, weil sie modern sind. Natürlich haben wir auch weiterhin unsere traditionelle Dogon-Kleider und Ledertaschen auf dem Markt und dazu tagen die Frauen gerne diese glitzernden Schuhe."

Modische Accessoires – die machen diese traditionellen Feste erst wieder interessant. Und die neuen Badelatschen machen sich besonders gut.

Und auch in diesem Jahr darf Monsieur Boureima das Freudenfeuer der Dorfgemeinde eröffnen und damit den Tanz auf den sich die jungen Mädchen mit ihren Badelatschen schon lange gefreut haben.

Die Dogon, das traditionsbewusste Volk, lassen sich allmählich auf Neues ein. Doch manches ändert sich nie. Das Dorffest am alten Teich war und ist eine der besten Heiratsbörsen im ganzen Umkreis.


(Quelle:  dpa/wwf/werg)

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