Die Ainus

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Ausgrenzung der Ainus

Ihre Sprache ist nur noch selten zu hören. Die Zeremonien sind uralt. Zu ihren Göttern zählen Bären und Lachse. Zweimal im Monat versammelt sich diese kleine Ainu-Gruppe um Priesterin Asiri Lela – das bedeutet soviel wie „Neuer Wind“.
Alle hier haben auch japanische Namen, aber wenn sie unter sich sind, benutzen sie die nicht. Sie versuchen ihre Kultur zu erhalten, auch wenn ihre Ainu-Abstammung immer noch als Makel gilt.

Asiri Lela beschreibt das schwierige Verhältnis zu den Japanern: „Japaner wollen oft keine Ainus heiraten. Und wir werden von Firmen nicht gerne eingestellt. Einige sagen, wir seien wie Tiere, nur weil wir eine stärkere Körperbehaarung als Japaner haben. Oder es ist Ihnen peinlich, mit uns gesehen zu werden.“

Die traditionelle Strohhütte gehört zu einer kleinen Kommune am Waldrand. 15 Mitglieder, wie die meisten Ainus kommen sie mehr schlecht als recht über die Runden. Sie betreiben hier Landwirtschaft, einige haben Jobs. Zu den Bewohnern gehören auch jungendliche Schulverweigerer, die das Ainu-Mobbing im Klassenzimmer nicht mehr ertragen haben.

25.000 Ainus auf Hokkaido

Asiri Lela vor dem StaudammAuf Hokkaido identifizieren sich nur noch 25.000 Menschen als Ainus, viele verheimlichen ihre Herkunft – aus Angst vor Diskriminierung. Dabei waren ihre Vorfahren lange vor den Japanern hier. Bis vor gut 150 Jahren wurde Japans Nordinsel noch Ezo genannt, das Land der Ainus. Im Sommer mild und grün, im Winter schneebedeckt und bitterkalt. Die Ureinwohner lebten hier Jahrhunderte lang im Einklang mit der Natur als Fischer und Jäger. Dann kamen die Japaner, sie betrachteten Ainus als primitives Naturvolk, nahmen ihr Land, verboten lange die Kultur, und zwangen sie Japanisch zu sprechen und Bauern zu werden.

Asiri Lela heißt auch Yasuko Yamamichi, in der Schule wurde sie trotzdem als Hündin beschimpft. Wo jetzt der Stausee ist, war früher ihr Zuhause. Eine Ainu-Siedlung, heilige Orten und Gräbern: „Das Wasser war klar, wir sind darin geschwommen. Weiter unten gab es drei Stufen im Fluss, da konnte der Wildlachs zum Eierlegen gegen den Strom hoch schwimmen. Es waren viele Lachse, sie kamen überall hin, bis zu den Nebenflüssen.“

Heute gibt es hier keine Lachse mehr. Japans Regierung hat einen Damm gebaut zum Hochwasserschutz. Zwar entschied ein Gericht, dass die Zwangsenteignung des Ainu-Landes illegal war. Aber das kam zu spät. Im ganzen Land stehen stolze 3.000 Dämme.

Verbauung der Natur

Ein Bär in den Wäldern HokkaidosIn Japan wird fast überall die Natur mit Beton in ihre Schranken verweisen. 99 Prozent aller Flüsse des Landes sind kanalisiert, aufgestaut oder umgeleitet. Jede noch so schöne Landschaft bekommt wie hier auf Hokkaido Brücken, Strassen, auch wenn oft nur wenige Autos über sie fahren werden. Die Wirtschaft hat Vorrang, und Japans Politiker lieben ihre Milliarden schweren Betonprojekte. So schaffen sie auch Arbeitsplatze in ihren Wahlkreisen, das bringt ihnen Stimmen. Und die Baufirmen spenden großzügig in die Wahlkampfkassen. 60 Prozent der japanischen Küsten wurden so mit Tetrapoden als Wellenbrechern zugeschüttet.

Asiri Lela ruft ihren Bärengöttern zu, dass sie den Wald betreten möchte. Zum Leben der Ainus gehört der Respekt vor der Natur. Auch hier soll wieder ein großer Staudamm gebaut werden, nur ein paar Kilometer entfernt von dem anderen. Sie will es verhindern, ob sie es schafft, weiß sie nicht. Das alles soll geflutet werden. Im Sand sind noch frische Bärenspuren. Nach Protesten von Ainus und anderen Bürgergruppen ruht das Projekt zwar vorübergehend, aber ein Stück weiter oben stehen schon die ersten Betonpfeiler.

Asiri Lela über die Spiritualität der Natur: „Der Wald, das klare Wasser, zieht Menschen genauso an wie die Tiere, Bären, Rehe, Vögel. Wir Ainus sehen das als einen heiligen Ort, wo die Götter gerne spielen.“

Asiri Lela lebt in Biratori, viele Bewohner des Ortes stammen von den Ainus ab. Kurz vor dem G8-Gipfel versammeln sich hier Ureinwohner aus der ganzen Welt, um über gemeinsame Forderungen an die Staats- Regierungschefs zu beraten.

Ainus profitierten vom G8-Gipfel

Ainus beim traditionellen TanzJapans Ainus hatten den G8-Gipfel vor der Haustür schon etwas gebracht. Zum ersten Mal hat Japans Parlament vor kurzem Ainus als Ureinwohner bezeichnet. Dieses Wort wurde bislang stets vermieden, auch weil die Regierung hohe Entschädigungsansprüche fürchtet. Asiri Lela glaubt den Politikern noch nicht und spricht von diplomatischem Gerede, mit dem Japan peinliche Rügen beim Gipfel vermieden will: „Die Vereinten Nationen haben uns längst als Ureinwohner anerkannt. Ich glaube, dass das japanische Parlament das nur wegen des G8-Gipfels gesagt hatte. Wir wollen aber, dass uns die Regierung endlich offiziell als Ureinwohner anerkennt und sich bei uns entschuldigt.“

In ihrer Kommune bringt sie jungen Ainus alte Tänze und die Sprache bei. Die Staats- und Regierungschefs, so hofft sie, sollen aus Japan eine Weisheit der Ainus mit nach Hause nehmen: Dass die Menschen nur das von der Natur nehmen sollen, was sie zum Leben wirklich brauchen.


(Quelle: BR/werg)

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