Giftige Geschäfte

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Eine Grubenotter Rolf Kreutz und seine Mitarbeiter haben einen Job, den weltweit nur eine handvoll Menschen beherrschen: er ist Leiter der Schlangenfarm der Firma Nordmark, ein Pharmaunternehmen in der Nähe von Hamburg, das schon bald aus dem Gift von Schlangen eine Medikament gewinnen will. Nirgendwo sonst in Europa befinden sich so viele Vertreter der Malaiischen Grubenotter. Die Tiere geben das Gift nicht freiwillig ab, sondern sie müssen „gemolken“ werden.

Schlangenfarmer bei der „Melkarbeit“

Zwei Forscher betreten mit Kamerateam des weißen Laborraum Die Grubenottern befinden sich in bester Gesellschaft, seit vielen Jahren arbeitet Rolf Kreutz als Schlangenfarmer. Sein Rüstzeug: gute Nerven und die richtige Ausrüstung.
Die Schlange muss er so fixieren, dass Rolf Kreutz hinter dem Kopf zugreifen kann, ohne dass sie beißt. In dieser Situation ist besondere Vorsicht geboten. Hunderte Todesfälle vor allem bei den Arbeitern in den Reisfeldern gehen Jahr für Jahr in Asien auf das Konto der Malaiischen Grubenotter. Wer solch einen Biss überlebt, muss trotzdem mit Entstellungen rechnen, denn die Verdauungsenzyme des Giftes zerstörten das Gewebe. Für die Giftabnahme müssen die Zähne aus ihren Hauttaschen befreit werden, denn normalerweise legt die Schlange ihren Kiefer ja nicht an einen Glasrand, sondern treibt ihre Waffen in den Körper ihrer Nahrung, in der das Gift dann seine Wirkung entfaltet.

Heilsame Giftkomponente

Das Gift ist entnommen. Ein todbringender Cocktail, und doch enthält er eine Substanz, die das Leben des Menschen verlängern kann. Die so genannten Fibrinogenfasern im Blut werden durch den Giftbestandteil Ancrod aufgelöst. In geringer Dosis kann dieser Stoff deshalb Herzpatienten das Leben retten. denn das Fibrinogen verstopft die Gefäße. Erst wenn es aufgelöst ist, kann das Blut ungehindert strömen. Es wird dünnflüssiger.
Einen Schlaganfall könnte der Blut verdünnende Giftbestandteil Ancrod deshalb womöglich verhindern, denn bei einem Hirnschlag verstopfen die Gefäße. Die natürliche Dosis ist allerdings zu hoch und vermischt mit anderen tödlichen Substanzen.

Test am Menschen

Wissenschaftler hebt Reagenzglas mit dem Schlangengift ans LichtNach der Giftabnahme wird aus einem Konzentrat des Rohgiftes die heilsame Substanz Ancrod herausgefiltert. Ein sehr aufwendiges Verfahren, denn der Wunderstoff ist nur in einer winzigen Menge im Giftcocktail enthalten. Deshalb muss er exakt von den hunderten unbrauchbarer und giftiger Substanzen getrennt werden. Dies ist der wohl wichtigste Schritt auf dem Weg zum Medikament. Das Ergebnis all der Mühen ist eine unscheinbare Flüssigkeit, an der große Hoffnungen hängen. Eine Klinische Studie an Patienten, die vor kurzem angelaufen ist, soll nun die Wirksamkeit von Ancrod am Menschen exakt belegen.
Rolf Kreutz ist zuversichtlich. Deshalb arrangiert er bereits Rendezvous von Gifttierpärchen: denn aus seinen 100 Tieren sollen 3000 werden. Schließlich will man bald massenhaft die begehrte Heilsubstanz aus der Natur gewinnen.


(Quelle: swr/werg)

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