Die wunderbare Welt der Pilze

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Sie atmen, doch sie sind keine Tiere. Sie wachsen zum Licht, doch sie sind keine Pflanzen.

Die Pilze (Fungi) bilden ein eigenes Reich - neben den Tieren, Pflanzen und Protisten. Protisten sind ein- bis wenigzellige Lebewesen. Die Vermehrung und Ausbreitung der Pilze erfolgt geschlechtlich oder ungeschlechtlich durch Sporen, oder vegetativ durch Ausbreitung.

Faden-Netzwerk in der Erde

FliegenpilzDie oft riesige Ausmaße annehmenden Organismen sind Fadenwesen, d. h. sie bestehen im Prinzip aus einem losen, chaotischen Gewirr von Fäden, dem Mycel. Ihre Nahrung besteht aus Mineralien und organischen Stoffen, die sie aus ihrer Umgebung herauslösen.

An der Oberfläche sieht man davon nichts, bis die Geflechte - je nach Jahreszeit und Wachstumsbedingungen - Abgesandte an die Oberfläche schickt: die Fruchtkörper. Das sind jene Gebilde, die wir landläufig als ‚Pilze’ bezeichnen, obwohl es ja nur kleinste Auswüchse der großen Organismen sind.


Brutstätten

Elektronenrastermikroskop-Aufnahme von Pilzsporen Die Fruchtkörper kommen in verschiedenen Formen vor. Alle aber haben Erhebungen oder Vertiefungen: Poren, Stoppeln oder Lamellen. Die vergrößern die Oberfläche um ein Vielfaches. Und hier reifen dann Milliarden Sporen heran, mikroskopisch kleine Kapseln mit Erbmaterial.


Schirmautomatik

Ansammlung kleiner Pilz, die aus ihrer waagerechten LAge die Schirmchen nach oben strecken Das Erbmaterial gilt es zu schützen – zum Beispiel gegen Regen oder Hagel. Viele Fruchtkörper machen das mit einem speziellen Kopfteil, dem uns gut bekannten Schirm. Der nützt allerdings nur dann, wenn er waagerecht steht. Deshalb besitzen die Schirmpilze einen einprogrammierten Gleichgewichtssinn. Wenn also etwa der Baum umstürzt, an dem sie wachsen, dreht sich der Fruchtkörper innerhalb weniger Stunden wieder in die Vertikale.


Einzigartige Symboise

Feines Netz aus Wurzeln und Pilzfäden
Bäume und Pilze bilden eine ganz besondere Symbiose. In der Erde sind die feinen Baumwurzeln und das Mycel untrennbar miteinander verwoben, bilden ein Geflecht, das Fachleute als Mycorrhiza bezeichnen. Wo bei diesem Mischwesen die Wurzel anfängt und der Pilz aufhört, lässt sich auf Anhieb nicht erkennen.

Sie beginnt mit der Photosynthese des Baumes, der Zuckerproduktion in den Blättern mit Hilfe des Sonnenlichts. Ein Teil des Zuckers wird in die Wurzeln geschickt, fördert deren Wachstum. Und jetzt kommen die Pilze ins Spiel:

Grafik: Stoffaustausch zwischen Barumzellen und Pilzfäden Sie schicken Ausläufer zu den haarfeinen Baumwurzeln, umschließen sie wie mit einer Manschette und dringen dann ins Innere ein, zwängt sich zwischen den einzelnen Wurzelzellen hindurch – und ein verblüffender Stoffaustausch beginnt:
Der Pilz zieht für sich überschüssigen Zucker aus den Wurzelzellen heraus und liefert im Austausch Wasser und Mineralstoffe an die Zellen, die der Baum dringend benötigt.

Pilz und Baum sind auf Gedeih und Verderb aneinander gekettet– ohne den einen stirbt auf die Dauer der andere.


Waldreinigung

Baumpilz an Baumstamm Andererseits sind Pilze die großen Entsorger. Sie zerlegen und zersetzen organisches Material, führen die Bestandteile in den Kreislauf des Lebens zurück.

Zum Beispiel umgestürzte Baumstämme:
Einige Pilzarten lösen das harte Lignin im Stamm heraus, andere die stabile Zellulose. Nach zehn Jahren ist von dem dicken Stamm nur noch eine zerbrechliche Hülle übrig.

Ohne die stete Aufräumarbeit der Pilze würde es übrigens unseren Wald überhaupt nicht geben. Denn schon nach wenigen Jahren wäre der an sich selbst erstickt.

(Quelle: ndr/werg)

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