Fressen bis der Umsatz stimmt

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Kater Mikesch hat einen exklusiven Job. Er entscheidet mit, was europaweit bei seinen Artgenossen im Freßnapf landet. Denn Katzenmutter Sabine Kempff testet in häuslicher Umgebung für ein unabhängiges Labor Futter von verschiedenen Herstellern mit unterschiedlichen Rezepturen.

Das Testen von Tiernahrung im häuslichen Umfeld ist für die Nahrungstester ganz besonders wichtig. Denn Zuhause fühlt der Kater sich wohl und zeigt sein natürliches Fressverhalten.

Testen in heimischer Umgebung

Kater beim Testfressen vor zwei Futternäpfen Anders, als wenn er mit vielen anderen Katzen in speziellen Fress-Centern, wie bei großen Tiernahrungshersteller üblich, gehalten wird. Das Prinzip der Tests verläuft immer nach dem gleichen Schema, erklärt Katzenmutter Sabine Kempff: "Meist wird zuerst Nassfutter getestet über vier Tage, dann wird eine Woche Pause gemacht und dann wird der Trockenfuttertest gemacht."

Was im Napf landet, ist für Mikesch jedes Mal eine kulinarische Überraschung. Wie viel er frisst, welche Probe er frisst und vor allem, was er nicht mag: Das alles wird akribisch genau von Frauchen in einem speziellen Protokoll vermerkt. Daten, die über einen neuen Futtermix entscheiden sollen.

Verwöhnter Gaumen

Der Gaumen von Kater Mikesch ist verwöhnt und manche neue Futter-Rezeptur lässt er einfach links liegen, so die Katzenmutter. "Also ich glaube, dass er Rind nicht so gerne mag und dass er eher zu Geflügel und Fisch tendiert. Er schnuppert zwar am zweiten Futter, frisst aber dann viel von dem ersten Futter."

Umfangreiche Lebensmittelanalyse

Naßfutter wird aus Plastikbehälter umgefüllt Geschmack ist das eine – Verträglichkeit das andere. Damit Mikesch sich nicht den Magen verdirbt, werden alle neuen Produkte vor dem Test regelmäßig im Auftrag der Futterhersteller untersucht.

Das Futter wird in der Regel aus Schlachtabfällen hergestellt: Das sind Fleischstücke, die der Mensch in der Regel nicht essen würde, wie Pansen und Co., sagen die Experten. Außerdem sind noch viele pflanzliche Bestandteile als Zutaten enthalten.

Für die Futter-Herstellung gelten die gleichen Richtlinien wie bei der Herstellung von menschlicher Nahrung, so der Lebensmittelchemiker des Analyselabors Dr. Heino Steinmetz: "Es dürfen eigentlich genau die Stoffe nicht drin sein, die auch in der menschlichen Nahrung nicht drin sein dürfen. Also keinerlei Gifte, keinerlei Schwermetalle zum Beispiel, keine Dioxine, keine Pflanzenschutzmittel. All das, was auch bei der menschlichen Nahrung sofort zur Untauglichkeit des Produkts führt, ist bei der Tiernahrung auch der Maßstab."

Zuviel des Guten

Dr. Volker Karl und Dr. Heino Steinmetz hinter AnalysecomputerIn der Regel wird Trocken- oder Nassfutter als Alleinfutter verwendet. Darum muss auch alles drin sein, damit Hund oder Katze ein Leben lang gesund bleibten: Mineralstoffe, Vitamine und pflanzliche Bestandteile. Doch manchmal ist des Guten zuviel beigemischt, so die Chemiker. Dann schlagen die Analyse-Geräte Alarm, so Dr. Heino Steinmetz: "Dabei geht’s beim Tier in erster Linie um Vitamin A, wobei ein Lieferant für Vitamin A im wesentlichen die Leber in den Tieren sind, die sehr Vitamin A reich sind, was auf der einen Seite sehr gut ist. "

Aber es dürfe auch nicht übertrieben werden, so der Lebensmittelchemiker. So kann das großzügige Zusetzen von Leber in Hunde- und Katzenfutter schädlich für die Tiere sein, weil dann zuviel Vitamin A enthalten ist. Futter mit dieser Rezeptur wird dann nicht für den Handel freigegeben.

Unüberschaubare Auswahl

Der Markt mit Tiernahrung ist millionenschwer und hart umkämpft. Die Hersteller versuchen mit immer neuen Rezepturen nicht nur die Vierbeiner sondern vor allem die Tierhalter von ihrem Produkt zu überzeugen. Und der Käufer muss glauben, was auf der Verpackung steht.

Ob das auch wirklich so ist, wollte die Stiftung Warentest genauer wissen und nahm dreißig Produkte Hunde- Trockenfutter genauer unter die Lupe. Das Ergebnis erläutert Christiane Niemtimp von der Stiftung Warentest in Berlin: "Welpen brauchen ein spezielles Futter mit dem richtigen Nährstoffmix, um gesund zu bleiben. Ältere Hunde wiederum sollten ein Seniorenfutter bekommen, das die Nieren schont."

Schimmelpilzgifte durch pflanzliche Zutaten

Hund läuft zwischen Hundfutterpackungen hin und her Oft würden pflanzliche Bestandteile dem Futter beigemengt. Werden die aber nicht richtig verarbeitet, können sich Schimmelpilzgifte wie das Aflatoxin bilden. Und die hätten schon öfters zu Todesfällen geführt, erläutert die Warentesterin Christiane Niemtimp: "Wir haben auf Mykotoxine, das sind die Toxine des Schimmelpilzes, untersucht, da gab es ja einen aktuellen Fall mit Aflatoxin, da können wir Entwarnung geben. Aflatoxin haben wir gar nicht gefunden. Dann haben wir auf Blei, Cadmium, Arsen getestet, war auch kein Problem. Wir haben auf Gen verändertes Soja getestet, da gab es einen Fall, der war aber auch unproblematisch."

Zu viel Nahrung - zu wenig Bewegung

Im Großen und Ganzen scheint also die Tiernahrung in Ordnung zu sein, so die Experten. Auslöser von Erkrankungen sind in der Regel ein zuviel an Futter und zu wenig Bewegung.

Und dass Tiere durch bestimmte Futterlockstoffe süchtig gemacht werden, können die Chemiker von Intertek-Biodata in Linden nicht bestätigen, so Dr. Heino Steinmetz: "Da ist so wie es sich zunächst mal anhört nichts dran. Denn dann würden die Profis das wissen und jeder würde es in sein Futter mischen. Also von daher kann schon sagen, dass das nicht so einfach ist. Sondern die Gesamtrezeptur muss passen."

Lebensmittelrecht für Mensch und Tier

Blinzelnder Kater auf Sofa Die Rezeptur von Tierfutter besteht in der Regel aus Rind und Schwein. Fisch oder Geflügel sind allenfalls Geschmacksverstärker. Die große Frage bleibt, warum Katzenfutter eigentlich nicht nach Mäusen schmeckt. Das sei ganz einfach, erklärt uns Lebensmittelchemiker Dr. Volker Karl: "Alle Bestandteile die ins Futter kommen, müssen als Lebensmittel quasi geeignet sein, zumindest von Tieren stammen, die für den menschlichen Verzehr geeignet sind. Und mir ist noch nicht bekannt, dass Mäuse für den menschlichen Verzehr geeignet sind."

Ob das Futtertester Kater Mikesch wirklich stört? Er ruht sich nach den Teststrapazen aus und verdaut. Vielleicht träumt er ja nach all den neuen Gaumen-Genüssen mit Geflügel und Soße auch von einer einfachen Maus.


(Quelle: ndr/Volker Ide)

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