Das Dorf der deutschen Rentner

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Gartenzwerge (Picture Alliance)Es könnte alles so schön sein. Namhae, eine idyllische Insel in Südkorea. Vor ein paar Jahren hatte ein Lokalpolitiker eine blendende Idee: ein deutsches Dorf. Weiße Häuser, rote Dächer, ordentliche Vorgärten. So etwas gibt es in Südkorea sonst nicht zu sehen. Deshalb karren Busse Touristen an, koreanische Touristen, die sich das deutsche Dorf ansehen. So laufen sie durch die Vorgärten, knicken Blumen ab, gucken durch die Fenster. Was sie nicht ahnen: Da leben tatsächlich Menschen und auch noch Deutsche. Die fühlen sich "begafft wie Affen" im Zoo.

Es könnte alles so schön sein...

Das deutsche Dorf auf NamhaeNamhae, eine idyllische Insel in Südkorea. Vor ein paar Jahren hatte ein Lokalpolitiker hier eine blendende Idee: ein deutsches Dorf.
Und von außen gesehen ist seine Idee auch blendend umgesetzt worden.
Familie Theis erwartet uns bereits - in der Mainzer Straße. An ihrem Haus ist alles deutsch. Doch für die Nachbarhäuser gilt das weniger.
Auch Ludwig Straus sind schon einige der Nachbarn negativ aufgefallen. Aufs Geld aus - mit Zimmervermietung! Und an wen? Koreanische Touristen!

Armin Theis hat inzwischen die ersten entdeckt. Tatsächlich! Als ob sie in einem öffentlichen Park wären, gehen die Koreaner einfach in den Garten. Wir stellen die Eindringlinge.

"Wir sind hierher gezogen, weil wir unsere Rente in Ruhe verbringen wollen! Wir sind kein Touristendorf", meint Youngsook Theis empört.
Touristin: "Wir dachten, dass sind alles Fremdenzimmer hier."
Youngsook Theis: "Sehen Sie, das denken alle!"
Tourist: "Ich wusste gar nicht, dass hier auch echte Deutsche wohnen." - Die Koreaner sind schuldbewusst und ziehen ab.

Derweil rücken ganze Touristenhorden vor dem Haus von Ludwig Straus an. Selbst in den Garten dringen die Koreaner ein. Deshalb hat Ludwig Straus die Gartenzwerge erst mal in Sicherheit gebracht - und spricht ihnen Trost zu.

Das Dorf soll deutsch bleiben

Jetzt greifen die Deutschen zur Gegenwehr. Armin Theis hat kürzlich am Dorfeingang eine deutsche Straßenkontrolle aufgebaut. Über die Kritik einiger Nachbarn kann er sich nur wundern. Auch Ludwig Straus wehrt sich nun, nachdem Verbotsschilder nichts genutzt haben.

Frau Theis backt inzwischen Kraftkornbrötchen. Obwohl sie in Korea geboren wurde, liebt sie deutsche Küche, deutsche Wertarbeit. "Die Koreaner pfuschen, wo’s geht", sagt Youngsook Theis. Das kann auch ihr Mann bestätigen. Er ist selbst Handwerker, hat den Keller zu einer kleinen Metzgerei ausgebaut.

Doch den deutschen Schinken wissen sie durchaus zu schätzen. Einige Koreaner haben sich in den Keller gewagt. Frau Theis kann ein paar Stück Schinken verkaufen, und die Koreaner sagen nur Gutes über die Deutschen und den Schinken. Den isst auch Frau Theis am liebsten: "Ich bin deutsch, sehe nur koreanisch aus".

Das Dorf soll deutsch bleiben, trotzdem kommen immer mehr Koreaner. Auch von den Behörden ist keine Hilfe zu erwarten, im Gegenteil. Beim Besuch einer koreanischen Verwaltungsangestellten kam es zum Streit. Im deutschen Dorf - in Südkorea - herrscht Krieg. Noch ist unklar, wer gewinnt.

(Quelle: ARD Tokio/werg)

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