Licht und Vitamin D

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Im Sommer ist es einfach: Jeden Tag zwischen 15 und 20 Minuten in der Sonne genügen, um ausreichend Vitamin D zu produzieren. Im Winter dagegen reicht auch ein ausgedehnter Aufenthalt in der Sonne kaum aus, um den Vitamin D-Spiegel in die empfohlene Höhe zu schrauben. Denn die Sonne steht dann zu tief am Horizont.


Frau auf Brück schaut in den wolkenverhangenen Himmel Zu wenige der für die Vitamin D-Produktion notwendigen UV B-Strahlen kommen überhaupt auf der Erde an. Neue wissenschaftliche Studien lassen vermuten, dass Vitamin D-Mangel in Zusammenhang mit zahlreichen Krankheiten wie Krebs, Diabetes Typ 1 oder Multipler Sklerose steht.


Vorstufe eines Hormons

Vitamin D ist physiologisch betrachtet eigentlich kein Vitamin, sondern die Vorstufe eines Hormons (Calcitriol). Denn Vitamine sind – per Definition – Nährstoffe, die der Körper nicht selbst herstellen kann und die deswegen mit der Nahrung aufgenommen werden müssen. Vitamin D wird dagegen fast ausschließlich unter dem Einfluss von UV B-Strahlung in der Haut gebildet.

Im Körper hat Vitamin D eine entscheidende Rolle bei der Regelung des Kalzium- und Phosphathaushalts und ist damit unter anderem für einen stabilen Knochenaufbau verantwortlich. Es ist schon lange bekannt, dass ein Mangel an Vitamin D in den ersten Lebensjahren zu Rachitis und bei Erwachsenen zu einem erhöhten Risiko für Osteoporose führen kann. Dank prophylaktischer Vitamin D-Gaben bei Säuglingen ist Rachitis in Deutschland inzwischen selten.


Vitamin D offenbar wichtiger als bislang angenommen

Neue Untersuchungen liefern jetzt allerdings zahlreiche Hinweise, dass Vitamin D eine weit wichtigere Rolle im Körper spielen könnte als bislang angenommen. Ein zu niedriger Vitamin D-Spiegel scheint das Risiko für einige Krebsarten, Diabetes Typ 1 und Herz- Kreislauferkrankungen zu erhöhen. Das haben zahlreiche Untersuchungen vor allem in den USA gezeigt. An der Medizinischen Universität Graz haben Wissenschaftler die Daten von über 3.200 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 62 Jahren ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Patienten mit Vitamin D-Werten im unteren Bereich in den nächsten sieben Jahren ein bis zu doppelt erhöhtes Todesrisiko aufwiesen.

Verstärkter Vitamin D-Mangel im Alter

Je älter Menschen sind, desto häufiger haben sie einen zu geringen Vitamin D-Wert, weil die Fähigkeit des Körpers, Vitamin D zu produzieren, im Alter nachlässt. Die Grazer Mediziner haben zahlreiche Studien mit älteren Patienten durchgeführt, die das belegen. Allerdings: Menschen aller Altersgruppen sind vom Mangel betroffen. Fast 60 Prozent der Deutschen haben einen Vitamin D-Spiegel unterhalb des empfohlenen Wertes, so eine Studie des Robert-Koch-Institutes.


Wenig Einflussmöglichkeiten

Frau geht am Gemüse-Stand vorbei Die Möglichkeiten, seinen Vitamin D-Spiegel positiv zu beeinflussen, sind gering, abgesehen von wissenschaftlich sehr umstrittenen Solariumbesuchen. Denn, so die Argumente der meisten Forscher, damit erhöhe man zwar möglicherweise seinen Vitamin D-Spiegel, gleichzeitig aber auch sein Hautkrebsrisiko. In den wenigsten Nahrungsmitteln ist Vitamin D in nennenswerten Mengen enthalten. Die „klassischen“ Vitamin-Lieferanten Obst und Gemüse scheiden aus, sie enthalten kaum Vitamin D. Fetter Fisch ist eine Möglichkeit: Mit rund 17 Mikrogramm des Vitamins enthalten etwa 100 Gramm Lachs rund das Dreifache der nötigen Tagesdosis von 5 Mikrogramm.

In einem Heringsbrötchen mit 100 Gramm Fischeinlage steckt doppelt so viel. 100 Gramm Eigelb enthalten noch etwa die halbe Tagesdosis. Das wären je nach Gewicht drei bis fünf Eier am Tag. Auf ähnliche Werte kommen 100 Gramm Champignons. Etwa zwei Mikrogramm Vitamin D stecken drin.


Kommt die „Pille für den Winter“?


Lachs in Fischauslage Richtige Ernährung kann den Vitamin D-Haushalt sicher positiv beeinflussen. Untersuchungen lassen aber bezweifeln, ob das ausreicht. Viele Forscher plädieren sogar angesichts der neuen Untersuchungen dafür, die notwendigen Empfehlungen nach oben zu korrigieren. Eine Möglichkeit wäre, wie etwa in den USA, Nahrungsmittel mit Vitamin D anzureichern. Milch oder Joghurt kämen dafür in Frage. Eine andere Möglichkeit wäre die systematische Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln in den Wintermonaten, die „Pille für den Winter“ sozusagen.

Weitere klinische Studien sollen aber zunächst noch mehr über die Rolle von Vitamin D in unserem Körper verraten, bevor Empfehlungen über Richtwerte oder Ausgleichsmöglichkeiten endgültig entschieden wird.

(Quelle: BR/dpa)

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