Das dicke Ende kommt noch

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Er hat sich hochgearbeitet: Vor 15 Jahren malochte Yan Yang noch als einfacher Bauarbeiter. Heute gehört ihm eine Textilfabrik vor den Toren Pekings. Bisher ging es immer aufwärts, doch dann, im Herbst vergangenen Jahres, traf die Krise auch China.

„Mein Gefühl sagt mir, dass die Krise in China nicht so lange dauern wird. Unser Land ist sehr anpassungsfähig und die Verbraucher hier geben weiter Geld aus.
Weil sie nicht verschuldet sind wie die Leute im Westen, sie haben viel gespart in den vergangenen Jahren.

 8.00 Uhr morgens. In der Fabrik stehen noch alle Nähmaschinen still. Denn der Arbeitstag beginnt, auch in der Krise, ganz chinesisch: drei Runden um den Firmenblock, und der Fabrikant immer vorneweg. Das tue allen gut, sagt Yang. Ihm, den Arbeitern und deshalb auch der Firma.


Eine Stunde früher, kurz nach Sonnenaufgang, mitten in Peking. Zwei Wochen lang hat die Familie Liu hier Müll gehortet: Altmetalle, Plastik, Papier. - Die Lius sammeln den Abfall und verkaufen ihn an Recyclingfirmen.Liu Changhai hatte die Krise schon getroffen, bevor andere überhaupt von ihr wussten. Denn nach dem Bankencrash in Amerika fielen z u e r s t die Rohstoffpreise, dann starben die Fabriken. Inzwischen steht Chinas Recyclingindustrie am Rande des Zusammenbruchs.

„Die Krise ist furchtbar! Für Aluminium zum Beispiel kriege ich nur noch die Hälfte, für Kupfer und Altpapier nicht mal ein Drittel des bisherigen Preises. Wenn das so weitergeht, muss ich irgendwann aufgeben.“

So wie Liu Changhai strampeln jetzt allein in Peking 160.000 Altmetallsammler verzweifelt gegen den Abschwung.

Yangs Fabrik hingegen keine Spur von Depression. Im Gegenteil. Seine Auftragsbücher, sagt er, sind bis Juli prall gefüllt. Gerade hat er 100 Näherinnen neu eingestellt, die Löhne erhöht und sucht noch mehr Arbeitskräfte. Vergeblich. Dabei ist er ein fairer Boss.

„Die Arbeitsbedingungen hier sind sehr gut, das Kantinenessen auch, deswegen arbeite ich gerne hier. Und ich mache mir keine Sorgen, wir haben doch alle Hände voll zu tun!“

„Ich habe keine Angst vor Arbeitslosigkeit! Warum auch, wir kriegen doch ständig neue Aufträge rein!“

Yang produziert T-Shirts, Aufdrucke und Sportkleidung fast ausschließlich für den chinesischen Binnenmarkt. Die Krise in Amerika, in Europa – für ihn ist sie weit entfernt. Darin, sagt er, liegt jetzt seine Stärke.

(Quelle: wdr)

Veröffentlicht in Startseite

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post