Eine Wüste trocknet aus...

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Algerische NationalflaggeEin Hammer und ein Eimer auf dem Weg durch die algerische Sahara bei Djanet. Ingenieur Embarek und der Chef des Hilfsprojekts Abdou Borgi beratschlagen im Auto. Es wird schwer sein, sagen sie, mal sehen ob wir was finden. Was sie finden wollen, ist das, was es hier in dieser Weite aus Sand und Felsen immer weniger gibt: Wasser. Nach zwei Stunden Fahrt Ankunft bei dem kleinen Nomadenstamm im Wadi Issendilène. 30 Nomaden leben hier in diesem ausgetrockneten Flußbett, das sie ihre Weidefläche nennen. Abdou zeichnet in den Sand, wie sein Hilfsprojekt aussehen soll. Einen Brunnen wollen sie graben, denn die Nomaden leiden unter Wassermangel. Die Tuareg in der Wüste mußten schon immer mit wenig Wasser auskommen – aber in den letzten Jahren finden die Familien hier noch nicht mal mehr das Wenige was sie zum Waschen und Trinken brauchen.

Der Grundwasserspiegel sinkt

Wassersuche in der Wüste „Wir brauchen dringend einen Brunnen, weil uns oft sogar das Wasser zum Trinken fehlt“, beklagt sich die Nomadin Melouk Mabrouka. „Es gibt Tage, an denen wir Durst leiden und unsere Tiere können wir auch nicht versorgen weil wir mit der Herde viel zu weit laufen müssen zum nächsten Brunnen, denn es gibt hier in der Nähe kein Wasser mehr.“ Doch zum Brunnenbauen braucht man Schaufeln, die hat Abdou Borgi ihnen jetzt mitgebracht. Mit 800 Euro Spendengeldern für Material hofft er, den Brunnenbau bewerkstelligen zu können. Das Problem: durch die globale Klimaerwärmung ist der Grundwasserspiegel in der Sahara gesunken. „Das Grundwasser ist jetzt viel weiter unten“, erklärt Ahmed Bendaham. „Früher hast Du hier im Sand gegraben und ein paar Meter unter der Oberfläche schon Wasser gefunden. Jetzt liegen die Wasservorräte vielleicht in 20, 30 oder gar 40 Metern Tiefe.“

Schuld ist die Klimaerwärmung

Tuareg „Ihr mit Eurer ganzen Industrie im Norden, die Amerikaner, die Chinesen, die Franzosen, die Deutschen nicht zu vergessen – ihr seid für die Klimaerwärmung verantwortlich“, so Abdou Borgi. „Aber wir hier in Afrika bekommen das als Erste zu spüren: es regnet nicht mehr und die Temperaturen steigen: wir haben jetzt Winter und im Moment ist es so heiß, wie es früher im September war.“ Immer wieder während unserer Tage in der Wüste ziehen Wolken auf, wunderbare Himmelsschauspiele, aber Regen fällt keiner. Seit 2 Jahren hat es in der Region um Djanet nicht mehr richtig geregnet.

Nomadenleben in Gefahr

Wassersuche in der Wüste Abdou Hmais, der Clanchef der Nomaden packt Kanister und Schläuche auf seine Kamele. Die Karawane macht sich auf einen dreistündigen Weg zum Wasserholen. Auf der Strecke will uns Abdou Hmais etwas zeigen – hier sagt er, haben wir bis vor wenigen Jahren noch unsere Kamele getränkt. Ein Guelta war das, ein natürliches Wasserloch gespeist von Regenwasser, das über die Felsen hier herunter lief. Jetzt ist das Guelta nur noch ein trockenes Erdloch. Am Ende des Tals landen wir in einer großartigen Canyonlandschaft und hier gibt es jetzt endlich auch Wasser. Der einzige Brunnen im Umkreis von 50 Kilometern. Hier dürfen die Kamele das kühle Naß schlürfen und die Männer befüllen alte LKW-Schläuche mit Trinkwasser fürs Camp. „Ohne Wasser sind wir gezwungen, unsere Tiere zu verkaufen, oder zu töten“, sagt Abdou Hmais. „Aber was machen wir dann – wir können dann nur noch als Bettler in der Stadt leben. Wir sind aber Nomaden, wir wollen gerne weiter so leben wie bisher.“ Das Problem ist, die Schafs- und Ziegenherden schaffen es nicht bis zu diesem Brunnen, der Weg vom Weideplatz ist zu weit. Deshalb haben tatsächlich die ersten Nomaden ihre Herden schon verkauft.

Mühevolle Suche nach Wasser

Wassersuche in der Wüste Mal nachsehen, was der neue Brunnen macht. Mit wilden Schreien motivieren sich die Männer für ihre Schufterei. 5 Meter tief haben sie inzwischen gegraben, der Sand ist zwar feucht, aber von Wasser keine Spur. Wenn die Klimaerwärmung fortschreitet, sagen algerische Experten, dann sinkt der Grundwasserspiegel in der algerischen Sahara jedes Jahr um 10%. Unser Tuareg-Führer Ahmed zeigt uns, daß schon die Ureinwohner hier besorgt waren um die Wasservorräte. La vache qui pleure – die weinende Kuh heißt eine der beeindruckendsten Felsgravuren in der Wüste bei Djanet. Mindestens 5000 Jahre alt ist dieses steinerne Bild. Das hier ist der Kopf der Kuh erklärt Ahmed sie steht am Trog und findet kein Wasser mehr zum Trinken, deshalb weint sie. Hier sieht man die Träne und die zweite Kuh hat auch eine Träne im Auge. „Nein, das Wasserproblem ist nicht neu, aber es wird in letzter Zeit immer gravierender“ so Ahmed Bendaham. Bei der Brunnenbaustelle sägen sie inzwischen mit Wasserkühlung Eisenstangen für die Befestigung. Das Loch ist nämlich inzwischen 10 Meter tief und wenn sie nicht Vorsorge treffen, könnte der Sand drumherum ins Rutschen geraten. So langsam kriegt er es da unten mit der Angst zu tun. Auf Wasser ist er aber immer noch nicht gestoßen. Der Ingenieur schätzt, sie müßten wahrscheinlich nochmal 20 Meter tiefer graben. „Aber wir sind optimistisch sagt Abdou, wir glauben so fest, daß wir hier Wasser finden, daß wir einfach optimistisch sein müssen.“ Und dann wiederholt er nochmal das alte Sprichwort der Tuareg: Aman Iman Wasser ist Leben, ohne Wasser gibt es kein Leben.

(Quelle: swr)

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