Ein Dorf erzeugt klimafreundlichen Strom

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Grundsteinlegung

Letzte Vorbereitungen für die Grundsteinlegung: Unten im Tal liegt die Baustelle für die neue Wasserkraftanlage. Es wird die zweite dieser Art in Seloliman sein. Mehr Strom für die umliegenden Siedlungen und auch ein wenig Geld für die Dorfkasse, denn den Stromüberschuss können sie verkaufen. Gebet an Allah, damit beginnt die Zeremonie. Bapak Namak und die anderen Männer kommen alle aus Seloliman, sie selbst werden die Anlage bauen und später von der Wasserkraft profitieren.

"Ein paar Freunde haben mir von davon erzählt, dann habe ich mich für das Projekt registriert. Ich möchte zu Hause endlich richtig Strom haben. Vor allem ist dieser Strom billig", sagt ein Dorfbewohner.

Ein kleines Festessen – erst dann ruft die Arbeit. In einem halben Jahr soll das Häuschen mit der Turbine fertig sein, die Rohre verlegt und der Fluss umgelenkt. Die Dorfbewohner bekommen ein wenig technische Hilfe, aber den Großteil der Arbeit machen sie selbst. Genauso wie später die Wartung der Maschinen. Dazu kommt der positive Effekt für die Umwelt. Und Wasserkraft ist nicht nur klimafreundlich. Diese kleine Anlage schafft auch so etwas wie Umweltbewusstsein. Nur wenn genug Wasser den Berg herunter fließt, gibt es Strom. Das heißt man muss Wald und Natur pflegen, will man weiterhin viel Wasser haben.


Das Leben im Dorf ist einfach

Oben im Dorf kocht die Mutter von Bapak Nemak Tee – kein Wasserkocher, kein Gasherd. Am helllichten Tag ist es hier stockduster. Einen eigenen Stromanschluss haben sie noch nicht. Manchmal klauen sie sich ein wenig Elektrizität vom Nachbarn, aber darauf können sie sich nicht verlassen.
Das Leben in Seloliman ist einfach und hart, die meisten verdienen ihr Geld mit dem Reisanbau. Die erste Wasserkraftanlage hat dafür gesorgt, dass es zumindest ein bisschen Strom gibt, dass die Menschen abends nicht mehr Kerosinlampen und Kerzen anzünden müssen. Aber noch ist kein Geld da, um elektrische Maschinen zu kaufen. Noch ist alles Handarbeit. Auch das Reismehl-Machen.


Mit Wasserkraft - ein großer Erfolg

Wasserkraft bietet sich an in dieser Region – Vulkane sorgen für große Gefälle, die Hänge sind bewaldet, selbst in der Trockenzeit fließt genug. Vier oder fünf dieser kleinen Anlagen könnte man hier bauen. Wasserkraft in Seloliman ist ein großer Erfolg – aber im Klimageschäft können sie trotzdem nicht mitmischen.

"Wir haben versucht, uns auch beim Emissionshandel zu beteiligen, aber die Anlagen sind zu klein –sagen alle, der eingesparte CO2-Ausstoß zu niedrig. Es wäre schön, wenn wir trotzdem mitmachen könnten", meint der Ingenieur Chayun Budiono.

Jeden Tag werden die Turbinen kontrolliert und einmal heruntergefahren, damit die Zuflüsse von Ästen und Unrat gereinigt werden können. Dann gibt es keinen Strom für etwa eine Stunde. Die technischen Probleme hat das Dorf mittlerweile gut im Griff, wären da nicht noch die Schwierigkeiten mit Behörden und der indonesischen Bürokratie.

"Wir arbeiten hart, damit wir mit unserer Wasserkraft überhaupt Geld verdienen. Aber die Banken geben uns nur sehr widerwillig Kredite. Und dann sind da noch die Neider, die denken, wir würden reich werden und deswegen von uns Geld verlangen. Aber wir kriegen es hin", meint Ahmad Suroso, ein Betreuer der Wasserkraftanlage.


Kleine Veränderungen - dank Strom

Drei Stromleitungen führen von der Anlage weg – eine versorgt das zu Seloliman gehörende Dörflein Janjing. Der Weg hierher ist beschwerlich. Nur zu Fuß oder mit dem Motorrad kommt man herauf. Doch der Strom hat schon etwas Veränderung gebracht. Ibu Riyamah hat sich einen großen Kühlschrank gekauft – den einzigen im Dorf.

Es ist nur wenig Essen drin, dafür viel gefrorenes Wasser – in Tüten: "Ich kann damit ein bisschen Geld verdienen. Vor allem während des Ramadan verkaufen wir Eis an die Leute – das macht 4 – 6 000 Rupien am Tag."

18.00 Uhr, das Licht geht an. Janjing hat nun auch so etwas wie Straßenbeleuchtung, seine Bewohner müssen sich nicht mehr mit Taschenlampen durch die Gegend tasten. In den meisten Küchen steht nun ein Reiskocher. Viel Strom haben sie nicht – es reicht gerade mal für eine Art Funzelbeleuchtung. Trotzdem ist das viel besser als ein lärmender Dieselgenerator, stinkende Kerosinlampen oder Autobatterien.

Und die Kinder können nun endlich auch ihre Hausaufgaben am Abend erledigen.
Dass die Energie klima- und umweltfreundlich ist – ist ein positiver Nebeneffekt, der die Dorfbewohner aber reichlich wenig interessiert. Sie freuen sich über Fernsehen, günstiges Licht und das Geld für die Dorfkasse.

(Quelle: WS/werg)

Veröffentlicht in Startseite

Kommentiere diesen Post