Boxen, statt buddeln...

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

 Immer auf die Schnauze

„C´mon Princess. C´mon Princess, go forward a bit, kick ´em Princess.“ Prinzessin schlag drauf. „Lose it, C´mon.” Dreh auf, Miah. „That´s it, Mia, that´s it.” Genauso, mein Mädchen. Miah ist fünf Jahre alt. Ihr Vater hat sie im Sportverein angemeldet. Kick-Boxen. Stolze Eltern. Miahs Mutter Lisa und Vater Darren. „Im Ring fällt bei Miah der Schalter um“, meint Lisa Flanagan, Miahs Mutter. Und Vater Darren ergänzt: „Sie ist wie ein Pitbull-Terrier.“ Eine Kindheit in Nordengland. Wigan bei Manchester. Ein Spielzimmer für Miah und ihren Bruder. Hier beschäftigt sich der Vater noch mit seinen Kindern. „Ich haben eine engere Bindung zu meinen Kindern“, sagt Miahs Vater, „anders als andere Väter.“

Ein Spielplatz entsteht: Kinder-Käfigboxen. Hier trainiert der Nutznießer. Dauerlauf vor der Schule. Seine Eltern haben ihn „Thai“ genannt, wie der Sport, den er betreibt. Jeden morgen geht es raus mit Vater Mark und der großen Schwester. Im Garten hat Papa die Boxhalle gebaut. Ein Trainingslager als zu Hause. 10 Jahre alt ist Thai, 10 Stunden trainiert er pro Woche. Es gibt in England keine Altersgrenze für´s Thai-Boxen. In 500 Clubs trainieren selbst Kleinkinder. Angespornt von boxfreudigen Eltern. „Ich schlag gern jemandem die Fresse ein“ gibt Maxine Barlow, die Mutter von Thai zu. „Das ist grausam, aber einmal hab ich selbst gegen ein Mädchen geboxt, und ich hab es genossen, ihre Nase über das ganzen Gesicht zu verteilen.“

Kinder Kick Boxen The Assassins“ - Auftragskiller heisst die Boxschule von Vater Mark. Thai hat schon 58 Kämpfe gewonnen. Zwei Mal per Knock-Out. Der Gegner ging zu Boden. „Wir fliegen die Kindern zu Kämpfen nach Thailand. Da können sie auch gegen den Kopf boxen. Das ist hier leider verboten.“ So früh wie möglich sollte ihr Sohn Voll-Kontakt kämpfen. Thai selbst boxt lieber in England. „Weil es nicht so weh tut wie in Thailand ohne Kopfschutz. Wenn´s weh tut, tut´s weh. Aber man erholt sich. Kleine Jungs wie ich werden meist nicht schwer verletzt.“ Die kleinen Herausforderungen eines Zehnjährigen. Und seine kleinen Erfolge.

Dieser Junge ist Thais Gegner: Connor Butler. Mit seiner Schwester teilt er die Badewanne am Abend vor dem großen Kampf. Vor dem Schlafen Zähne putzen, wie jeder Neunjährige. „Du tust, als seist Du geisteskrank, um den Gegner nervös zu machen. Dann kriegen sie Angst. Aber nicht morgen, der hat schon über 50 Kämpfe hinter sich.“ Der Morgen vor dem Kampf. Frühstück mit dem besten Freund. „Es gibt keinen ordentlichen Leistenschutz für junge Thai-Boxer wie Connor. Aber der kämpft auch ohne“, erklärt Connor´s Mutter Nikki Butler. Und Connor ergänzt: „Ich prügel mich ständig. Auch, wenn ich in der Schule nicht kick-boxen darf: Wenn mich einer beschimpft, dann schlag ich ihn. Einmal hab ich den Kopf getroffen - aus Versehen“

Kinder Kick Boxen Wie die Profis. Blutdruck messen. Für alle Fälle. „Ich, Connor Butler, verstehe, dass ich beim Kickboxen verletzt oder getötet werden kann.“ Mutti unterschreibt. Schließlich ist Connor nicht volljährig. Um die lieben kleinen im Käfig-Kampf zu sehen, zahlen die Zuschauer rund 40 Euro. Ermutigung von den Eltern. „Streng dich an, du musst gewinnen. Du siehst furchtbar aus.“ Der mieseste Kampf, den sie je gesehen haben – meinen die Eltern. Fünf mal zwei Minuten. Vor mehr als tausend Zuschauern. Bis ein Sieger feststeht. Connor hat gewonnen. Die Freude eines Neunjährigen. Tränen bei Thai, dem Jungen, der nach einer Sportart benannt wurde.

Kampftag auch für Miah. Mutter Lisa macht die Fünfjährige fertig. Wer kämpfen will, muss leiden. Schließlich steht später Publikum um den Ring. Vor dem Kampf Tränen. Miah will nicht boxen. Hör auf, los geht’s. Das gleiche danach. Die Tränen einer Fünfjährigen. Eine Kindheit in Wigan bei Manchester. Miah verwandelt sich. Prinzessin nennt ihr Vater sie am Boxring. Zu Hause flieht sie – als Prinzessin in eine ferne Märchenwelt.

(Quelle: ws/swr/werg)

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