Ansturm auf die Pfandleiher

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Die Santos-Street in Manila: Marktstrasse und ein Finanzviertel für die kleinen Leute. Zwischen Obst- und Fischständen überall Pawnshops – die Pfandleiher. Bargeld in wenigen Minuten - wenn es mal wieder vorne und hinten nicht reicht.

Mittendrin, alteingesessen, der Pawnshop Papa. Filialleiter Manny Cortez hat überwiegend Stammkunden. Er kennt ihre Nöte und ihr bescheidenes Hab und Gut.

Von Geraldine hat er bereits Schmuckstücke in Gewahrsam, aber sie braucht mehr Geld und verpfändet nun auch noch ihr Handy – mal wieder. Manny Cortez leiht ihr dafür immer umgerechnet acht Euro, bis sie es wieder auslösen kann, zahlt sie fünf Prozent Zinsen pro Monat.

„Meine Mutter war schon Kundin hier. Ich muss immer kommen, wenn Kosten außer der Reihe anfallen, jetzt brauche ich Medikamente für meinen Vater.“

Hinter der großen Stahltuer lagern Ringe, Halsketten und Handies. Wenige Pfandleiher nehmen noch etwas anderes an: Es fehlt der Lagerplatz. Gut die Hälfte vom Schätzwert zahlt Manny Cortez aus. Meistens kommen nur kleine Summen zusammen, selten ist etwas über 100 Euro wert. Viele der Pfandstücke wechseln mehrmals im Jahr zwischen ihm und dem Kunden hin und her.

„Wenn Kunden etwas verpfänden, dann brauchen sie das Geld wirklich dringend, zum Beispiel für die Ausbildung ihrer Kinder, Schulgeld etwa. Zu Beginn des Schuljahres müssen wir mindestens eine Million Pesos im Tresor haben - das sind gut 16.000 Euro.“

Auch bei Lolita Garcia geht das Geld zur Neige. Ohrringe und Armband liegen schon im Tresor, jetzt gibt sie ihre Kette ab und bekommt 20 Euro.

„Die Stromrechung ist gekommen, wir brauchen Reis, Zucker und die Kinder Schulsachen.“

Wann sie den Schmuck auslösen kann, weiß sie nicht. Sie lebt wie alle hier von der Hand in den Mund. Als zwöflfaehrige verlor Lolita ein Bein bei einem Autounfall. Sie hat keine Arbeit, kümmert sich dafür um die Kinder von Verwandten, eigene hat sie nicht.

Der Besuch beim Pfandleiher gehört zum Alltag vieler Filipinos. Sie haben gar keine Wahl, denn Banken verlangen bei Krediten Sicherheiten, die in der Santos-Street kaum jemand bieten kann. Und hier geht es den Leuten noch besser als den vielen Slumbewohnern, die oft nicht mal etwas zum Verpfänden haben.


(Quelle: WS/ARD)

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