Taxi-Kultur in Kairo

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Eigentlich ist es nicht wegzudenken aus Kairos staugeplagten Strassen: Das schrottreife schwarz-weisse Taxi, mehrere Jahrzehnte alt, das von seinem Herrn auch gerne mal geschoben werden will. Und manchmal, wenn nichts mehr geht, muss Hilfe eben herbeitelefoniert werden. Doch nun droht mit solchen nagelneuen Autos die bananenfarbene Revolution.

Davon weiß der Fahrer einer dieser Rostlauben ein Lied zu singen. Achmed Zein, 54 Jahre alt, befürchtet das Schlimmste. Das neue Kairo-Taxi ist für Leute die Geld haben, eine Klimaanlage brauchen, und nicht mit anderen fahren wollen. Der Familienvater wohnt in dem alten Viertel Imbaba und verdient durchschnittlich rund sieben Euro am Tag. Wenn er mit seinen Freunden etwas notdürftig repariert, darf das nicht viel kosten. Der Wagen, er hat bald seinen dreissigsten Geburtstag, zeigt deutliche Spuren des Verschleisses: Draussen wie drinnen hat die Zeit ihre Narben hinterlassen. Während das Radio noch zeitweise den Koran spielt, hat der Zähler schon vor Jahren den Geist aufgegeben. „Ich nehme auch arme und alte Leute mit“, erklärt der strenggläubige Ahmed Zein. „Wenn ein Opa zu mir sagt, bring mich schnell dorthin, wo kein Bus hinfährt, beim Propheten, dann mach ich das, auch für wenige Piaster“. Reich werden kann man davon nicht: Eine Stadtfahrt ist schon für umgerechnet 50 Cent auszuhandeln.

Und so sieht er aus, der Schrecken der alteingesessenen Droschkenfahrer: Frischpoliert und neu, mit festen Standplätzen. Auch über Funk zu rufen, und im heissen Sommer wohl zu temperieren. Auch der Fahrer hat schmuck zu sein, handverlesen und geprüft, soll doch die ganze Aktion dem arg gebeutelten Verkehr der Metropole neuen Glanz verleihen. Es gibt vorgeschriebene Fahrpreise, plus Quittung aus der Taxiuhr, auch Kreditkarten sind willkommen.

Natürlich kostet der Spass ein ganzes Stück mehr als bisher,
aber die privaten Unternehmer sind optimistisch, dass es funktioniert. Sogar eine Zentrale gibt es, von der aus geleitet und gesteuert wird, Neuland im ägyptischen Droschkenmilieu. Es sind Welten, die da aufeinanderprallen, und manchmal kommt es sogar zum handfesten Krach. „Du hast es gut, du brauchst dich nicht dauernd rumzuärgern“, erklärt der Bärtige. „Ich muss mich immer mit den Kunden um den Fahrpreis streiten“. „Das kommt bei mir nicht vor, es wird gezahlt, was auf dem Zähler steht“, sagt der Angesprochene. „Das ist ungerecht, ihr werdet uns noch den ganzen Markt kaputtmachen“, beharrt der Alte. Es ist ein regelrechter Kleinkrieg ausgebrochen, alt gegen neu.

„In meiner Firma haben wir alle eine Ausbildung, wir sprechen mehrere Sprachen und haben gute Manieren“, meint Gamal Imam. „Die Anderen sind oft Analphabeten und haben ausser Autofahren nichts gelernt. Unser Vorteil ist, dass wir dazu noch zivilisiert aussehen, und saubere Kleidung tragen“. Den meisten Einwohnern von Kairo dürfte das wohl egal sein. Für sie kommt neben dem stinkenden Bus sowieso maximal das alte Taxi in Frage. Und die werden deshalb wohl noch viele Jahre aus dem Stadtbild nicht wegzudenken sein.


(Quelle: ard/ws/werg)

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