Bauer sucht Ehefrau

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Frauenbeschau in Vietnam

Sung Hwan Ahn mit Frau und TochterSie haben sich gefunden. Ehemann Sung Hwan ist Südkoreaner, Ehefrau Marijane kommt von den Philippinen, gemächlich rollen sie mit ihrer Tochter zu ihrem Acker.

Der Start ins Eheleben war rasanter. Sie lernten sich an einem Montagmorgen in Manila kennen, dann kauften sie das Hochzeitskleid und am nächsten Tag standen sie vorm Traualtar.

Marijane lebt nun als Bauersfrau in der südkoreanischen Provinz. Ihr Mann hatte einen Hochzeitstripp gebucht. Sie verstanden sich sofort – auch ohne viele Worte. Marijane mochte sein Gesicht. Sung Hwan Ahn:

„Und mir war es wichtig, dass ihr koreanisches Essen schmeckt. Ich hatte daher unser Nationalgericht Kimichi mit nach Manila gebracht. Als sie das gegessen hatte und es auch mochte, da war mir klar: Sie ist die richtige Frau für mich.“

Ein organisierter Hochzeitstripp, hier nach Vietnam, heimlich gefilmt: Südkoreanische Männer sind in Hanoi angekommen, um innerhalb einer Woche eine Ehefrau zu finden. Im Hotel lassen sie sich von einer Vermittlungsagentur heiratswillige Kandidatinnen vorführen. Die Frauen wollen durch die Ehe mit einem Südkoreaner meist der Armut entkommen. Schnelle Musterung – diese Frauen möchte keiner. Weitere Gruppen warten vor der Tür. Eine Frau wird ausgewählt und sie ist ebenfalls interessiert. Beide haben nun etwas Zeit, sich mit einem Dolmetscher an der Seite kennen zu lernen.

Frauen als Allround-Arbeitskräfte gesucht

Bildunterschrift: Herr Kim vor MusterfrauenWenn sie sich mögen, wird innerhalb weniger Tage an Ort und Stelle gleich zu mehreren geheiratet. Der Mann zahlt etwa 8.000 Euro, ein kleiner Teil davon geht an die Familie der Braut. Die Erfolgsquote ist hoch: Jedes Jahr finden tausende Südkoreaner ihre Ehefrau auf einem Hochzeitstripp. Mehrere Länder sind im Angebot: Vietnam, Thailand, Philippinen, Mongolei oder auch Usbekistan.
Vermittlungsagenturen boomen in Südkorea.

Die Werbung verspricht asiatische Schönheiten: zum Greifen nah – auch für Herrn Kim. Der Druckereiangestellte will nach Vietnam, über die Frauen dort habe er viel Gutes gehört. Im Katalog gibt es kurze Steckbriefe, Fotos – so trifft er eine Vorauswahl. Hübsch soll sie sein, jung, und sich später um seine Eltern kümmern:

„Bis vor zehn Jahren“, meint Kunde Kim, „war es auch für Frauen in Südkorea selbstverständlich, dass sie sich um die Schwiegereltern im Alter kümmern. Aber heute sind Frauen zu egoistisch. Und sie fragen immer gleich, wie viel man verdient, ob man ein Haus hat. Es ist wirklich nicht einfach, jemanden in Südkorea zu finden.“

Männer aus allen Berufen gehören zu den Kunden. Kritiker nennen es eine andere Art der Prostitution, aber so manche Provinzregierung ist den Agenturen dankbar. Denn jetzt finden auch die Bauern wieder Frauen.

Lee Eun-Tae von der Agentur „Interwedding“:

„Südkoreanische Frauen sind sehr wählerisch. Frauen aus Südostasien sind hingegen noch bereit, auf dem Acker mitzuhelfen. Es hat sich unter Männern herumgesprochen, dass sie die besseren Ehefrauen sein können. Diese Ehen haben daher nicht mehr den schlechten Ruf, den sie früher hatten, auch die Medien berichten positiver.“

Konservative Südkoreaner

 Bildunterschrift: Marijane von den Philippinen
Auf dem Land ist der Bedarf besonders groß. Die Männer hier wünschen sich vor allem häusliche Frauen, die sich ihnen unterordnen. Bei Südkoreanerinnen können sie damit nicht mehr landen. In einigen Regionen ist daher schon jede dritte Ehefrau Ausländerin wie Marijane. Sie tischt jeden Tag das Mittagessen auf, die Schwiegereltern sitzen immer mit am Tisch.

In Manila hatte sie für sich keine Perspektive gesehen. Hier ist sie zwar nicht reich, aber sie kann ihren Eltern zu Hause trotzdem etwas Geld schicken. Der Anfang war schwer, sie konnte sich nur mit Händen, Füßen und dem Wörterbuch verständigen. In Südkorea haben sie eine zweite Hochzeit gefeiert. Die Familie hat sie freundlich aufgenommen.

Ein Kulturschock war es trotzdem: Marijane muss sich nach koreanischer Sitte als Frau des ältesten Sohnes auch um die Schwiegereltern kümmern. Sie hat die Sprache schnell gelernt, das hat hier geholfen, die vielen Regeln des koreanischen Alltags zu verstehen:

„Wir Filipinos machen alles, wann und wie es uns gefällt. Aber hier isst man immer zusammen, und keiner darf vor dem Vater anfangen. Oder: Auf den Philippinen nehmen wir einfach einen Lappen und den Fuß und wischen so den Boden. Das ist hier aber verpönt.“

Auffangzentrum als Endstation

 Chau Ngu Yen: Die südkoreanischen Männer wollen die perfekte Frau
Für andere kommt es schlimmer: Sie werden verprügelt oder wie Haussklaven behandelt, und landen dann irgendwann mit ihren Kindern in einem der mittlerweile 200 Beratungszentren für in Not geratene Ausländerinnen. Diese Frau aus Thailand ist von ihrem Mann weggelaufen. Sie erzählt, dass er schon bald nach der Ehe anfing, sie zu verprügeln. Ein Trinker. Die Mutter reiste aus Bangkok an, um zu helfen. Auch sie wurde von ihm geschlagen und ist nun völlig verstört und verängstigt. Den Sohn, den will ihr der Mann wegnehmen, obwohl es auch ihr Kind ist und sie es großgezogen hat.

Die Beratungszentren müssen mehrsprachig arbeiten, weil die Ehefrauen oft nur in ihrer Landessprache um Hilfe rufen können. Viele sind mit falschen Versprechungen in die Ehe gelockt worden. Angeblich fürsorgliche Manager entpuppen sich in Südkorea plötzlich als gescheiterte Existenzen, Alkoholiker, oder gewalttätige Haustyrannen.

Die Sprache und der oft große Altersunterschied sorgen ebenfalls für viele Probleme.

Chau Ngu Yen, eine vietnamesische Beraterin:

„Die Männer wollen, dass unsere Frauen sehr gut kochen, kaum Geld ausgeben und sie im Bett gut befriedigen. Sie wollen eine perfekte Frau. Wenn wir nicht so sind, wie sie das möchten, dann hauen und schlagen sie uns.“

Trotz der zunehmenden Probleme reist der Strom nicht: Überall volle Sprachkurse. Marijane lernt zweimal in der Woche mit anderen Frauen aus Südostasien. Nach Schätzungen gelten 60 bis 70 Prozent der Ehen als erfolgreich. Marijane hat die Hochzeit nicht bereut, sie bekommt bald ein zweites Kind von ihrem Sung Hwan. „Und vielleicht“, sagt sie, „war es ja so etwas wie Liebe auf den ersten Blick.“


(Quelle: BR)

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