Volle Düse durchs Naturschutzgebiet

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Jetboat auf dem Shotover River, Queenstown, NeuseelandMit Top-Speed durch die Natur: Ein ganz normales Wochenende in Neuseeland. Das Jet-Boot ist eine Neuseeländische Erfindung und nahezu ein nationales Symbol. Queenstown auf der Neuseeländischen Südinsel nennt sich: Welthauptstadt des Abenteuer-Tourismus.

Pflichtprogramm für Touristen: eine Jetbootfahrt

Mit die größte Attraktion hier: dem Jetboot. Jedes Jahr kommen anderthalb Millionen Touristen aus aller Welt nach Queenstown. Und eine Jetboot-Fahrt gehört praktisch zum Pflichtprogramm.

Wilde Manöver und die Raserei, ganz dicht am Felsen, erzeugen den gewünschten Adrenalin-Schub für die Besucher. Wie gefährlich ist das? Fünf Tote bei Jetboot-Unfällen in den letzten zehn Jahren. Drei davon Touristen. Unsere Sicherheitsstandards sind gut, sagt die staatliche Aufsichtsbehörde.

Tourismus ist Neuseelands größter Devisenbringer, Die Regierung fördert ausdrücklich das Markenzeichen "Abenteuer".
„Es ist aufregend“, sagt Jet-Boot-Betreiber Shaun Kelly, "über nur fünf Zentimeter tiefes Wasser zu sausen. Unsere Boote haben 22 Touristen an Bord. Macht Spaß!"

Shaun Kelly gilt als Pionier: Er machte das Jetboot zur Touristenattraktion. Dabei sind seine Bootstouren noch vergleichsweise harmlos.

Johan Groters lässt sein Jetboot am Hauruko-See zu Wasser, in einem einsamen und menschenleeren Naturschutzgebiet. Er erklärt die Technik: "Der Motor saugt Wasser an", sagt er. "Und bläst es hinten heraus, mit riesigem Druck. Ich weiß gar nicht, wie viele Millionen Liter pro Minute. Aber viele. Gesteuert wird das Boot durch das Drehen der Austrittsdüsen. Das ist das Jet-Boot-Prinzip."


Johann fährt Touristen über den See, bis hinein in den Fluss. Und dann geht’s wirklich rund: Der Wairaurahiri ist ein Wildwasser, oft nur wenige Zentimeter tief, voller Felsen. Einem konventionellen Boot würde hier sofort die Schiffsschraube zertrümmert.

Die spezifisch neuseeländische Kombination:

 Motorabenteuer und Naturgenuss

Neuseelands Flüsse sind meist flach. Und um sie befahren zu können, wurde das Jetboot erfunden. 1954 wurde das erste Jetboot gebaut, von einem Neuseeländischen Schaffarmer. Ohne Wege und Straßen in den Weiten des Farmlandes fand er so einen Transportweg auf den flachen Gewässern.

Später nutzten Jäger das Jetboot, um in die tiefen Wälder vorzudringen. Und heute genießen Touristen Die spezifisch neuseeländische Kombination von Motorabenteuer und Naturgenuss.

Mit fünfzig Sachen durch den Dschungel zu rasen, in einem Land, das so viel auf Umweltschutz hält, sich selber "clean und green" nennt, "grün und sauber", das birgt eine gewisse Ironie. Doch Neuseeland ist stolz auf seine Erfindung, das Jetboot.
Jetboating, das ist auch ein Volkssport im Land.

Die meisten Flüsse, wie der Waikara-River, dürfen nur einmal im Jahr von Jetbooten befahren werden. Neuseelands Behörden regeln das Sportfahren ziemlich streng. Die lokalen Jetboot-Fans reisen von Fluss zu Fluss, um rasen zu dürfen. Und um Picknick zu machen.

Private Jetboot-Fahrer brauchen jedoch keinen Führerschein, Mindestalter nur 15 Jahre. Steht all der Benzinverbrauch nicht im Widerspruch zum Umweltschutz? "Ja, aber die meisten von uns benutzen benzinsparende Motoren", kommt die etwas verlegene Antwort von Jetbootfahrer Eddie McKenzie. "Mit unseren Standards", sagt er, "machen wir an den Flüssen doch nicht viel kaputt."

QueenstownZurück in Queenstown, am Kawarau-River. Shaun Kelly, der Betreiber von acht Touristenbooten, hat ein Hobby. Jetboot-Fahren. Die Maschine seines Rennboots hat knapp zehn Liter Hubraum. Seine Touristenboote fahren knapp 100, Shauns U 307 erreicht gute 200 Kilometer pro Stunde auf dem Wasser. Nebenan lärmen die Biker, Shaun mit Sohn Joseph an Bord, ist startklar.

Nur ein kleiner Teil des Hecks berührt noch das Wasser. Ein Freund von Shaun hat sich unlängst beim Rennen den Hals gebrochen. "Autounfälle sind häufiger", meint Shaun. Auch bei Tempo 155 reichen ihm ein paar Zentimeter Wassertiefe.

Abgesehen vom Abenteuerspektakel: Neuseelands Erfindung macht inzwischen weltweit Karriere. Südafrikas Marine nutzt Jetboot-Technik für besonders wendige Kriegsschiffe. Gebaut in Hamburg.

Hier freilich gehts um Spaß: So siehts aus: Ein ganz normales Wochenende in Neuseeland.


(Quelle: ard/werg)

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