Armut und Luxus...

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Luanda – teuerste Hauptstadt der Welt

Im Elendsviertel von Bernardo Francisco und Adao Apeba sieht es wirklich nicht nach Reichtum aus. Aber dennoch: ihre Blechhütten liegen auf Bauerwartungsland. Selbst auf dieses Elend haben Spekulanten ein Auge geworfen. Auch in Bernardos ärmlicher Hütte dreht sich alles ums Geld, ein Zimmer musste er untervermieten, und zwar das seiner Frau. Die ist ihm nämlich davongelaufen, hatte die ewigen Geldsorgen nicht mehr ausgehalten.

Selbst für seine elende Hütte muss Bernardo monatlich umgerechnet 100 Euro berappen. Er hatte trotzdem keine Ahnung, dass seine Blechhütte mitten in der teuersten Stadt der Welt liegt: „Nein. Das glaube ich nicht. Die teuerste Stadt der Welt? Das kann nicht sein. Was sagst Du denn da? Nein, das glaube ich nicht.“

Joao Paulo könnte Bernardo eines Besseren belehren. Nur wenige Kilometer von den Blechhütten entfernt lebt der erfolgreiche Geschäftsmann in seiner Luxuswohnung. Joao Paulo handelt mit Lebensmitteln und versorgt die Kantinen der meisten Behörden in der Stadt. Ein Millionengeschäft.

Gerade hat er einen neuen Fernseher geliefert bekommen, sein dritter. Aber Joao Paulo überlegt nicht lange, wenn er etwas kaufen will. Er kauft einfach:
„Ich glaube, Luanda ist die Stadt mit dem weltweit höchsten Wirtschaftswachstum. Fast 25 Prozent. Hier wird sich eines Tages jeder Alles leisten können, so wie in Dubai oder Kuwait. Wenn das mal soweit ist, dann wird Luanda die schönste Stadt an der Küste des Atlantischen Ozeans sein.“


Sanierung verdrängt die Mieter

Kinaxixi-Platz 6, in der Innenstadt. Günstig gelegen, gute Verkehrsanbindung. In diesem Dreckloch wohnt Anna Maria Martins. Ihre 50-Quadratmeter-Bruchbude kostet 2.000 Euro Kaltmiete, aber Anna Maria Martins kann sie nicht zahlen. Sie hat die Wohnung besetzt und muss ihre 14 Kinder ernähren. Sie hat Glück, dass sie noch nicht rausgeschmissen wurden, selbst Wohnungen wie diese sind in Luanda heiß begehrt. Wohnraum ist knapp, und der Bedarf ist wegen der vielen Zuwanderer groß.

Also werden auch hier Wohnungsmakler durch das Haus ziehen. Es wird renoviert werden, die Mieten in diesem Haus werden auf fast 5.000 Euro steigen.

Anna Maria Martins:
„Die Wohnung sieht bis jetzt ja nicht so aus, als ob man dafür viel Geld verlangen könnte. Aber nach der Renovierung wird sie mehr als das Doppelte kosten. Was wird dann aus uns? Auf dem Land haben wir noch in einer Strohhütte gewohnt, aber dorthin können wir nicht zurück, da gibt es noch weniger Arbeit, und noch weniger Möglichkeiten.“

Ölreichtum und Wirtschaftsboom

Die neuen Mieter könnten mit dem Hubschrauber nach Hause kommen. Seine immensen Erdölvorkommen haben Angola reich gemacht, es ist mittlerweile der größte Erdölproduzent Afrikas. Tausende von neureichen Geschäftsleuten suchen händeringend in Luanda eine Wohnung.

Die meisten Angolaner aber werden weiterhin kleine Fische fangen. Jeden Tag fahren Bernardo Francisco und sein Kumpel Adao raus, und machen mit ihrem Fang um die 30 Euro Umsatz pro Woche. Von ihren Fischgründen aus können sie die großen Frachter sehen, die in Luandas Hafen einlaufen. Mit so einem Frachter ist auch Joao Paulos Wagen geliefert worden, der einzige dieses Modells in ganz Luanda. Joaos Problem ist, dass es in der ganzen Stadt keine einzige Werkstatt gibt, die dieses Auto reparieren kann. Deswegen lässt er es per Flugzeug zum Kundendienst in das Nachbarland Namibia bringen.

Luanda ist im rasanten Wandel. Ein langer Bürgerkrieg hat schmerzhafte Spuren hinterlassen. Jetzt aber soll konsumiert werden. 12 Milliarden Euro Überschuss sind in der Staatskasse. Und fünf Millionen Menschen leben in der Stadt, die einst für 500.000 angelegt und seither nicht erweitert wurde. Das ist der Grund dafür, warum selbst unfassbare Drecklöcher heftig umkämpft und dann auch noch teuer sind.


Angola in der Preisspirale

Joao Paulo stört das alles nicht. Er gehört zur neuen Elite. Gerade lässt er ein neues Büro bauen. Chinesische Arbeiter erledigen das. China investiert viel in Angola. Alles läuft nach Plan. Nur die Verständigung ist schwierig...
Sein bisheriges Büro. Vor kurzem hat Joao Paulo, Präsident der „Angolan Business Corporation“, ein Tochterunternehmen in London gegründet; Investitionsvolumen dort: 400 Millionen Euro. Manchmal fliegt er für ein Wochenende nach Europa, hin und wieder kauft er sich irgendwo auf der Welt ein Haus.

Paulo: „Es stimmt schon, dass Angola immer teurer wird. Auf der anderen Seite ist das hier ein Land, in dem man noch gut Geschäfte machen kann. Hier gibt es so viele Möglichkeiten, wenn Du gut vernetzt bist. Du musst die richtigen Leute in der Regierung kennen, dann kannst Du in Angola Alles verkaufen.“

Manchmal allerdings bekommt man nicht viel dafür. Bernardo Francisco gehört nicht zu jenen Angolanern, die gut vernetzt sind. Sie fangen die Fische und Hummer, die dann auf den Tischen der Reichen landen. Jetzt sollen die Menschen selbst hier vom Strand verjagt werden, ein Investor will Restaurants und Hotels bauen.
Bernardo Francisco: „Das wird sehr schwer werden für mich. Wo soll ich denn hin? In einem anderen Elendsviertel werde ich erst mal gar keine Arbeit finden. Ich werde mir irgendwas einfallen lassen müssen.“
Sie haben eben das Pech, dass ihre Blechhütten an einem der bei Investoren begehrten Strände von Luanda liegen. Ihr Nachbar ertränkt seine Verzweiflung schon im Alkohol. Aber wer selbst im Elend haust, der hat nicht viel Mitleid mit seinen Leidensgenossen.


(Quelle: dw/dpa/werg)

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