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Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Alzheimer und Partnerschaft

Es beginnt kaum spürbar mit leichter Vergesslichkeit. Über einen Zeitraum von Jahren führt Alzheimer dann zu einer vollständigen Zerstörung der Persönlichkeit. Für die Partner der Erkrankten ein gewaltsamer Abschied...

Am Anfang einer Alzheimer-Erkrankung stehen meist harmlose Vergesslichkeiten: Der Betroffene steht im Supermarkt und weiß plötzlich nicht mehr, was er kaufen wollte. Dinge gehen verloren und tauchen an den unmöglichsten Stellen wieder auf. Im zweiten Stadium kommen Orientierungsprobleme hinzu, es treten Sprachschwierigkeiten auf und das Urteilvermögen ist stark beeinträchtigt; das Gehirn beginnt zugrunde zu gehen. Der Betroffene spürt das durchaus selbst und reagiert mit Unruhe, Angst und Aggression. Häufig entwickeln die Betroffenen auch eine Depression.


In diesem Stadium erfolgt auch, was man als Abschied vom Ich bezeichnen könnte: Es treten Verhaltensänderungen und Persönlichkeitsstörungen bis hin zu Wahnvorstellungen auf. Betroffene erkennen ihre Umgebung und selbst den Partner nicht mehr, mit dem sie ihr ganzes Leben verbracht haben. Verschlimmert sich die Erkrankung, werden die Patienten inkontinent und können nicht mehr alleine essen; sie werden dauernd pflegebedürftig. Das dritte Stadium kann Jahre dauern: Die Patienten haben die Intelligenz eines Neugeborenen erreicht, können nicht mehr sprechen und sind oft bettlägerig.


Vom Partner Abschied nehmen

Für die Angehörigen eines Alzheimerpatienten ist der langsame "Schwund" des Menschen, den sie einmal kannten, eine schwere seelische Belastung. Das betrifft vor allem die Lebenspartner. Für sie ist nichts mehr so, wie es einmal war. Sie sind gezwungen, nicht nur von ihrem Partner Abschied zu nehmen, sondern auch von den gemeinsamen Plänen für die Zukunft. Und sie müssen sich der Tatsache stellen, dass sich die Erkrankung immer weiter verschlechtert und zur vollständigen Pflegebedürftigkeit führt. 


Gefühle zulassen

Gefühle wie Trauer, Ohnmacht, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit sind beim gesunden Partner am Anfang völlig normal. Aber auch Unmut, Reizbarkeit und Aggressivität können hinzukommen. Gefühle, für die er sich schämt, weil der Partner ja auch nichts für seine Krankheit kann. Trotzdem sollten diese Gefühle nicht unterdrückt und verdrängt werden, sonst manifestieren sich die seelischen Beschwerden in körperlichen Erkrankungen. Besser ist es, zu seinen Gefühlen zu stehen, sie herauszulassen und mit anderen darüber zu sprechen.


Ende der Sexualität?

Demenzkranke haben nach wie vor das Bedürfnis nach körperlicher Nähe und liebevoller Zuwendung. Allerdings kann es im Laufe der Krankheit zu einer sexuellen Enthemmung kommen, die sich nicht nur auf den Partner bezieht. Hierüber sollte man mit einem Arzt sprechen. Getrennte Zimmer und eine gewisse Distanz können das Problem unter Umständen "entzerren". Ansonsten kann es hilfreich sein, ein zu starkes Begehren sanft abzulenken und dadurch zu mildern, dass man zärtliche Handlungen (Streicheln, Massagen, sanfte Berührungen usw.) in den Vordergrund rückt.


Aggression und Gewalt

Nicht selten sind Partner und Pflegende mit dem aggressiven Verhalten des Erkrankten konfrontiert. Das ist für eine Demenz durchaus nicht ungewöhnlich und lässt sich in vielen Fällen auf eine Depression zurückführen. Vor allem in der Anfangszeit kann das Erkennen der eigenen Defizite und die Trauer über den Verlust der geistigen Fähigkeiten bei den Betroffenen Wut auslösen. Einige erkennen den Verlust ihrer Fähigkeiten aber selbst nicht. Dann können Aggressionen entstehen, wenn die Pflegenden ihnen Grenzen setzen, die die Erkrankten nicht anerkennen wollen.

Pflegen ohne auszubrennen

Menschen, die beschließen, einen Alzheimerkranken zu Hause zu pflegen, nehmen eine schwere Aufgabe auf sich. Für den Betroffenen sind diese Angehörigen ein Segen, denn tatsächlich ist das häusliche Umfeld für einen dementen Patienten (jedenfalls in den ersten Jahren) die beste Unterbringung. Hier ist er geschützt und geborgen, kann mit Menschen leben, die ein besonderes und inniges Interesse an ihm haben. Und vor allem kann er seinen gewohnten Tagesablauf beibehalten.


Letztlich muss der Partner aber auch daran denken, sich selbst die nötige Pflege und Entlastung zukommen zu lassen, um nicht vorzeitig "auszubrennen"...


werg

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