Dalai Lama...

Veröffentlicht auf von Radio Sonnenschein

Das Unternehmen

 


Der westliche Rücken des Himalaja im Norden Indiens. 1.830 Meter über dem Meer liegt der Ort, über den seit Wochen so viel geschrieben und berichtet wird, wie schon lange nicht mehr.

Dharamsala, seit der Flucht des Dalai Lama 1959 seine Residenz und auch Sitz der tibetischen Exilregierung. Seitdem ist das "kleine Lhasa", wie der Ort auch genannt wird, so etwas wie das Zentrum der tibetischen Religion und Kultur.

Für die Tausenden Besucher aus Europa und Amerika, die jedes Jahr heraufkommen, gibt es unzählige Hotels und Restaurants.

Das Geschäft läuft gut und seit einiger Zeit läuft es noch besser. Seit der Tibetkonflikt in aller Munde ist, verdienen sie mit dem Tourismus gutes Geld. Und nicht nur da.


Tibetische Pharmaindustrie

An den Hängen des unteren Himalaja wachsen jede Menge Heilkräuter und Pflanzen. Unter den Augen des allgegenwärtigen Dalai Lama werden diese nach bestimmten Konzentrationen gemischt und zu kugelrunden Pillen verarbeitet. 168 Sorten stellen sie hier her, die gegen allerlei Krankheiten hilfreich sein sollen.

"Wir haben die meisten Kunden in Indien und in Nepal, aber auch viele Patienten in westlichen Ländern. Wir senden unsere Produkte seit einiger Zeit überall hin", erklärt Namgyal Tsering, Debuty Director der Tsee-Khan-Fabrik.

An tibetische Kinder und Rentner werden die Pillen umsonst verteilt, dafür muss das Geld beim Verkauf in alle Welt wieder reingeholt werden. Die Nachfrage nach tibetischer Medizin steigt. Die Exilregierung hat den Bau einer weiteren, viel größeren Fabrik beschlossen, die in diesem Jahr den Betrieb aufnimmt und gleichzeitig 300 Studenten aus aller Welt in tibetischer Heilkunst ausbildet.


Tibetischer Malerei

Weiter unten am Fuße des Berges. Nirgendwo wird tibetische Malerei so traditionell gelehrt wie im Norbulingka-Institut in Dharamsala. Die Studenten sind entweder selbst Exilanten oder Kinder von Flüchtlingen. Noten spielen keine Rolle, wer hier studieren will, muss die tibetische Sprache beherrschen und die Kultur kennen. Lovek Tschai kennt sie, er ist vor fünf Jahren aus Tibet geflohen.

„Ich kann hier die Kultur unserer Heimat leben. Diese Art buddhistischer Malerei ist in Tibet verboten. Für mich ist es die Möglichkeit, einen Teil meiner Heimat zu leben“, sagt er.

Was hier produziert wird, wird verkauft. Mehr als 1.000.- Euro kostet ein Bild, Statuen oder Möbel sind ungleich teurer und werden international über einen Katalog oder das Internet angeboten.

"Die Leute können damit online von jedem Ort der Erde aus bestellen, dann fertigen wir das gewünschte und verschicken es von hier aus per Post zum Kunden. Das ist unsere Haupteinnahmequelle", erklärt Tsering Phuntsok, Pressesprecher des Norbulingka Instituts.


Tibetisches Exil-Parlament

All dies ist organisiert und gelenkt durch die Exilregierung. Deren Sitz befindet sich ebenso wie das Parlament in einem unscheinbaren Gebäude. Hier finden zwei Sitzungen im Jahr statt. Einmal jährlich geht es um den Haushalt, dann unter Vorsitz des Dalai Lama.

Auf die Frage, wie die Exil-Tibeter die ganze Infrastruktur bezahlen, gibt es eine verblüffend einfache Antwort: "Jeder Tibeter über sechs Jahre hat sechs Cent pro Monat an die Regierung zu bezahlen. Alle Erwerbstätigen müssen zwei Prozent ihres Gehaltes abgeben, Selbstständige darüber hinaus zwei Prozent ihres Gewinns. Und natürlich gibt seine Heiligkeit der Dalai Lama als religiöses Oberhaupt viel Geld. Das bekommt er durch seine Auftritte, da er viel reist und mit den Menschen betet", so Karma Chopel, der Sprecher des Tibetischen Exil-Parlaments.


Tibetischer Rundfunk

Wer den Dalai Lama nicht sehen kann, kann der tibetischen Sache aber lauschen. "Voice of Tibet", so heißt der tibetische Rundfunk. Geld fließt nicht von der Exilregierung, sondern Spenden über ein Verbindungsbüro in Norwegen. 1996 gegründet, sendete die "Voice of Tibet" erst aus Oslo, nun aus Dharamsala.

Nachrichten und Feature in tibetischer und chinesischer Sprache.  "Voice of America", der amerikanische Auslandssender übernimmt "Voice of Tibet", die so über die Grenzen hinaus gehört werden kann - weltweit.

"Wir haben hier eine Band porträtiert, die einige politische Lieder herausgebracht hat. Diese Lieder hat Menschen innerhalb und außerhalb Tibet inspiriert. Wahre tibetische Kultur, die von hier aus in die Welt geht. Wir werden wieder etwas machen, wenn sie das zweite Album vorstellen", sagt Karma Yeshi, Chefredakteur von "Voice of Tibet".


Tibetische Band

Die "Exilbrothers" – "Exilbrüder" reiten auf einer Welle des Erfolges. Der Name ist Programm. Eben waren die drei Brüder auf einer Tour in Holland, für Ende Mai haben sie eine Einladung nach Österreich. Alles Konzerte unter dem Motto: "Freiheit für Tibet".

Der Dalai Lama findet weltweit Zustimmung, tibetische Kultur ist in wie nie zuvor. Das hilft Ihnen.

"Wir haben sehr viele Lieder mit dem Thema Freiheit. Es ist ja klar und alle wissen, dass das Thema für Tibet eine besondere Bedeutung hat. Aber wir machen auch Lieder über den Frieden und die Liebe", erklärt Tenzin Yamyang, Bandmitglied.


Frieden und Liebe

Zumindest Harmonie, das wünschen sich viele Tibeter im Konflikt mit China. Bemerkenswert ist, dass sich der Protest in Dharamsala gegen China in Grenzen hält. Keine Gewalt, keine lauten Töne. Sondern leise.

All abendlich treffen sich dann alle auf dem Marktplatz der Stadt, um für Tibet auf die Straße zu gehen. Gastwirte, Politiker, Touristen, Mönche. Es gehört dazu - es ist eine Art Verpflichtung - eine Kerze zu kaufen, anzuzünden und dann zur Residenz des Dalai Lama zu ziehen.

"Der Weg des Protestes kann nur der Weg seiner Heiligkeit sein. Wir haben dem Dalai Lama zu folgen, er ist die maßgebliche Autorität. Gerade wir Jüngeren bekommen durch ihn so viele Eindrücke und Ideen aus anderen Ländern. Er ist der einzige Weg, er ist die beste Waffe, die wir haben", meint Tenzin Yamyang.

Heute gab es ein Treffen zwischen Vertretern Chinas und des Dalai Lama. Das Thema ist wieder für ein paar Tage in den Schlagzeilen. Das hilft Tibet, dem Dalai Lama und auch den Menschen in Dharamsala auf dem westlichen Rücken des Himalaja im Norden Indiens...


werg

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